Wostkinder

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Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Ost und West.

Vom Sündenbock gezogener Hass

| 10 Lesermeinungen

Hallo Pegida,

Sie schreiben:

„auch wenn der heutige feige Anschlag in Paris, ein Anschlag auf Meinungsfreiheit, Demokratie, auf Europa, letztlich auf uns alle, Wasser auf unsere Mühlen zu sein scheint, nehmen wir dies nicht zum Anlass, uns damit zu brüsten, wir hätten es ja schon immer gewusst. Nein, eben weil wir keine Schreihälse sind, als die wir verunglimpft werden, keine Claqueure sind wie diejenigen, die uns reflexartig mit „Nie-wieder-Deutschland – hindern wollen, uns mit unseren Abendspaziergängen meistens schweigend zu artikulieren […] Wir schweigen in Trauer und Demut und in Solidarität mit den Familien der französischen Redakteure, die jetzt erste Opfer wurden.“

Sie schweigen? Sie nehmen es nicht zum Anlass, sich zu brüsten? Das klingt einen Facebook-Post früher aber noch sehr anders:

„Die Islamisten, vor denen Pegida seit nunmehr 12 Wochen warnt, haben heute in Frankreich gezeigt, dass sie eben nicht demokratiefähig sind, sondern auf Gewalt und Tod als Lösung setzen!
Unsere Politiker wollen uns aber das Gegenteil glauben machen.“

Ich glaube, Sie sind schlicht bigott.

Sie gehen auf die Straße und haben ein Problem: Mit Ihnen laufen und brüllen jede Menge Nazis. Also versuchen Sie genau das, was Sie denen gegen die Sie demonstrieren absprechen: Sie versuchen sich von denen abzugrenzen, die Ihre Ziele „missbrauchen“, um Hass zu säen und um zu hetzen.

Sie nennen sich selber „gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Damit drücken Sie genau eine Sache aus: nämlich dass Sie glauben, Islamisten und der Islam seien ein und das selbe. Gleichzeitig wehren Sie sich mit Händen und Füßen dagegen, wenn andere behaupten dass sie und die Nazis ein und das selbe seien.

Aber das merken Sie natürlich nicht.

Der Unterschied ist: Der Islam ist eine Religion, die eine Tradition hat, die sich über Jahrtausende entwickelt hat und in deren Zentrum der Glaube an Gott steht und damit an eine Instanz, die für Güte und Liebe stehen sollte. Und eine Religion sucht man sich meines Wissens in der Regel nicht aus, man lebt sie.

Sie hingegen gibt es gerade einmal seit Oktober, wer bei Ihnen mitmacht, hat sich aus politischen Gründen dazu entschieden und Sie berufen sich auf sehr diffuse Ängste, um die Menschen zu mobilisieren. Sie benutzen Wörter wie „Lügenpresse“. Sagen Sie doch mal: Wie finden Sie eigentlich die Titanic so? Sie hetzen doch selbst permanent gegen die Presse – auch das ist bigott.

Wenn man Sie kritisiert, dann fangen Sie an, auf Ihr Positionspapier zu verweisen, das im Internet zu finden ist.

Ich habe mir Ihre Positionen einmal angeschaut. Und ich komme zu dem Schluss, dass Sie in den ersten Punkten natürlich versuchen, sich wie gute Menschen darzustellen, genauso wie in ihrem Facebook-Posting von heute zum Thema „Charlie Hebdo“. Und genau wie das vorherige Posting sagt allein schon Ihr Name und Ihre Unterstellung, es würden sich nun Parallelgesellschaften in Ihrem Abendland, in Form von „Scharia-Gerichten“ gründen, das genaue Gegenteil aus.

Das ist ein bisschen wie bei Orwell: War is Peace. Freedom is Slavery. Ignorance is Strength.

Heute wurden in Frankreich Menschen getötet weil andere Menschen in ihrem Herzen Hass empfanden und Rache üben wollten. Unzählige Muslime auf der ganzen Welt haben Wut und Trauer und große Ablehnung gezeigt und bekundet, dass sie die Satire von „Charlie Hebdo“ und die Comics der Zeitung nicht religiös verletzend finden, im Gegensatz zu Menschen, die im Namen Mohammeds töten.

Es ist nicht der Islam, Stupid! Es ist der Hass und die Angst in den Herzen der Menschen und genau die marschiert bei Ihnen, Pegida, ständig mit.

Islamisten suchen Sündenböcke, genau wie Sie.

Das allerdings kann man von der übergroßen Mehrheit der Muslime nicht sagen. Und die meisten schaffen es besser als Sie, sich von den Arschlöchern deutlich zu distanzieren.

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10 Lesermeinungen

  1. Herr Koltan,
    wer so argumentiert wie Sie, der entwertet auch seine eigenen Überzeugungen. Sehen Sie – mir bedeuten die Grundfreiheiten des GG etwas (ich höre den Herrn Haupts schon stöhnen). Und ich bin gelassen genug, einzusehen, dass anderen Menschen eben andere Werte etwas bedeuten und dass sie diese für sich auch zum Handlungsmaßstab machen – so, wie ich das mit dem GG halte. Ich nehme diese Menschen ernst, ich bevormunde sie nicht und ich werde ihnen bestimmt nicht erzählen, was wohl der richtige Inhalt ihrer Überzeugungen sein mag (denn eben das, ironischer Weise, halte ich für einen Ausfluss der Religionsfreiheit). Selbstredend hätte es dafür – jedenfalls was mich betrifft – keines Anschlages in Paris bedurft. Schöne Grüße.

  2. Hier dreht sich lediglich eine Spirale von narzssitischen Machtansprüchen
    Die ganze Problematik des Terrorismus kontra Islam fängt wohl ursprünglich in den USA nach dem Gewinn des 2. Weltkrieges an. Man hatte einen Status als „Weltmacht“ und den wollte man auch behalten. Dazu braucht man militärische Stärke – und für militärische Stärke braucht man: Öl. Der Deckmantel der USA für ihre, dafür notwendigen (?) kriegerischen Absichten schien ( mir ) immer zu heissen: „Freiheit“ ( die aber, das müsste man seit Rosa Luxemburg wissen, keine ist wenn sie nicht auch die Freiheit anders denkender toleriert. ) Die Situation im Irak ( verfeindete Gruppen, die auch mit militärischen Mitteln nun um die Macht ringen ) resultiert schliesslich aus ursprüglich durch die USA „begünstigten“ diktatorischen Verhältnissen zur Veteidigung der Freiheit, durch den Irak – und dem dilettantischen Versuch eines beabsichtigt oder unbeabsichtigt, schlecht durchdachten Plans eines Neuaufbaus des Landes nach dem Krieg.
    Und nun ? Jetzt hat man eine militärische Macht ( IS ) die, von weiss wo genau finanziert wird, faschistisch, radikal und menschenverachtend wütet..ect. und sich unter dem Deckmantel des Islam und des heiligen Krieges ( genau wie Al Quaida ) präsentiert – schliesslich aber auch eigentlich ausschliesslich irdische Machtansprüche für sich durchsetzen will. Der Terror in Paris ( Al Quaidas Krieg in Europa ) wird genauso verteidigt, nur hier unter dem Deckmantel „Islam“ ( und die meisten Muslime haben dies längst verstanden, da bin ich mir ziemlich sicher ).
    Pegida bentutzt meiner Meinung nach, als Reaktion auf „diesen Islam“ irrwitziger Weise, den Deckmantel „demokratischerer Werte“ für seine
    meiner Meinung nach, eigentlich undemokratischen und genauso eigenen Absichten ( Wer im Positionspapier von „Null-Toleranz-Politik, in Bezug auf eine (!) Gruppe von Menschen spricht, wird sich kaum lange als demokratisch verkaufen können. )
    Diese Spirale dieses Narzissmus dreht sich, solange man dem nicht mit Vernunft ( Aufklärung- Dialog- gemeinsame Lösungsversuche ) entgegentritt. Aber wer tut das wirklich ? Auch die Medien
    muss man in diesem Zusammenhang teilweise arg kritisieren – sie kommen ihrer Aufklärungsfunktion nicht ausreichend nach, weil sie zum Selbstzweck kolportieren.Wenn ich zur Zeit von „diffusen Ängsten“ der Mensche lese, bin ich mir nicht ganz so sicher ob der Cocktail aus, sich besser verkaufenden emotional überspitzten Kontrasten, bei dieser gefühlten Gesamtstimmungslage, nicht auch eine entscheidende Rolle spielt..

  3. Herr Koltan, anderen mangelnde Stringenz vorwerfen und sich selbst widersprechen :-)
    In aller Kürze:
    Ich kaufe das „ökonomisch abgehängt“ Argument nicht mehr, seit RAF und 9/11. Beide getragen von ökonomisch keineswegs abgehängten Bügerkindern. Ich kaufe es auch deshalb nicht, weil es bisher deutlich weniger (und das zählt die NSU schon dazu) Terroristen aus dem zahlenmässig grösseren deutschen Prekariat gibt, als aus den Reihen muslimischer Einwanderer.

    Ihren Vergleich von HoGeSa mit islamistischen Terroristen kommentiere ich nicht, wo genau waren noch mal die Bomben und die Getöteten durch die HoGeSa?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  4. Wer da wohl zündelt?
    Ich gehe nicht davon aus, dass dieser kaltblütige Anschlag auf das Konto einer authentischen islamistischen Szene zu gehen hat. Folgenden Beitrag habe ich heute als Leserbrief hier in der FAZ gesendet. Ich gehe nicht davon aus, dass er freigeschaltet wird. Ich hoffe aber, dass er wenigstens in Ihrem Blog diskutiert wird, zumal die rechte Szene erwartungs-, bzw. zielgerecht, wie ich behaupte, darauf reagiert, und was Sie ja auch korrekterweise aufgreifen.
    .
    Was wir da gerade erleben, ist die quasi Wiederholung des sog. deutschen Herbstes, infolge dessen Deutschland danach kaum noch wieder zu erkennen war (Kontaktsperre für politische Häftlinge, Notstandsgesetze…), nur jetzt im Weltmaßstab. Nicht nur Wisnewski fragte sich da, wem die RAF (als Phantom, „Das RAF-Phantom“, vgl.: http://blog.herold-binsack.eu/2013/07/bedenkliche-parallelitathttpblog-herold-binsack-euwarnung-oder-inszenierung/) da in Wirklichkeit gedient hat:
    .
    „Zündeln in Richtung Islamismus-Antiislamismus
    Es gibt mehr als ein Indiz dafür, dass dieses Attentat keinen authentischen islamistischen Hintergrund hat. Zu glatt, zu wenig emotional, zu professionell die Tat selber. Dann die schnellen Verhaftungen, bzw. Verdächtigungen. Das passt nicht! Doch deutlicher ein Hinweis, der zurzeit in den sozialen Medien kursiert. So soll das Satireblatt zu offenkundig mit der PKK sympathisiert haben. Und hierin wäre das Motiv zu suchen. Und in gewissen Kreisen vermutet man daher, dass der türkische Geheimdienst seine Finger im Spiel hat. So ganz nebenbei kann man dann noch ein wenig in Richtung Islamismus-Antiislamismus zündeln. Erdogan lässt grüßen (http://blog.herold-binsack.eu/2015/01/provokation-und-verschwoerungstheorien/). Eine Tat, die auch einen Hinweis bzgl. der Morde an den 3 Kurden, vor nicht allzu langer Zeit in Paris, liefern könnte, welche allzu schnell der PKK angelastet wurden. Für mich persönlich tragen diese Verbrechen die Handschrift des angeblich abgeschalteten Gladio-Netzwerkes (http://blog.herold-binsack.eu/2013/01/klare-handschrift-des-gladionetzwerkes/).“

  5. Blasphemie kein Straftatbestand
    Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Gläubigen Blasphemie nicht als verletzend empfinden, auch die Mehrheit der Mulime nicht. Der Punkt ist, gegen Blasphemie gibt es in Mitteleuropa gesetzlich keine Handhabe mehr. Das ist, aufgrund der sonst zu erwartenden Nebenwirkungen, grundsätzlich auch in Ordnung. Ich als Gläubiger habe diese, mich verletztenden Sachverhalte hinzunehmen, denn sie bewegen sich im Handlungsspielraum des geltenden Gesetztesrahmens. Ein schönes Beispiel, dessen Verletzungspotential ich einschätzen kann, erhält man beispielsweise, wenn man im Internet nach „Geräusche: Wie das Amen in der Kirche“ sucht.

    Sich vorzumachen, viele würden sich nicht verletzt fühlen, geht am Kern des Problems vorbei. Die Anforderung sollte lauten: Blasphemie ist kein Grund, den Spötter zu töten, auch w e n n sie weh tut.

    Viele Grüße
    Günther Werlau

    P.S. Und nicht jede Religion hat ein Gottesbild, in der Gott „eine Instanz [ist], die für Güte und Liebe stehen sollte“, das ist in der Regel schon etwas komplexer.

    • Korrektur: Gesetzliche Einschränkung in Dtl. doch vorhanden
      Im StGB gibt es doch eine Einschränkung, was Blasphemie angeht: Wenn durch sie der öffentliche Frieden in Gefahr gerät, ist sie strafbar.

      Viele Grüße
      Günther Werlau

  6. Ganz so einfach ist es leider nicht,
    verehrte Frau Rönicke.

    http://www.islaminstitut.de/uploads/media/BMIMuslimeinD_02.pdf

    Zitate aus dieser seriösen Studie:

    „In der Summe ist daher festzuhalten, dass mit islamischer Religionszugehörigkeit eine signifikant erhöhte Akzeptanz von Gewalt verbunden ist“

    „Etwa ein Viertel der Jugendlichen bejaht die eigene Bereitschaft zu körperlicher Gewalt gegen Ungläubige im Dienst der islamischen Gemeinschaft “

    „Das gewaltaffine Potenzial unter Muslimen in Deutschland lässt sich mit knapp 6% beziffern. Wird eine hohe Demokratiedistanz und Ablehnung der Rechtsstaatlichkeit hinzugenommen, wird eine Zahl von rund 14% der Muslime innerhalb der Befragung erreicht. Unter Hochrechnung auf die muslimische Gesamtbevölkerung in Deutschland und unter Berücksichtigung möglicher Fehlerquellen kann dieser Prozentsatz damit zwischen 11,9 und 16,4% liegen“

    Eine Minderheit. Aber keine kleine oder sehr kleine. Und wiederum wenige von diesen sind gewaltbereit. Aber das reicht, um andere Menschen aus Angst mundtot zu machen. Oder riskieren Sie Ihr Leben für so etwas Abstraktes wie Meinungsfreiheit? Wenn ja, dann sind Sie damit ziemlich alleine.

    Ich habe jetzt oft genug gehört, der Islamismus und die aus ihm hervorgehende Gewalt hätten nichts mit dem Islam zu tun. Nach allen vorliegenden Indizien ist das etwa so, als behaupte man, die Kreuzzüge hätten nichts mit dem Christentum zu tun.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Herr Haupts,

      die Korrelation von erhöhter Akzeptanz von Gewalt und bestimmten Gruppen ist immer wieder interessant. Es gibt Studien, die belegen sehr allgemein, dass erhöhte Frustration und erhöhte Akzeptanz von Gewalt direkt korrelieren. es gibt auch eine signifikant erhöhte Akzeptanz von Gewalt bei Männern im Vergleich zu Frauen. Und sprechen wir erst gar nicht von der Demokratiedistanz…! wie viel Demokratiedistanz es wohl in der deutschen Bevölkerung, quer durch alle Schichten, so gibt?! Oh! ich erinnere mich da an verschiedene Studien, die Grund zur Sorge bieten.

      Was bleibt ist ein Konstrukt, bleibt selektive Wahrnehmung und in meinem Kopf die Frage: Was wollen Sie denn eigentlich aussagen, wenn Sie mir hier solche Studien zitieren? Was ist der Kern ihres Kommentars?

      mfG
      KR

    • Gerne: Der Kern meines Kommentars ist,
      und ich habe hier nur eine absolut seriöse, offizielle und deutlich um Deeskalation bemühte Studie zitiert, die belegt, dass ein Anteil X auch unter europäischen Muslimen den Einsatz von physischer Gewalt zur Verteidigung „ihrer“ Religion für völlig in Ordnung hält.

      Das heisst nicht, dass alle, eine Mehrheit oder auch nur eine grosse Minderheit dieser Gruppe selber gewalttätig werden. Aber es heisst, dass der Nährboden und die Unterstützung für die wenigen Gewalttäter in signifikantem Ausmass vorhanden sind. Und diese bei ihren Vorbereitungen nicht befürchten müssen, aus ihrem unmittelbaren Umfeld an die Sicherheitskräfte „verraten“ zu werden.

      Mein Beitrag war als Antwort auf „Es ist nicht der Islam, Stupid! Es ist der Hass und die Angst in den Herzen der Menschen …“ gedacht. Weil die Aussage so, wie Sie die gemacht haben, verkürzt und damit falsch ist. Auch in Europa ist die Trennung zwischen ideologischer Überzeugung und Gewaltanwendung zu deren Durchsetzung relativ neu, mühsam erkämpft und immer aufs neue gefährdet. Bei einer relevanten Minderheit von Muslimen ist diese Trennung noch nicht angekommen, was zusätzlich auch durch den Universalitätsanspruch des Koran (der im Koran selbst angelegt ist) erschwert wird. Deshalb hat der Islamismus als Rechtfertigungsgrundlage für Gewaltanwendung natürlich etwas mit dem Islam zu tun, genauer, mit dem Islamverständnis einer relevanten Minderheit innerhalb der Muslime.

      Ich bin gerne bereit, aus weiteren seriösen Studien zu zitieren. Die belegen würden, dass es einen Anteil von X% (X ist zweistellig) unter den Muslimen gibt, die mit Mord und Totschlag ihrer islamistischen Terroristen sympathisieren. Im Moment ist Islam ungleich Frieden – und PEGIDA ist (auch) eine Auswikung des über nunmehr zwei Jahrzehnte gepflegten Double-Speaks von Journalisten und Intellektuellen, die gebetsmühlenartig das Märchen verbreiten, der Islamismus habe absolut nichts mit dem Islam zu tun. Er hat!

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      Ach, Herr Haupts, von Ihnen hätte ich eine deutlich stringentere Argumentation erwartet. Wie immer bei solchen Statistiken schlägt hier die Verwechslung von Kausalität und Korrelation zu. Die Zahlen will ich gar nicht bezweifeln; aber ich bezweifle, daß Religion per se (egal welche) die Ursache von Gewaltbereitschaft ist. Alle Berichte (die zugegebenermaßen immer etwas anekdotisches haben) über hiesige Islamisten, die ich gelesen habe, zeigen recht deutlich, daß erst die Gewaltbereitschaft, der Haß auf die Mehrheitsgesellschaft da war, bevor dem Ganzen dann der religiöse Mantel umgehängt wurde.
      Die hohe Gewaltbereitschaft islamischer Jugendlicher dürfte viel eher in ihrer gesellschaftlichen Situation begründet sein als in ihrer Religion. Das entschuldigt überhaupt nichts, aber es löst die fälschlich als Kausalität identifizierte Korrelation auf: Es gibt einfach eine ziemliche Menge der Unterschicht zugehörige Muslime, von denen ein bestimmter Prozentsatz nicht die notwendige Frustrationstoleranz besitzt, die ihnen angesichts ihrer gesellschaftlichen Lage abverlangt wird. Ihre Gewaltbereitschaft liegt aber nicht daran, daß sie Muslime sind, sondern daran, daß sie frustriert sind. Ich kann Ihnen versichern, daß die Mittelstandsmuslime, die ich so kenne, genausowenig gewaltbereit sind wie Sie und ich.
      Und dieser Mechanismus gilt genauso für nicht-muslimische Verlierer der Gesellschaft. Nur berufen die sich eben nicht darauf, daß sie den Namen des Propheten verteidigen; die nennen sich lieber HogeSa und lassen ihrem Haß und ihrer Gewaltbereitschaft in der Verteidigung des Abendlandes freien Lauf.
      Damit will ich nicht die Religionen gänzlich aus der Schußlinie nehmen. Religion war immer ein prima Mittel, um zielloser Gewaltbereitschaft ein Objekt zu geben. Wem dank der Unterstützung eines Höheren Wesens gepredigt wird, daß er und seinesgleichen die Wahrheit gepachtet haben, kann sehr einfach zwischen Freund und Feind unterscheiden, nämlich indem er Grenzlinie zwischen Gläubigen und Ungläubigen zieht (wobei Religionen dazu neigen, Ketzer noch schlimmer zu verfolgen als die Ungläubigen; liegt wahrscheinlich daran, daß sie ihrer Legitimation insgeheim selbst nicht glauben). Und da unterscheiden sich Christentum und Islam nicht die Bohne. Nur haben wir es in unseren Gesellschaften in einem Jahrhunderte dauernden Kampf geschafft, den religiösen Spinnern klare Grenzen zu setzen.
      Aber auch bei den Kreuzzügen gilt: Es ist nicht die Religion, die gewalttätig macht, sondern ganz andere gesellschaftliche Umstände – in denen aber die Inklusions-/Exklusionsmechanismen der Religionen dann prima genutzt werden können, um das aufgestaute Gewaltpotential freizusetzen.
      Leider nützt es nichts, die Religionen zu verbieten. Denn da sie nicht die Ursache der Gewalt sind, zu der sie die Legitimation liefern, werden bei Abwesenheit von Ungläubigen andere Feinde ausgemacht. Wer seine Frustrationen abreagieren will, wird immer einen Vorwand finden, um diejenigen zu identifizieren, an deren Leiden er sich berauschen kann. Die Nazis wie die Roten Khmer konnten auch ohne Religion prima Menschen abschlachten…
      Insofern ist die einzige Lösung, Verhältnisse zu schaffen, in denen keine solche Frustrationen entstehen, die sich dann in mörderischer Gewalt Bahn brechen. Wenn das gelingen würde, dann würden wir auch die paar unbelehrbaren Arschlöcher in den Griff bekommen, die noch übrigbleiben.

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