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Opel, Quelle, Arcandor – von wegen fair

| 3 Lesermeinungen

Alle, die verstanden haben, was die Wirtschaft in Deutschland groß gemacht hat, müssen in dieser Krise wieder und wieder darauf verweisen, dass abgewirtschaftete Unternehmen abgewickelt werden müssen. Gleichgültig, ob sie Opel, Arcandor, Quelle heißen oder früher Philipp Holzmann, Coop, Bremer Vulkan oder Deutsche Babcock.

Bestellen kann man den neuen Katalog des Versandhändlers Quelle auf seiner Internetseite noch nicht. Lange wird es aber nicht mehr dauern, denn Quelle hat seine Galgenfrist bekommen. Der Staat gibt Quelle bis zum Jahresende Luft zum Atmen, woran es nach dem Auftritt des bayrischen Ministerpräsidenten Seehofer bei Quelle in Fürth in der vergangenen Woche ohnehin keinen Zweifel gab. Die Auseinandersetzungen zwischen den Politikern in München und Berlin dürften mehr Show als ernsthafter Streit gewesen sein, um die ordnungspolitisch plötzlich aufgewachten deutschen Wähler zu beruhigen. Mit dem Kredit gebe es, so die Sprachregelung der Politiker, eine „faire Chance“ für Quelle. An dieser Stelle gilt es innezuhalten.

Was heißt hier faire Chance?

Wo genau soll die Chance liegen? Quelle darf ein halbes Jahr länger beweisen, dass sein Geschäftsmodell auf dem deutschen Markt überholt und überflüssig ist. Es ist kaum zu erwarten, dass in sechs Monaten eine Wende gelingt, die in Jahren zuvor unmöglich schien. Und was ist am Vorgehen der Politiker fair? Die einstige Konzern-Schwestergesellschaft Neckermann muss aus eigener Kraft über die Runden kommen, was für alle anderen Versender ebenso gilt. Es handelt sich also um eine verlogene Worthülse. Tatsächlich betreiben die Politiker eine unfaire Wettbewerbsverzerrung. Und die Liste ihrer Verfehlungen wird immer länger. Denn auch die Tatsache, dass der Quelle-Mutterkonzern Arcandor ohne staatliche Hilfszusage auskommen musste, bekommt vor dem Hintergrund der Zwischenfinanzierung von Quelle eine neue Qualität: Die erste und zwingendste Marktbereinigung durch die ordnungspolitisch eigentlich so begrüßenswerte Arcandor-Insolvenz ist damit zunächst verhindert worden.

Das Retten muss schwieriger werden

Wie einst bei Cato ist die Wiederholung des immer Gleichen deshalb nicht ermüdend. Sie ist zwingend geboten. Alle, die verstanden haben, was die Wirtschaft in Deutschland groß gemacht hat, müssen in dieser Krise wieder und wieder darauf verweisen, dass abgewirtschaftete Unternehmen abgewickelt werden müssen. Gleichgültig, ob sie Opel, Arcandor, Quelle heißen oder früher Philipp Holzmann, Coop, Bremer Vulkan oder Deutsche Babcock. Aus den Trümmern entsteht Neues. Alles andere kostet Wachstum. Das Retten muss politisch immer schwieriger werden.

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3 Lesermeinungen

  1. Warum sind alle gegen Hilfen...
    Warum sind alle gegen Hilfen für Quelle?
    1. Ohne Quelle gäbe es Neckermann und Karstadt nicht mehr. Wer hat beide saniert?
    2. Das Kataloggeschäft ist immer noch profitabel. Nicht jeder hat Internet oder möchte per Internet bestellen. Ich denke nur an unsere Senioren!
    3. Ein Massekredit ist für den Steuerzahler neutral. Massekredit ist gedeckt durch den Wert des Unternehmens.
    4. Sind Quelle-Mitarbeiter keine Steuerzahler? Leisten Quelle-Mitarbeiter mit Ihrer Arbeit wohl keinen Beitrag in den Solidartopf? Wenn eine Diskussion stattfindet über Gerechtigkeit, dann muss im gleichen Atemzug auch die Frage gestellt werden wieviele aus der Solidargemeinschaft finanziert werden, die nie auch nur einen Cent oder Pfennig einbezahlt haben. Ein Massekredit für Quelle um sich Zeit zu verschaffen ein geändertes Modell zu entwerfen und damit Arbeitsplätze zu sichern ist mehr als gerecht für eines der ältesten deutschen Unternehmen.
    5. Wenn rund 10.000 Mitarbeiter arbeitslos werden, vieviel kostet dies langfristig den Steuerzahler
    6. Quelle als Unternehmen und die Kaufkraft der Mitarbeiter stützt einen grossen Teil des Mittelstands.
    Soviel zum Thema fair!

  2. Wo geht es heute noch gerecht...
    Wo geht es heute noch gerecht zu?
    Wir haben einen hohen Anspruch,doch die Realität sieht anders aus.
    Jeder Landesfürst sieht nur die Betriebe in seinem Land.
    Da macht er Druck,so wie Seehofer mit Quelle.
    Die anderen machen die so mit Opel und anderen Firmen.
    Zusätzlich lobt man die Kurzarbeit wie großartig sie helfe,
    doch die Wahrheit ist zwiegeteilt.
    Es melden sich Firmen zur Kurzarbeit an,arbeiten aber normal weiter
    um das Geld einzustreichen.
    Andere nutzen einfach nur die Zeit der Mitnahme aus.
    So kommt keine Wirtschaft wieder in schwung.
    Eine Wettbewerbsverzerrung auf breiter Ebene.

  3. <p>Die Show, die unsere...
    Die Show, die unsere Politiker abziehen ist unerträglich wenn man den Ernst unserer (Wirtschafts-)Lage betrachtet!

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