Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Unser Geld, unsere Politiker und unsere Quelle

Man wird aber das Gefühl nicht los, dass die teure Krise das Volk wenigstens etwas wacher gemacht hat. Das gilt zum einen mit Blick auf die Unterstützungsorgien für Unternehmen wie Opel oder Quelle, die nicht gut ankommen, wenn der eigene Arbeitgeber mit Bordmitteln durch die Krise kommen muss. Und das gilt auch für die Koalitionsverhandlungen: Jedenfalls scheitern die Politiker doch wieder etwas häufiger damit, dem interessierten Teil der Bürger ein X für ein U vormachen zu wollen.

Gewiss, Geld ist nicht alles. Aber mit mehr Geld wird vieles leichter: Das sieht auch die Gewerkschaft Verdi so. Sie hat der Bundesregierung und den Banken eine Mitschuld am endgültigen Aus für das traditionsreiche Versandhaus Quelle in Fürth gegeben. Die Entscheidung, dem Quelle-Mutterkonzern Arcandor keinen Staatskredit zu gewähren, sei falsch gewesen, wird beklagt. Im Vergleich zur staatlichen Unterstützung für Banken wäre ein solcher Kredit schließlich eine Kleinigkeit gewesen.

Das ist doch eine gute Idee: Schon im Ruhrgebiet hätten sich viele Menschen gefreut, wenn marode Stahlwerke einst sehr viel mehr Staatsgeld bekommen hätten, die Zechen bis zum wirklich allerletzten Körnchen Kohle aus der Erde geholt hätten und nicht zuletzt die Brauereien, die gegenüber den Brauern aus dem Sauerland nicht mehr wettbewerbsfähig waren, in ihrer alten Vielfalt weitere mäßig schmeckende Bier-Hektoliter in den Markt hätten pumpen können. Wenigstens war genug Alkohol drin. Verdi begreift einfach nicht: Wenn am Markt Schluss ist, ist eben Schluss. Da hilft alles Geld der Welt nichts mehr. Und der Hinweis auf die Banken ist zwar immer nett, aber die Banken gegen die Wand fahren zu lassen, ist so eine Sache. Was immer man vom Verhalten der Banker in der Finanzkrise halten mag: Es würde einer Wirtschaft auch nicht gut bekommen, schaltete man einfach mal das Stromnetz ab. Ähnlich sieht es mit der Geld- und Kreditversorgung aus.

Nicht mehr länger ein X für ein U vormachen

Man wird aber das Gefühl nicht los, dass die teure Krise das Volk wenigstens etwas wacher gemacht hat. Das gilt zum einen mit Blick auf die Unterstützungsorgien für Unternehmen wie Opel, die nicht gut ankommen, wenn der eigene Arbeitgeber mit Bordmitteln durch die Krise kommen muss. Und das gilt auch für die Koalitionsverhandlungen: Jedenfalls scheitern die Politiker doch wieder etwas häufiger damit, dem interessierten Teil der Bürger ein X für ein U vormachen zu wollen.

Dafür dient als jüngstes Beispiel das Vorhaben von Union und FDP, einen Schattenhaushalt einzuführen. Obwohl etwa CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer die Kritik an dem Projekt mit der ihm eigenen Eloquenz zurückwies, erweist sie sich wohl doch als stichhaltig: „Wenn der Opposition in wichtigen Zukunftsfragen unseres Landes nichts Besseres einfällt als so eine verantwortungslose und phantasielose Kritik, dann tut es mir jetzt schon leid um diese Opposition“, hatte Ramsauer gesagt. Er hätte besser abgewartet, wie gut wir alle uns wirklich für dumm verkaufen lassen. Das gilt übrigens auch für den FDP-Generalsekretär Dirk Niebel. Der hatte gesagt, man höre und staune: „Ich glaube, dass es ein Ausdruck von Transparenz wäre, wenn wir zu diesem Modell kommen.“ Das hat er gewiss nicht ernst gemeint.

Was ist eigentlich transparent?

Denn mit der Transparenz ist es so eine Sache. Manchmal sind die Dinge so transparent, dass man fast vermuten könnte, dass sie dadurch aus dem Blickfeld geraten sollen. Oder sie sind zu früh zu wenigen Menschen transparent, wie zum Beispiel denjenigen, die den amerikanischen Investor Raj Rajaratnam mit Insider-Informationen aus ihren Unternehmen vor allem aus der IT-Branche versorgt haben. Rajaratnam war Ende vergangener Woche wegen des Verdachts auf Insiderhandel angeklagt worden, ebenso wie Manager von Unternehmen wie IBM und Intel. Rund 18 Millionen Dollar soll Rajaratnam, der Gründer des Hedge-Fonds Galleon, so erlangt haben. Das ist viel Geld. Aber so richtig viel Geld ist es dann ja auch wieder nicht. Dem deutschen Staat würde es bei seinen Finanzproblemen kaum helfen. Leider. Wenigstens bringt es etwas mehr, die Gebühren für Abfall und Abwasser zu erhöhen. Und um eine Steuererhöhung handelt es sich dabei ja auch nicht. Jedenfalls nicht direkt. Man muss sich nur zu helfen wissen.

Helfen soll Millionen Deutschen auch die Impfung gegen die Schweinegrippe. Da durften wir die Unterschiede zwischen den Impfstoffen Pandemrix (für das Volk) oder Celvapan (für Spitzenbeamte und Soldaten) kennenlernen. Oder vielmehr: die Nicht-Unterschiede. Oder was auch immer. Jedenfalls ist hier, bis hin zu Fragen der Haftung für Nebenwirkungen, die Verwirrung komplett. Vermutlich lassen sich letztlich viel weniger Menschen impfen, als es eigentlich gut wäre. Das ist schade – und unprofessionell gemacht. Dabei kostet doch auch diese Impfaktion Geld. Aber davon findet sich letztlich ja doch immer wieder irgendwo etwas, jedenfalls rein politisch betrachtet.

 

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