Wostkinder

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Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Ost und West.

„Können wir jetzt bitte mal den Hitler-Stalin-Pakt machen?“

| 12 Lesermeinungen

Constanze Kurz und Frank Rieger erzählen über ihre Erfahrungen vor, während und nach dem Mauerfall. Von den Parallelen der Überwachung der Stasi mit der Post-Snowden-Welt und was heute anders ist.

Sie sind Sprecherin und Sprecher des Chaos Computer Clubs, sie sind aber auch beide im Osten geboren und haben die Wende noch gut im Gedächtnis: Constanze Kurz und Frank Rieger erzählen im Podcast, wie sie den 09. November 1989 erlebt haben. Constanze Kurz, die auf einer Art Elite-Schule in Berlin war, hat die Zeit völlig anders erlebt, als Frank Rieger, der damals schon stark politisiert war und etwa bei der Besetzung der Stasi-Zentrale in der Normannenstraße dabei war. Sie erzählen von Hoffnungen und Ängsten und vom Ankommen im Westen. Gerade die Aufarbeitung der Tätigkeiten der Stasi war in der Zeit nach der Wende wichtig, denn man wollte verstehen: Wie funktionierte dieser Apparat? Wie war er strukturiert? Wie trug er dazu bei, das System DDR zu kontrollieren? Gibt es Analogien zu unserer Zeit? Seit Edward Snowdens Enthüllungen weiß die ganze Welt, dass sie überwacht wird. Welche Parallelen gibt es zu der Überwachung der Stasi und was ist heute komplett anders? Rieger und Kurz geben Einblicke in die Arbeit des weltweiten Geheimdienstkomplexes und analysieren, was es bedeutet, in einer überwachten Welt zu leben. Am Ende bleibt die Hoffnung, auch dieses System überwinden zu können, denn immerhin hat es schon einmal funktioniert und nichts ist ewig in Stein gemeißelt. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Hören.


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Wie war das 1989? Was ist das Problem mit heutigen Geheimdiensten?

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Katrin Rönicke twittert als @diekadda und Marco Herack als @mh120480.

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Bild von Wikimedia Commons / Tobias Klenze, Lizenz CC-BY-SA 3.0

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12 Lesermeinungen

  1. Erinnerungen und die Zeit
    Zuerst muss ich zugeben, ich habe es nicht geschafft. Fast zwei Stunden mündliche Erinnerungsstückchen – ich habe die Zeit dafür einfach nicht gefunden und bin nach einer guten Stunde ausgestiegen.

    Interessant fand ich, wie sich die Erinnerungen gleichen und wie die Zeit die Erinnerungen überformt. Vor dem Hören des Podcasts war ich felsenfest der Meinung, ich wäre am Freitag aus der Schule heimgefahren und mein Vater hätte mich mit den Worten zu Hause begrüßt, sie wären „Drüben“ gewesen, was ich mit einem lapidaren „Du spinnst ja.“ quittiert hätte. Das kann aber nicht sein, denn der 9.11.1989 war ein Donnerstag und ich bin definitiv erst am Freitag nach Hause gefahren. Meine Erinnerung hat sich offensichtlich über die Jahre verbogen.

    An die Absurdität des Schulbeginns 89 kann ich mich auch noch gut erinnern, an subversive Veröffentlichungen an Wandzeitungen (und dem nachfolgenden Besuch der Stasi), an basisdemokratische Versuche, die Organisation und den Inhalt der Schule zu verbessern und an die bittere Erkenntnis, dass alle Ergebnisse der Basisdemokratie an einem völlig desinteressierten Verwaltungsapparat scheiterten.

    Gerade die letzte Erinnerung, die ich heute völlig ohne Bitterkeit betrachte, stärkt in mir die Überzeugung, dass es den dritten Weg, von dem Herr Herack in dem Potcast sprach, nie geben konnte. Allein schon aus dem Grund nicht, weil eine basisdemokratische (in vorliegenden Fall sehr heterogene) Bewegung (die über Kommunenstärke hinausgeht) sich zwingend in eine hierarchische Struktur entwickeln und dadurch der überwiegende Teil (der im Fuß der Hierarchiepyramide bleibt) trotz allen Engagements die eigene Unwirksamkeit erkennen und so eine mehr oder minder schwere narzisstische Kränkung hinnehmen muss. (Ein schönes Beispiel liefern hier die Flügelkämpfe der Grünen: Petra Kelly war sicher kein kleines Licht in der basisdemokratischen Phase und wurde dennoch durch die entstehende Machthierarchie gnadenlos beiseitegeschoben. Was vermutlich nicht ganz ohne Einfluss auf ihren frühen Tod war.) Diese zwingende Entwicklungsdynamik gepaart mit der immer latent im Hintergrund schwebenden Verlockung, den ganzen Kram hinter sich zu lassen und einfach in die Konsumwelt des Westens einzutauchen, hätten die sich neu formierende Gesellschaft immer wieder einbrechen lassen, bis zahlenmäßig eine signifikante Masse unterschritten worden wäre.

    Ein Detail ist mir noch aufgefallen: Frau Kurz ist 74 geboren, war also 89 maximal in der 10. Klasse. Sie kann deshalb nicht auf einer EOS gewesen sein, die umfasste nur die 11. und 12. Klassenstufe. Es gab in der DDR noch Spezialschulen, die ab Stufe 9 begannen. Dorthin kam man aber durch Leistung, nicht durch Parteibuch – was nicht zu den „Bonzenkindern“, die Frau Kurz erwähnte, passen würde. Es bleibt für mich deshalb unklar, was das für eine Schule gewesen sein soll.

    Viele Grüße
    Günther Werlau

    • Titel eingeben
      Lieber Herr Werlau,

      ich freue mich ernsthaft, dass Sie uns diese Stunde Ihrer Zeit gegeben haben. :)

      Ich versuche mal herauszufinden, wie das bei Frau Kurz war um es dann ggf. ergänzen zu können.

      MfG
      Marco Herack

    • Antwort zur EOS
      Da ist auch schon die Antwort:

      Es gab in der DDR einige EOS, die regelmaessig nach der achten Klasse begannen, also mit dem Beginn des neunten Schuljahres. So auch die „Schliemann-EOS“ in Berlin.

      http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich-Schliemann-Oberschule_%28Gymnasium%29

      Der Hintergrund ist der sprachliche Schwerpunkt der Schule. Der Eintritt erfolgte als Belobigung oder per Parteibuch. Damit verbunden war die Garantie, Abitur machen zu dürfen. Das dürfte dann der von Ihnen erwähnten Spezialsschule entsprechen.

      Frau Kurz war, und das ist noch recht spannend, eins von zwei Kindern mit christlichem Hintergrund. Der Rest war Parteielite, die dorthin deligiert wurde.

      MfG
      Marco Herack

    • @Marco Herack: Danke für die Information
      Danke für die Information. Die EOS mit Spezialschulteil hatte ich vergessen. Das es Alt-Sprachen-EOS gab, finde ich interessant. Die Frage nach dem Warum bei Kindern mit christlichem Hintergrund habe ich mir auch oft gestellt. Ich vermute, es gab damals auch so etwas wie eine Quote … oder sie sollten, man war ja kein Unmensch, auf den „rechten Weg“ geführt werden.

      Viele Grüße
      Günther Werlau

  2. Ist es ein Rundfunksender oder eine Zeitung?
    Wenn sie mit es das Blog der Wostkinder, im Rahmen des Onlineangebots der FAZ meinen lautet die Antwort meines Erachtens weder noch.

    Selbst das normale Zeitungsangebot der FAZ vermischt Texte und Videos (z.B. auf der Startseite rechts der Kasten Multimedia). Dies ist für eine „Internet-Zeitung“ auch völlig normal, ebenso wie die direkte und unmittelbare Kommentierbarkeit der Artikel. Dies ist bei einer klassischen Zeitung ebenso nicht möglich.

    Blogs sind wiederum eine völlig andere Medienform als eine klassische Zeitung, da gerade die Multimedialität seit jeher eines der Grundprinzipien des Bloggens ist. Häufig bedeutet dies sogar, dass nur kurze Teasertexte verwendet werden und dann auf eine anderes Angebot, hier z.B. der Podcast der Wostkinder verlinkt wird.

    Ich denke man sollte nicht den Fehler machen die Qualität einer Botschaft an das Trägermedium zu knüpfen. Ob geschrieben, getrommelt oder als Video aufgenommen, es sind die Inhalte, die zählen.

    • Oh doch, die Qualität der Inhalte, die Botschaft ist abhängig vom Trägermedium
      Inhalte und Qualität hängen sogar fundamental vom Trägermedium ab und werden von ihm mitbestimmt. Deshalb hat man bereits in der Schule mündliche und schriftliche Prüfungen. Ob ich es Blog, Zeitung, Podcast (was überhaupt für ein häßliches Wort in der deutschen Sprache, naja es ist auch kein deutsches Wort) oder wie auch immer nenne, so bleiben unsere sechs Sinne des Menschen immer nur die sechs Sinne. Ja, sechs Sinne, denn für mich ist der Verstand – einzigartig auf der Welt – der sechste Sinn des Menschen.

      Das Internet ist, wie eine Zeitung, ein Medium zum Schreiben, der Texte und nicht des Hörens. Es erleichtert das Schreiben nur in technischer und raummäßiger Art. Irgendwelche Spielchen, Filmchen, und sonstiges Überflüssiges rund um einen Text zu implementieren ist heute sicher einfach möglich, ändert aber nichts am Geschriebenen. Mich nervt dieser sogenannte multimediale Beifang nur. Er lenkt ab vom Wesentlichen: dem geschriebenen Text und seine qualitative Aussage. Schreiben ist nämlich im Gegensatz zum Reden nicht einfach, sondern verdammt schwer. Mit einem Hörbeitrag (neudeutsch Podcast) möchte man nur vom Text ablenken oder den Schwierigkeiten der Sprache ausweichen. Es ist ein Weg des geringeren Widerstandes.

      Dagegen ist auch nichts zu sagen, aber es ist eben auch nicht Teil einer Zeitung. Egal ob diese gedruckt auf Papier oder getippt auf Chip produziert wird.

      Wenn Sie versuchen mit Technik dagegen zu argumetieren, dann kann ich nur sagen, nehmen Sie eine Software, die Ihre Rede, Ihre Sprache, Ihre Worte in geschriebenen Text wandelt. Sie werden den inhaltlichen und qualitativen Unterschied zwischen Reden und Schreiben sehr schnell feststellen. Wahrscheinlich kennen Sie ihn bereits schon.

  3. Haben die WOSTKinder nie schreiben gelernt, …
    … sondern nur gehorchen? Oder wo ist der Text zum Lesen, statt zum Horchen oder Gucken? Haben sie schon vergessen, was für ein Dienst der von „Horch und Guck“ war? Das konnte die STASI perfekt, aber geschrieben übermittelte Gedanken waren frei.

    Also: ist das hier eine Zeitung oder ein Rundfunksender? Was hier geschieht nenne ich Kulturdefätismus. Nein, darüber steht heute (10.11.14) noch nichts in Wikipedia, nur den Defätismus wird der Leser finden, aber der Rest erklärt sich von alleine. Es ist ja kein Podcast. Ende der Diskussion.

    • wie Sie sicher sehen können, schreiben die Wostkinder sehr viel. Aber manchmal ist ein ausführliches, unverkürztes Gespräch das bessere Medium. finden wir. Vielleicht möchten Sie einmal reinhören?

    • Podcast ein Gespräch?
      Wow muß ich bereits altmodisch (oder soll ich schreiben konservativ) sein. Ein Podcast ist für mich eine audiale Einbahnstraße, aber bitte doch kein Gespräch.

      Ein Gespräch ist die Rede mit Zuhören und Möglichkeit der unverzüglichen Gegenrede, also Antwort. Das gibt kein Hörbeitrag her, auch nicht im Internet, jedoch am Telefon. Da spircht aber niemand vom „Podcast“.

      Mir zeigt es jedoch wie gerade die vermeintlich neuen und – im Unterton mitschwingend – „coolen“, also gerade modischen, Kommunikationsmittel die Sprache verändern. Für mich nicht zum Vorteil, zur Weiterentwicklung der Sprache, sondern ich sehe das eher als Rückschritte, als Verluste für die Sprache an. Die deutsche Sprache ist für mich, nach Latein, die präziseste Sprache auf der Welt und das sollte sie auch bleiben und nicht selbst verwässern oder gar zerstören. Wobei ich die Haltung anderer durchaus verstehe, den Präzision ist anstrengend ohne Ende. Nur: weshalb nennt man Deutschland das Land der Dichter und Denker?

      Ganz pragmatisch, lebensnah, beispielhaft: weshalb sind wir wirtschaftlich Exportweltmeister, also wirtschaftlich so ertragreich? Weil wir viele Menschen haben, die mit der präzisen Sprache Deutsch eine so präzise Arbeit abliefern, die es so in der Welt nicht so häufig gibt. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Wir bekommen für die wenig angebotene präzise Arbeit dann auch gute Preise.

  4. Wer die Unterschiede nicht sieht, will sie nicht sehen. Ich kann hier schreiben, was ich mag, denn
    niemand klopft danach an meine Tür und nimmt mich mit.

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