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Amerikas Banken im Stresstest

Amerikas Banken müssen sich seit dieser Woche einem Stresstest unterziehen. Dabei geht es um die entscheidende Frage, wie sie dastehen würden, wenn es mit der Wirtschaft noch weiter bergab ginge. Die Antwort auf die Frage kann für einige Banken direkt in die Staatsbeteiligung führen, für andere möglicherweise aus der Umklammerung des Staates heraus. So oder so: Der Test könnte wichtiger sein als alle Konjunkturprogramme zusammen. Denn er könnte verlorengegangenes Vertrauen zurückbringen.

In der Mitte dieser Woche hat das amerikanische Finanzministerium eine wichtige E-Mail verschickt. Ihr Empfänger: Die größten amerikanischen Banken. Ihr Inhalt: Ein Stresstest. Mit seiner Hilfe will das Ministerium unter der Führung von Timothy Geithner herausfinden, wie die Bilanzen der jeweiligen Finanzinstitute auf eine weitere, deutliche Verschärfung der Krise reagieren würden. Deshalb beinhaltet die E-Mail einen langen Katalog von Fragen, den die Banken beantworten müssen. Was würde eine noch tiefere Rezession bedeuten? Noch weiter fallende Häuserpreise? Eine höhere Arbeitslosigkeit?

Die Konsequenzen, die sich aus den Antworten ableiten, können einschneidend sein. Denn sie können bis zu einer hohen Beteiligung des Staates an der jeweiligen Bank führen. Im günstigen Fall könnte dabei aber auch herauskommen, dass eine Bank sogar besser dasteht als gedacht. Zum Beispiel, weil sie bisher nicht darauf zurückgreift, die Wertpapiere in ihren Büchern nach Modellannahmen zu bewerten, sondern dies nach dem aktuellen Marktpreis tut – und deshalb solider dasteht als andere. So oder so wäre es die beste Nachricht von allen, wenn sich am Ende des Stresstests neues Vertrauen bilden würde: Zum einen in die Banken, die nun endgültig vom Staat „gerettet” worden sind, was vermutlich die Citigroup und die Bank of America sein werden. Zum anderen, und vielleicht noch mehr, aber in die Institute, die weitere Rettungen gar nicht nötig haben – und ihre bisherigen Kapitalhilfen möglicherweise sogar schon bald zurückzahlen wollen, um die staatliche Bevormundung wieder los zu werden. Das könnte zum Beispiel auf Goldman Sachs zutreffen.

Nach wie vor geht es vor allem um das fehlende Vertrauen. „Wenn das Vertrauen in die Banken nicht schnell wiederkommt, wenn wir nicht endlich darüber Klarheit haben, welche Risiken noch wo schlummern, werden alle Konjunkturpakete, die in diesen Wochen aufgelegt werden, nichts bringen”, war in dieser Woche von hochrangigen amerikanischen Investmentbankern zu hören. Ihre Gefühlslage lässt sich am besten mit einer Mischung aus Frustration und Trotz beschreiben, gepaart mit einer nicht zu übersehenden Hilflosigkeit, aber auch mit einem – möglicherweise berufsbedingten – Grundoptimismus.

Ihre Geschichte geht so: Zuerst sind viele amerikanische Banken „zwangsgerettet” worden. Erinnert wird an jenen denkwürdigen Tag im Finanzministerium im vergangenen Jahr, in das die Banker einbestellt wurden, um zu erfahren, dass sie auf der Basis einer Art freiwilligen Zwangs mit einer Finanzspritze des Staates versorgt werden würden. Weitere Auflagen: Keine. Kurz danach sei dann aber eben doch der Hinweis gekommen, man möge doch bitte nicht so restriktiv bei der Kreditvergabe sein. Plötzlich habe dann geheißen, die gezahlten Boni seien nicht in Ordnung. Und überhaupt: Erst Staathilfe bekommen und dann Boni ausschütten, so gehe das nicht. Inzwischen fühle man sich in seinen Freiheiten extrem beschränkt, was nicht zuletzt der Realwirtschaft schade.

Dabei habe es von Anfang an nur einen einzigen vernünftigen Weg gegeben, aus der Krise zu kommen: Die Banken hätten ihre toxischen Wertpapiere an den Staat verkaufen müssen, so wie es ursprünglich geplant gewesen sei. Das hätten den Amerikanern dann aber die Briten kaputtgemacht, als sie plötzlich damit begonnen hätten, den Banken direkte Staatshilfen zur Verfügung zu stellen. Danach habe es kein Halten mehr gegeben – und jetzt habe man den Salat.

Darum sei der Stresstest, der diese Woche begonnen hat, so unglaublich wichtig. Denn danach sei es ja vielleicht doch möglich, zu einem Ergebnis zu kommen, wie diese Wertpapiere aus den Bilanzen genommen werden könnten, zu Preisen, die keine der Parteien übervorteilen – und dem Steuerzahler auch noch Hoffnung auf einen Gewinn aus der Transaktion lassen. In der Tat: Das wäre die ideale Welt, beinahe zu schön, um wahr zu sein. Und warum lassen nicht auch andere Länder einen solchen Stresstest machen? Jetzt. Sofort.

https://de.reuters.com/article/deEuroRpt/idDELQ19367520090226

Nachtrag: Das Risiko neuer Bankenpleiten verschärft sich in den Vereinigten Staaten weiter dramatisch. Die Zahl gefährdeter Institute auf der „roten Liste” der amerikanischen Einlagensicherung FDIC verdreifachte sich zum Jahresende im Vergleich zu 2007 auf 252 Banken. Insgesamt gibt es in den Vereinigten Staaten noch rund 8300 Banken und Sparkassen. Im laufenden Jahr brachen schon 14 bislang meist kleinere Geschäftsbanken zusammen. In 2008 traf es insgesamt 25 Institute. Darunter war allerdings mit der einst führenden amerikanischen Sparkasse Washington Mutual der größte Zusammenbruch einer Geschäftsbank in der amerikanischen Geschichte.

Nachtrag 2: Die Citigroup und die amerikanische Regierung haben sich offenbar auf einen Weg zur Rettung der durch die Finanzkrise schwer angeschlagenen Bank geeinigt. Wie das „Wall Street Journal” auf seiner Internetseite berichtete, will sich die Regierung mit bis zu 40 Prozent am Kapital der Bank beteiligen. Dafür werde sie einen Teil ihrer nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien, die sie im November im Tausch für eine Kapitalspritze in Höhe von 45 Milliarden Dollar erhalten hatte, in normale Aktien umtauschen. Bedingung für die Transaktion sei neben einer Neubesetzung des Aufsichtsrats vor allem, dass sich auch private Investoren zu einer Beteiligung bereit finden, berichtete das Blatt unter Berufung auf informierte Kreise. Nach seinen Angaben wollte das Finanzministerium am Freitagmorgen die Übereinkunft bekanntgeben. Die bis vor kurzem größte Bankengruppe der Welt ist von der Finanzkrise schwer getroffen: 2008 fuhr sie einen Verlust von 18,7 Milliarden Dollar ein. In der vergangenen Woche gab es verstärkt Gerüchte über mögliche Bankverstaatlichungen, nachdem die Aktie der Citigroup um 41 Prozent eingebrochen war. Geplant sei, die Mehrheit des Direktoriums auszutauschen. Citigroup-Chef Vikram Pandit werde vermutlich seinen Job behalten.

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