Wostkinder

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Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Ost und West.

Für ein Menschenrecht auf Krieg?

| 22 Lesermeinungen

Joachim Gauck und Herfried Münkler haben die Büchse der Pandora geöffnet. Sie reden einer gesellschaftlichen Werteerosion das Wort. Ein Widerspruch!

Es ist ein Wunder geschehen. Obwohl ich vielfach soziale Netzwerke nutze, habe ich durch die von mir konsumierten Kreise, Follower und „Freunde“ nichts von dem mitbekommen, was seit Monaten in den sozialen Netzwerken an Krieg stattfinden soll. Keine Palästinenser, keine Israelis, keine Russen, keine Ukrainer, keine Syrier, keine ISIS. Nur ein paar Deutsche, die von ihrem Wohnzimmertisch aus meinen, sich zu all dem voller Inbrunst verhalten zu müssen. Es war Krieg und ich ging nicht hin.

Bundespräsident Joachim Gauck hingegen konnte ich nicht ausweichen. Weder seiner Ansicht, dass Deutschland für die Menschenrechte in den Krieg ziehen solle, noch seinem Chef des Bundespräsidialamtes, David Gill, der Gauck vertiefte, in dem er Soldaten

als ultima-ratio-ratio-Element einer Gesamtstrategie und unter klaren verfassungsrechtlichen Vorgaben wie dem Beschluss des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen

in den Kampf schicken will. Nun haben die Einsätze der Vereinten Nationen nicht zwangsweise etwas mit Menschenrechten zu tun. Es ergibt sich so auch die Möglichkeit zu weiteren Einsätzen, außerhalb des Krieges für die Menschenrechte. Und was Menschenrechte überhaupt sind oder sein sollen, erklärt bei dem ganzen Geplapper ohnehin niemand. Bei Diskursen dieser Art ist es hilfreich, zu klären, worüber gesprochen wird. Denn so scharf, wie die Begriffe scheinen, sind selten. Die naheliegende Frage ist demnach: Was sind Menschenrechte?

© Katrin Rönicke 

In der öffentlichen Debatte werden sie gerne als unverrückbares Recht jedes Menschen dargestellt. Etwas, das einem Individuum durch die Geburt zugesprochen wird und nicht weggenommen werden kann. Gerne werden die Menschenrechte als universell angesehen, wie beispielsweise vom Philosophen Georg Lohmann.

Menschenrechte sind ihrem Begriff nach universelle Rechte, da sie für alle Menschen gelten, und sie sind egalitäre Rechte, da sie für alle Menschen in der gleichen Weise gelten.

Die Behauptung mutet merkwürdig an, denn sie führt zu der Frage, wie es sein kann, dass die Menschenrechte universell sind. Auffällig ist doch, dass keine höhere Entität existiert, die dieses Recht garantiert. Im Gegenteil, die Menschenrechte sind ein von Menschen erdachtes Konstrukt und dadurch sind sie ein subjektives Recht. Das bedeutet, sie sind ein moralischer Anspruch des Menschen an den Menschen.[1] Nur wer daran glaubt, kann sich in seinem Handeln an diesen moralischen Anspruch gebunden fühlen. Ein von Menschen für den Menschen geschaffenes Recht, in dem zugleich alle menschlichen Widersprüche und Beschränkungen mitveranlagt sind. Ihnen liegt kein Automatismus zugrunde, der das, was als unmenschlich empfunden wird, unterbinden könnte.

Gleichwohl kann alles, was menschlich ist, auch als Gesellschaft gedacht werden. Eine Gruppierung kann sich bewusst entscheiden gemäß der von ihr festgelegten Grundsätze zu handeln. Sie kann sich Verbündete suchen, versuchen andere zu Überzeugen und (für sie) im Idealfall, bekennt sich ein ganzer Staat zu ihren Werten. Im Fall der Menschenrechte ist das in Deutschland und Europa geschehen. Die europäischen Staaten garantieren ihren Bürgern die Umsetzung des Rechts. Innerhalb der Staaten mit durchaus unterschiedlicher Gewichtung, weswegen es in Europa als letzte Instanz den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte[2] gibt. Es wurden die Entitäten von Menschenhand geschaffen, die das Recht umsetzen können und sollen.

© Marco HerackKulturtranfer

Das beschränkt sich auf Europa. Aus diesem europäischen Glauben an die Menschenrechte erzeugt sich in der Realität die Möglichkeit, dass auch andere Gesellschaften oder Gruppierungen ihre Ideen aufgreifen und umsetzen.[3] Sie können überzeugt werden, müssen es aber nicht. Der Idee sind die kulturellen Grenzen der Nationalstaaten gesetzt. In diesem (moralischen) Sinne ist es kein Zufall, dass der Diskurs um den Krieg für den Glauben an die Menschenrechte durch einen ehemaligen Pfarrer erneut ins Rollen gebracht wurde. In einem Interview mit dem Deutschlandradio formulierte Joachim Gauck seine Gedanken:

Aber heute ist Deutschland eine solide und verlässliche Demokratie und ein Rechtsstaat. Es steht an der Seite der Unterdrückten. Es kämpft für Menschenrechte. Und in diesem Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben unschuldiger Menschen ist es manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen. So wie wir eine Polizei haben und nicht nur Richter und Lehrer, so brauchen wir international auch Kräfte, die Verbrecher oder Despoten, die gegen ihr eigenes Volk oder gegen ein anderes mörderisch vorgehen, zu stoppen. Und dann ist als letztes Mittel manchmal auch gemeinsam mit anderen eine Abwehr von Aggression erforderlich. Deshalb gehört letztlich als letztes Mittel auch dazu, den Einsatz militärischer Mittel nicht von vornherein zu verwerfen.

Es ist schwer, dem zu widersprechen. Wer wöllte denn verantworten, gerade im Angesicht der deutschen Geschichte, zuzuschauen, wenn irgendwo auf der Welt Menschen von Despoten oder Verbrechern ermordet werden? In einem moralischen Sinne will das niemand verantworten. Aber das ist auch das Problem. Gaucks Argumentation ist zutiefst und ausschließlich moralisch. Er definiert den Vorgang selbst als Kampf für die Menschenrechte und für diese ist alles Nachfolgende, auch der eigene Tod, notwendig. Gauck setzt damit einen Schlussstrich unter der Idee einer „postheroischen Gesellschaft“, in der wir uns laut Herfried Münkler befinden sollen. Er fordert das komplette Gegenteil, ein heroisches Sein.

Der Lobbyist, Politikberater und Professor für Politische Theorie, Herfried Münkler, diagnostiziert der deutschen Politik an diesem Punkt eine „Kluft zwischen Schein und Sein“. Zwar habe sie bei ihrem Handeln auch immer „ein Interesse“, doch kommuniziert sie dieses nie und ist davon eher „peinlich berührt“, wenn dieses Interesse den nach außen kommunizierten Werten widerspricht. Münkler erspart sich diesbezüglich die intellektuelle Neugierde. Pragmatisch räumt er den Interessen des Staates Vorrang ein und belässt es bei der Betonung, dass hier natürlich eine Werteabwägung stattfinden müsse. In jeder Abwägung dieser Art wird zumindest ein Teil der Werte geopfert. Es ist die Natur der Abwägung, nicht nur eine Seite zu gewichten. Sein Denken als Politiker bedeutet in letzter Konsequenz einen Freifahrtschein für die als Politiker[4] handelnden Akteure. Carl Schmitt würde nicht widersprechen. Münkler hat in seiner Denkwelt die Werteerosion veranlagt, indem er ihre Gültigkeit auf eine Erwägungsfrage abstuft und der deutschen Außenpolitik bescheinigt, ohnehin schon so zu handeln. Mit dem Ausruf „Wirtschaftliche Interessen – na, klar!“ formuliert er seine Verortung abschließend.

© Marco HerackWerteerosion

Es sind zwei Pforten geöffnet worden. Neigt man Gauck zu, könnte ein Krieg für die Menschenrechte die Folge sein. Folgt man Münkler, könnten die wirtschaftlichen Werte über die Menschenrechte gestellt werden.

Gauck betont natürlich, und auch Münkler wäre davon nicht weit zu finden, dass Krieg nur die „Ultima Ratio“ des Handelns sei. Was jeder betont, der über Krieg spricht, und was schon Clausewitz süffisant mit „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ auf seinen schwachen Punkt brachte. Krieg unterliegt immer dem Primat der Politik, die ihn als Mittel zu ihrem Zwecke einsetzt. Und dieser Zweck sind niemals nur „die Menschenrechte“, „die Handelsrouten“, „das Volkswohl“ oder Ähnliches. Das Handeln der Politik inkludiert auch immer das simple Streben nach Macht, Rache und Blutdurst. Es ist zutiefst menschlich und dem Zeitgeist geschuldet. Heutzutage führt man zwar nicht mehr Krieg der Landgewinnung wegen. Aber immer noch zur Mehrung des Reichtums der Gesellschaft. Land gewinnen, das möchte nur noch „der Russe“, der die „neue globale Wirtschaft“ bis heute nicht verstanden hat. Dabei geht es jetzt doch um die Gewinnung von Marktzugängen zu Konditionen, die man den anderen diktiert.

Der Gedanke liegt nicht fern, dass die Positionen von Gauck und Münkler zusammenfinden. Wird aus ihnen ein Konsens geschmiedet, könnten die Akteure der deutschen Außenpolitik künftig einen Krieg für Menschenrechte führen, der die wirtschaftlichen Werte der Bundesrepublik sichert.[5]

Dieser Befürchtung wird deswegen das wortgeführt, weil sie auf eine Gemengelage trifft, die ihr zugeneigt sein könnte. In Deutschland werden Brandanschläge auf Synagogen und Moscheen verübt. Der starke Mann und Militarist Wladimir Wladimirowitsch Putin wird in Teilen bewundert. Auf der Straße schlägt sich der Mob, wegen diverser Konflikte auf dieser Welt, die Köpfe ein. Zeitungen fordern dazu auf „Stärke zu zeigen“ oder skandieren gegenüber ihren Lesern mit „Stoppt Putin jetzt!“. Es ist nicht abwegig zu vermuten, dass die Kriegsbereitschaft dieser Bevölkerung wieder steigen wird. Es muss nur der Hass mit der Absicht zusammenfinden.

Joachim Gauck hat zu einer Unzeit einen Diskurs eröffnet, der nicht seinem moralischen Duktus unterworfen werden darf. Sein Glaube darf nicht als Grundlage für einen Krieg akzeptiert werden. Ebenso wenig wie das gesellschaftliche Wertesystem eine Verhandlungsmasse entgegen den wirtschaftlichen Ambitionen des Nationalstaates innerhalb einer globalisierten Wirtschaft sein darf.

Den Krieg bezahlen immer die Bürgerinnen und Bürger eines Staates. Es sind ihre Töchter und Söhne, die das größte Kontingent stellen. Es sind ihre Häuser und Wohnungen, die zerstört werden. Und es ist ihr Eigentum, das an seinem Ende auch mal über die Wupper geht. Das Volk darf niemals für den Krieg sein, sonst macht es Politikern die Entscheidung für den Krieg zu einfach.

 

[1] Das betrifft ebenso alle von Menschen geschaffenen Institutionen, in denen Menschen als Nicht-Menschen handeln. Diese Abstraktheit des Handelns, denkt entlastet Entscheidungen von einer moralischen Qualität.

[2] Auch wenn die europäischen Staaten sich verpflichtet haben, Russland gehört in diesem Fall dazu, die Urteile als verbindlich anzuerkennen, gibt es auf nationaler Ebene verschiedene „Bindungswirkungen“. Die Ausprägung des Rechts eines Menschen ist also immer sehr individuell.

[3] Wie selektiv auch das europäische Menschenrecht ist, kann man seit Ende des zweiten Weltkriegs am Beispiel der „Displaced Persons“ beobachtet werden. Das Selektionsverhalten zieht sich bis heute hin und mit etwas Zynismus könnte man man die Agentur zur Abschottung der europäischen Grenzen, Frontex, als ihre bisher letzte Konsequenz bezeichnen.

[4] Diese etwas staksige Formulierung versucht aktiv zu vermeiden, Politiker und politisches Handeln gleichzusetzen.

[5] Horst Köhlers Krieg für Handelsrouten findet sich hier wieder.

 

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22 Lesermeinungen

  1. Wer gar keinen Krieg mehr führen will, zu dem kommt dann der Krieg der anderen.
    Zu Risiken und Nebenwirkungen befrage man die Tutsi in Ruanda, die Christen in Mossul, die Bewohner von Sarajewo.

    Im Ergebnis allerdings bin ich mit dem Autoren einer Meinung, wenn auch aus völlig anderen Gründen. Deutschlands bequemlichkeitspazifistische Autoren haben das Recht verloren, von irgendeinem Teil ihrer Bevölkerung Sterben und Töten zu verlangen.

    Was ich nicht wirklich verstehe, ist die „Werteerosion“, die Gauck veranlasst. Welcher Wert ist gemeint – 100% Pazifismus? Dann wäre es die Debatte allemal wert, weil das für mich kein Wert ist, sondern im Ergebnis ein Verbrechen sein kann (unterlassene Hilfeleistung für vom Tode bedrohte).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • werteerosion
      aus einer rein politischen sicht bin ich nicht der meinung, dass man krieg nicht denken darf. er ist und bleibt teil des politischen handelns und verhandelns. deswegen bezog ich das „gegen den krieg“ sein auch aufs bürgertum. in einer ökonomischen denkweise, die zur zeit ja gerne gesehen wird und damit als realpolitische sichtweise durchgehen kann.

      pazifismus ist für mich kein wert, denn da sind wir uns einig. es gibt die situationen, in denen der krieg dann einfach kommt, wenn man nicht selbst aktiv ist. aber das ist die denkweise, um die politiker sich kümmern sollen.

      die werteerosion findet für mich an dem punkt statt, an dem man aktiv für eine ausdehnung der werte „in den krieg zieht“. die menschenrechte sind dem schnell verdächtig, weil sie als universell definiert werden. man kann also überall für sie in den krieg ziehen.

      den verteidigungsfall der menschenrechte in den sphären, die sich aktiv für sie entschieden haben, würde ich hingegen wieder abtrennen und als werterhaltend ansehen.

      mfg
      mh

    • Ich würde niemals für "Menschenrechte" in den Krieg ziehen. Das Risiko, dabei eine Situation
      noch zu verschlimmern, hat der Irakkrieg noch einmal gnadenlos verdeutlicht. Die USA glaubten, ein Gefängnis zu befreien und öffneten die Tore eines Irrenhauses. Ich habe Gauck allerdings auch nicht so verstanden, als wolle er Krieg zur Einführung des nichtehelichen Zusammenlebens rechtfertigen …

      Sehr wohl halte ich es aber für nicht nur legitim, sondern für zwingend, für das grundlegendste Menschenrecht in den Krieg zu ziehen – das simple Recht auf Leben. Und das reicht völlig aus, den (initialen) Krieg in Afghanistan, den viel zu späten gegen Serbien oder den gerade beginnenden gegen ISIS zu rechtfertigen. Auch zu vorbeugendem Selbstschutz.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Stammesgesellschaften und Schlachtformationen
      Eigentlich begann die Entfernung der Entscheider über Leben und Tod von der Realität doch mit dem Wechsel des Heerführers von der Spitze des angreifenden Heeres auf den Feldhügel. Ab da war die Entscheidung über Leben und Tod oft nur noch eine Entscheidung über das Leben und den Tod anderer.

      Auch Militärs, die nach steiler Karriere die Zügel in der Hand halten, aber nie das Sterben eines untergebenen Soldaten unmittelbar miterleben mussten, ist nach meiner Meinung zu mißtrauen.

      Viele Grüße
      Günther Werlau

    • Stimmt soweit. Weshalb sich mein Respekt an dieser Stelle auch nur auf Menschenführer
      wie Friedrich den Grossen, Churchill oder George Washington beschränkt. Die kannten das Schlachtfeld, höchstpersönlich. Danach kamen die Armsesselgeneräle.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  2. Argumentationskette und Staatsbürgerkundeunterricht
    Ich finde es, unabhängig von diesem Artikel, ebenfalls bedenklich, wie einfach es wieder geworden ist, deutschen Stahlhelmen einen umjubelten Marschbefehl zu erteilen.

    Die im Artikel geführte Argumentation überrascht mich dennoch in mehreren Punkten:

    Zum einen überrascht mich das Fundament der Argmentation: Der Nationalstaat (hier als Rechtsraum benötigt). Hatten wir nicht in diesem Blog schon diverse Beiträge, die den Nationalstaat als überkommene Ordnungsform kritisiert haben?

    Zum anderen fühle ich mich in der Dialektik der Argumentation sehr an den guten alten StaBü-Unterricht erinnert: Weil Hr. Gauck Werte formuliert und ein Einstehen mit Waffengewalt für diese Werte fordert, fördert er die Erosion von Werten. Das klingt wenig schlüssig.

    Postulieren wir, Realpolitik kann sich (weil sie sich eben primär mit Interessensausgleich beschäftigt) in erster Line am nur Interesse orientieren und erst in zweiter Linie an den Werten: Wenn also jemand auf der Basis der Werte argumentativ für eine Erhöhung der Anzahl der Einsätze deutscher Soldaten im Ausland sorgt und solche Einsätze auch realpolitisch begleitet werden, so erhöht sich damit auch die Gefahr, dass realpolitische Interessen vor den Werten die Befehlsgebung bestimmen.

    Der zu kritisierende Punkt an Gaucks Äußerungen ist in meinen Augen nicht das Beschwören der Menschenrechte an sich, sondern das Vermitteln des Gefühls, die Soldaten würden für diese Werte sterben (müssen). So war das noch nie. Werte sind zwar als primäre Beweggründe eines (jungen) Individuums zu altruistischen Handlungen gut vorstellbar (der sich freiwillig an die Front meldende Bursche tut dies vielleicht zur Ehre Gottes, zur Ehre der Nation, um die Fackel der Demokratie in die Welt zu tragen, für ein kommunistisches Europa, für die Befreiung unterdrückter Völker, …) aber als Entscheidungsgrundlage der Mächtigen taugen sie doch zumindest nicht in erster Linie. Und das ist (die Existenz von wirksamen Kontrollinstanzen vorausgesetzt) auch gut so, denn sonst sind Sie ganz schnell in einem totalitären System, in dem jede Abweichung von den Werten unbarmherzig bestraft wird. Denn wenn Fremde primär für die Missachtung dieser Werte sterben müssen, dann ist eine Strafe im Inneren für die Misachtung doch wohl billig.

    Glauben Sie wirklich, am Hindukusch wird von deutschen Soldaten die Demokratie verteidigt? Da macht die Erklärung eines früheren Bundespräsidenten doch viel eher Sinn. Und zwar nicht nur für die Herrschenden, sondern für uns alle. Wenn wir hier Klarheit hätten, dann wäre das Volk so gut wie nie für einen Krieg und das erreicht, was Sie wollen.

    • jein - ein problem des artikels
      ich bin bezüglich der wahrnehmung des artikels, nicht nur in bezug auf sie, etwas erstaunt. sprich ihre wahrnehmung ist durchaus repräsentativ, auch wenn sie hier nur einmal zu lesen ist.

      gauck nimmt zwar einen großen teil des artikels ein, aber er ist meiner betrachtung nur sekundär. mir ging es primär um münkler, der ja aktiv politik betreibt, indem er aktiv politiker beratend treibt. unter anderem unsere verteidigungsministerin ursula von der leyen. zugleich geriert sich münkler als sprachrohr des bürgertums und genau dies habe ich ihm abgesprochen, denn das bürgertum darf niemals für den krieg, weder aus interessen noch aus menschenrechten, sein.

      im details geht es um folgendes:

      politik widmet sich der interessenabwägung. dem gegenüber muss das bürgertum als fundamentalopposition positioniert sein, damit es nicht selbst zum kriegstreiber innerhalb der interessenabwägungen der politiker wird und damit zu einem unpolitischen part der politischen willensbildung.

      erst an dem punkt kommt gauck ins spiel. denn er wendet sich ans bürgertum und verbindet diese beiden politisch gegensätzlichen sphären unter dem interesse der „kulturellen verbreitung der menschenrechte“, schreibt ihm dem aber den status eines „wertes“ zu. das heißt gauck bastelt, vermutlich eher unbewusst, daran, dass über den begriff des vermeintlich universellen wertes der menschenrechte eine interessengleichheit zwischen politik und bürgertum entsteht, die wiederum dazu führt, dass die politik in einem eher unpolitischen vorgang ermächtigt wird im kampf für die werte auch einen krieg für ihre übergeordneten interessen unterzubrringen.

      gauck war deswegen so stark präsent im text, weil an ihm das thema menschenrechte selbst verhandelt werden konnte, die dann das vehikel sind um das münklers argumente zu entlarven.

      mfg
      mh

    • nationalstaaten
      noch ein wort zu den nationalstaaten.

      auch hier: jein.

      die schwierigkeiten mit den nationalstaaten ist, dass sie ja noch existieren und dass ich als bürger an ihre rechtsnormen gebunden bin. zugleich lösen sie sich in übergeordnete entitäten wie die eu auf, die wiederum in dieses rechtssystem eingreift.

      wir befinden uns hier mitten in einem transformationsprozess dessen ende wir nicht mehr erleben werden, weil er über jahrhunderte hinweg erfolgen wird. es ist ein schleichender prozess, während dem der nationalstaat immer auch mitgedacht werden muss.

      mfg
      mh

    • Interessengleichheit
      Ist es nicht der Idealfall, dass eine Interessengleichheit zwischen der Bevölkerung und der Politik besteht? Ich bin der Meinung, wenn die verhandelten Interessen klar auf dem Tisch liegen, dann kann sich die Bevölkerung durchaus auch für die eigenen Interessen entscheiden. Die eigenen Werte bleiben ja immer die Leitplanken des individuellen Handelns.

      Nur wird heutzutage sehr stark mit Spiegelkabinetten gearbeitet. Niemand sagt, was eigentlich verhandelt wird. Stattdessen werden Kulissen gebaut und kräftig geschoben. Soetwas ist unwürdig und eine Mißachtung des Soveräns. Andererseits gibt es genug Beispiele, wie irrational breite Debatten schnell werden können. Gerade unsere schöne neue Welt läuft doch auf einen permanenten Kampf der radikalisierten Positionen hinaus, in dem die Gruppe gewinnt, die am lautesten schreit und den stärksten moralischen Impuls setzen kann.

      Viele Grüße
      Günther Werlau

    • sicher..
      wenn es um den bau von straßenlaternen geht oder die höhe der steuern, dann sollten politiker und das regierte volk sich einig sein.

      beim krieg hingegen gibt es kein interesse des volkes, welches ihn sinnig macht. es sind nur die werte der politiker und im zweifel die moral und dagegen muss das volk dann sein. denn erst wenn die innenpolitischen kosten höchstmöglich sind, kann man überhaupt anfangen von einer ultima ratio des krieges zu sprechen.

      mfg
      mh

  3. Gauck....
    Was haben eigentlich zu alte und „feind-se-li-ge“ Menschen in der Politik zu suchen?
    Russo- oder irgendwie anders phobe duerfen in unserer unruhigen Zeit keine Richtlinien bestimmen.

    Im uebrigen faellt es dem „Schwarm“ immer oefter auf und es tritt – dank genialer Fotografen und Kameraleute – immer deutlicher in den Vordergrund, dass unsere Elite keineswegs den Anspruch erfuellt, den diese Vorredner uns weismachen wollen.
    Es geht nur um Geld, nochmals Geld, persoenlicher Bereicherung und sonst gar nichts!

    Zum Schluss geht es vielen wieder so wie meinem Vater, der ungefragt irgendwohin zum Toeten geschickt wurde. Und spaeter will es wieder keiner gewesen sein, aber einige Firmen wurden in der Zwischenzeit entsetzlich reich.
    Es gibt keine Erosion ethischer Begriffe, es gibt nur wissentlichen Missbrauch, der bestraft werden muss, ehe es wieder zu spaet ist.

    Es ist beschaemend, dass der „Schwarm“ nur zwitschert und immer neue Formen annimmt….mehr aber auch nicht.

    Ging waehrend der EU-Wahl alles mit rechten Dingen zu?
    Wie war das mit dem elendigen Kampagnenjournalismus fuer Gauck (taz)?
    Glasnost nur fuer die EX- UDSSR aber keineswegs fuer heutige TTIP-und TISA-Verhandlungen?

    Meinungsfreiheit: dieses Wort ist zur Hure geworden.
    Genauso wie Informationszugaenglichkeit immer teurer werden soll (DIE WELT, BILD+, etc.) oder seichte Reklameberieselung zwangsbezahlt ist.

    Im uebrigen haben solche Geister wie Gauck nur „Erfolg“, da sie unehrlich sind.
    Sie wuerden sie sich keineswegs mutig hinstellen und sagen „“Hey, hoert mal, da hat eben das Auswaertige Amt eine Studie in Auftrag gegeben und herausgefunden, wie man unter Zuhilfnahme konzertierter Aktionen, eine davon sind einge Reden von mir (Gauck), Steinmeier, von der Leyen, „die Graeben zwischen der Mehrheit und der Elite zuschuetten kann“. Wir wollen einfach, dass ihr mit uns gegen den Osten aber mit den Atlantikern marschiert.““?
    Und der „Schwarm“? Der „Schwarm“ ist zwar aeusserts flatterhaft und kackt gern einmal einen ganzen Baum voll, ist aber ansonsten zu bequem.

    Dass bis jetzt noch keinem aufgefallen ist, dass zu einer guten Demokratie UNABHAENGIGE Kontrollinstanzen gehoeren.
    Die bestehenden Schmarotzer und eingekauften Feigenblaetter wie Der Deutsche Presserat, die Deutsche Justiz, der Bund der Steuerzahler, etc, beduerfen einer Radikalrevision um ihrem WORTSINNE WIEDER ENTSPRECHEN ZU KOENNEN.

    Hallo „Schwarm“: Es fehlen – zur Verhinderungen einer sich abzeichnenden Diktatur – eben die Kontrollinstanzen.

  4. Titel eingeben
    Die Reklame für Twitter, Facebook und Google – also für die NSA – unter solch‘ einem wichtigen Antikriegs-Artikel ist völlig deplatziert.
    Man muss nicht alles mitmachen, nur weil Millionen D’ppen das vormachen. Wo das hinführt… wem sag ich das!?

    • Titel eingeben
      wir kritisieren und hinterfragen die netzwerke in diesem blog nicht selten.

      dennoch ist auch eine wahrheit, dass wir auf verbreitung angewiesen sind. nicht nur, weil viel aufmerksamkeit den bestand des blogs sicherer macht, sondern vor allem, damit unsere themen die menschen erreichen.

  5. Gratulation an den Autoren
    Langsam komme ich mir wie eine Medienhure vor, aber erst Diezs Kolumne „Die Deutschen und ihr Krieg“ und jetzt dieser Blog, ich muss sagen: mein Glauben an den Journalismus als wichtiger, manchmal wichtigster, Teil, einer säkularisierten, pluralistischen Gesellschaft ist wieder hergestellt. Allein wegen diesem wunderbaren Artikel, der zum einen Gaucks unsägliche Trivialisierung eines Krieges, zum anderen die widerliche Abwägung Ökonomie-Menschenrechte und zum dritten den Verlust des Journalismus als neutrale Instanz im Ukraine-Konflikt anprangert und anklagt, habe ich mich bei FAZ. de angemeldet. Vielleicht finde ich hier das linksliberale Nachrichtenportal, was ich seit langem suche. Anscheinend scheint der Autor, neben Herrn Diez (den ich hier wirklich hervorheben möchte), der versprengte Rest einer intellektuellen Elite zu sein, die sich einmal unter Augstein versammelt hatte und nun anfängt sich langsam wieder zu sammeln im Zuge der dreckig geführten Debatte um den UkraineKonflikt, der schwankt zwischen Heldenverehrung eines Militaristen der mal mir nichts dir nichts Inseln annektiert und der absoluten Damönisierung dieses Militaristen, der inzwischen für alles die Schuld zu tragen scheint. Wobei in dieser Debatte sich alles auf Putin konzentriert, was meiner Meinung nach der komplett falsche Ansatz ist. Nun ja, zum Artikel: ehrlich gesagt kann ich dazu wenig schreiben, da ich ihm vollkommen zustimme und sogar soweit gehen würde, dass ich Gauck mitverantwortlich sehe für die Verrohung und Polarisierung einer Debatte um Krieg, was nicht die Aufgabe eines Bundespräsidenten ist. Auch für die Erwähnung der Zeile „Stoppt Putin jetzt“ danke ich dem Autoren. Wegen dieser habe ich mein Abbonement des SPIEGELs gekündigt, einen Erfüllungsgehilfen der radikalen Form des Westen möchte ich nicht mit Geld unterstützen. Sehr schade nach den Wikileaks Veröffentlichungen und der journalistisch einzigartigen Recherche zu der NSAEnthüllung. Ich komme zum Punkt: danke FAZ.net für diesen wunderbaren Artikel und auch danke dem Autoren, ich glaube, ich werde die Frankfurter Allgemeine Zeitung ab jetzt dem SPIEGEL vorziehen, da sie anscheinend die letzte liberale Zeitung Deutschlands ist

    • Löblich, aber ...
      …trotz Frankenberger & Nonnenmacher?

    • Ja es stimmt,
      auch die altbekannten konservativen Köpfe gibt es noch bei der FAZ und sind teilweise Herausgeber, aber beim SPIEGEL haben wir Dirk Kubjuweit, Jan Fleischhauer, Jakob Augstein (der tatsächlich antisemitische Züge trägt, wenn man seine Kolumnen genau liest), Beate Lakotta und und und. Da reichen Georg Diez und Gisela Friedrichsen als große journalistische Köpfe nicht aus, um dieses Blatt weiter zu unterstützen. also, zusammenfassend, die FAZ ist das kleinere Übel

  6. MENSCHEN-"R-ECHT"-"R"(UND)-ECHT..."R"ATIO-ECHT..."V"ernunft(echt)"...QUALITÄT...REIFE
    Wenn der „Einheitskreis“ die ideale „Person im geistigen Gleichgewicht“, „Vernunft“ darstellt,
    dann entwickelt sich die „Vergrößerung“ des „Kreises(Person)“ als „Aktionsradius“…
    Aktionsraum mit Machtbefugnis, nach dem Strahlensatz. Das heißt „alles Unrunde der Person“,
    ihres „Einheitskreises“, „Personenkreises“, der eben kein idealer Kreis ist,
    wird strahlensatzmäßig „nach außen“, in die Öffentlichkeit, dem Aktionsraum,
    transportiert, transferiert, transformiert.
    „Macht-Aktionsraum“ ist „verstärkt“! unrund, entsprechend der
    „Unrundheit“ des „Persönlichkeitskreises“.
    Das gleiche gilt für Gesellschaft als Person, Religionen als Person, Völker…Gruppen…
    und zu guter letzt dem „globalen Mensch“…auf dem Evolution-Weg „HUMAN-QUALITÄT…REIFE“.
    Die „R“UND-„ECHT“-„HEIT“…“RATIO-ECHT-HEIT“…REIFE des globalen Human
    entscheidet über das „Zeit-Geist-Handeln“…
    „Handelspanne“ von introvertiertem Denken bis extrovertiertem Krieg…
    introvertiertes „Krieg-Handeln“ in Form von „Denken“…extrovertiertes „Krieg-Handeln“
    s.Gegenwart.
    Der Mensch hat auch das Recht, den „introvertierten Krieg“ global zu führen, als
    Bildungsausgleichskrieg…zum Zweck eines globalen Qualität-Human-Geist…
    möglichst „RATIO-RUND-ECHT-HEIT“.
    Der gegenwärtige „Kriege-Status-Quo“ entspricht der „Geist-Rundheit“, der Ratio,
    der „Führer“…der „Völker, Follower, Krieger, Bürger…“.

    …qualitative „R-ECHT-SCHAFFEN-HEIT“! der Menschen als Folge globalen Bildungsausgleichs!?
    Der global extrovertiert wirkende „Friedenzeitgeist“ braucht wohl seine
    extrovertierte „Kriegs-zeitgeister-reifung“, um introvertiert zu wirken, in Form von Einsicht.

    …läuft alles RUND?…alles im RECHTEN LOT?…der „Geist-Raum“…“Denk-Raum“.

    DAS RAD…RATIO…DAS DENK-RAD…RAT I.O.?…“I.“(n) runder „O.“rdnung?…im Lot?.

    Die „externe Realität“ ist das „Abbild“ der „internen Wirk-lich(t)-k(h)eit“, der „Geistqualität“.

    ALLE Realitäten „fangen“, sind Wirkungen, „im“, „intern“, „introvertiert“, Kopf an,
    mit mehr oder weniger qualitativ, „RUND wirkendem Geist“.
    Ist der der Geist, der „Gedankenfluß“, rund, ist der Mensch gesund, vernünftig:=)

    Globaler Krieg und Frieden, eine „bewirkte Qualität-Realität“ der globalen „Vernunft-Person“
    „HUMAN“.

    …gebt nur „geistig runden Personen“ „(Bildungs-)Macht“!? über Staat-Person-Bürger/Krieger?!

    Gruß
    W.H.

    • Titel eingeben
      kann es seien, dass ihnen langweilig ist? dieses Assoziationsgeschreibsel ist ja ganz niedlich, aber auf Dauer eher enervierend, also der Sinn ist ihnen schon lange abhanden gekommen. Wie wärs mal mit mehr Meinung denn Satzzeichen-Hütchenspielereien? Sie sind uns nicht so überlegen, wie sie glauben, ich könnte auch in dem Stile schreiben

    • Sie haben recht Mowa Techen,
      ich habe kein Talent, für alle verständlich zu schreiben.
      Und es stimmt, der Hauptgrund ist Langeweile.
      Ich beschränk mich jetzt mehr auf’s lesen von sinnhaften Meinungen.
      Eine persönliche Freude würden Sie mir schon machen,
      einmal in „dem Stile“ zu schreiben.

      Ernsthafter und nachdenklicher Gruß
      W.H.

      P.S. Ich habe meine Beiträge immer als Dialog-Antwort für den jeweiligen Autor/in gesehen.
      An eventuelle Mitleser habe ich dabei eher weniger gedacht.
      Trotzdem vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

    • Titel eingeben
      es ist sicher beides möglich und kommentare, die man nicht mag, kann man auch ignorieren.

      mfg
      mh

    • 2 kommentare
      ich habe an dieser stelle die letzten beiden kommentare nicht freigeschaltet. dazu ein paar kurze anmerkungen:

      ich glaube es macht wenig sinn darüber zu diskutieren, ob jemand sinnvolle oder nicht sinnvolle kommentare schreibt. aus moderationssicht ist mir wichtig, dass die verschiedenen sichtweisen auf diese welt sichtbar werden. ich lasse das alles stattfinden, solange es nicht gegen diverse regeln des anstands verstößt oder generell von oben herab erfolgt. das muss nicht immer verständlich sein und jeder hat seine eigenarten. das dann inhaltlich zu diskutieren macht sinn, aber die metaebene führt doch zu weit vom thema weg.

      auch möchte ich zu bedenken geben, dass es zwei arten von kommentatoren gibt (noch mehr, aber im generellen): zum einen menschen die sich austauschen möchten und zum anderen menschen die sich explizit gegenüber dem autor und seinem artikel äußern möchten. letzteres aus der tradition des leserbriefes heraus.

      in kürze: solange die kommentare sich hier nicht agressiv, rechtswidrig oder von oben herab gestalten, hat im sinne des themas hier jeden seinen platz. nebeneinander ist das durchaus möglich. :)

      mfg
      mh

    • @Marco Herack
      Metaebene = Me(n)ta(l)ebene = „Denkebene“ = „Denkraum“ = Geistraum.
      Alles „Gedachte“ findet im persönlichen Mentalraum, auf entsprechender „Me(n)ta(l)ebene“ statt.
      Es gibt keinen „Sinn“, es gibt nur „Vernunft-Sein“, „Geist“, mit verschiedenem Vernunftreifegrad,
      auf persönlicher Me(n)ta(l)ebene.

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