Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Zum IT-Gipfel: Informationstechnologie als Katalysator

Die jährlichen Gipfeltreffen der IT-Industrie erfüllen einen guten Zweck. Sie bringen zwar kaum unmittelbar greifbare Ergebnisse. Aber sie schärfen den Blick für die Bedeutung, die die Informationstechnologie für das Wirtschafts- und Alltagsleben erreicht hat. Und sie rücken eine Branche in das Blickfeld von Politik und Gesellschaft, die im Vergleich zur alles dominierenden Auto- oder Energieindustrie zu häufig in ihrer Bedeutung unterschätzt wird. Das gilt besonders für das zu Ende gehende Jahr.

Die jährlichen Gipfeltreffen der IT-Industrie erfüllen einen guten Zweck. Sie bringen zwar kaum unmittelbar greifbare Ergebnisse. Aber sie schärfen den Blick für die Bedeutung, die die Informationstechnologie für das Wirtschafts- und Alltagsleben erreicht hat. Und sie rücken eine Branche in das Blickfeld von Politik und Gesellschaft, die im Vergleich zur alles dominierenden Auto- oder Energieindustrie zu häufig in ihrer Bedeutung unterschätzt wird.

Das gilt besonders für das zu Ende gehende Jahr. Die Deutschen wissen nun alles über Opel oder Porsche, sie kennen das Für und Wider der Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken und schauen intensiv auf ein ganz anderes Gipfeltreffen zum Weltklima in Kopenhagen. Aber über die Informationstechnologie (IT) hat die breite Masse in diesem Jahr höchstens etwas im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Version des Betriebssystems Windows von Microsoft gehört oder weil sich ein Bekannter möglicherweise ein neues iPhone von Apple gekauft hat.

Ohne IT geht fast nichts mehr

Ohne Informationstechnologie geht es heute aber fast nirgendwo mehr, auch nicht in den deutschen Schlüsselindustrien. Das gilt für das Auto wie für die Stromerzeugung und -verteilung oder aber für die Steuerung der Produkte aus den Fabriken der deutschen Maschinenbauer. Und die Arbeitsplätze, die in Unternehmen wie Opel oder Arcandor/Quelle unter großer öffentlicher Anteilnahme verlorengehen, werden nicht zuletzt in der IT still und leise neu geschaffen.

Ein wenig mehr Aufmerksamkeit für die Vertreter dieser Branche ist daher angebracht, auch wenn sie nicht SAP heißen. Dass es hier Nachholbedarf gibt, zeigt sich augenfällig an der Vergabe der Plätze in den Wirtschaftsdelegationen der Kanzlerin oder ihrer Minister auf Auslandsreisen. Hier ist die Branche nicht gut genug vertreten. Noch wichtiger aber sind die Klagen der deutschen IT-Mittelständler, sie hätten Schwierigkeiten, Forschungsarbeiten zu finanzieren, um ihre Innovationen auch tatsächlich auf den Markt bringen zu können. Vielleicht lässt sich hier Abhilfe schaffen, ohne gleich große Subventionstöpfe zu befüllen. Denn die Politik würde durch solche Gesten, noch mehr aber durch eine bessere Koordination ihrer eigenen IT-Förderungsbemühungen, in eine Zukunftsbranche investieren.

Die Wirklichkeit hingegen ist trister. Nicht selten bewegt sich die IT-Branche schneller, als alte Strukturen in der Lage sind, passende Antworten auf die neuen Technologien zu finden. So rangeln zum Beispiel die Ministerien für Inneres, Wirtschaft und Justiz über die Federführung in der Frage der Regulierung des Internet. Wenigstens hat die Politik seit der kontroversen Debatte über Web-Sperren im Kampf gegen Kinderpornographie und dem Achtungserfolg der Piratenpartei bei den Bundestagswahlen im September erkannt, wie wichtig das Thema ist. Die Lehren daraus werden aber nur sehr langsam gezogen. Das gilt nicht nur für die Politik, sondern zum Beispiel auch für die Medienindustrie. Die Vertreter der IT-Branche jedenfalls betrachten die von Verlegern geforderte Einführung eines Leistungsschutzrechts für das Internet genauso skeptisch wie die bestehenden Vergütungspauschalen für das private Kopieren. Hier fordert die IT neue Geschäftsmodelle ein. Informationstechnologie bringt manche Bedrohung mit sich, insgesamt aber wohl noch mehr Chancen. Denn allein durch den Aufbau sogenannter Breitbandnetze für das Internet können nach jüngsten von der Branche vorgelegten Studien in Europa bis 2020 „mindestens“ 1 Million neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Und sogenannte „intelligente Netze“, zum Beispiel zur Steuerung des Verkehrsflusses auf der Straße, in der Energieversorgung, in der Verwaltung oder in der Ausbildung, sorgen bis zum selben Jahr angeblich für ein zusätzliches Umsatzpotential von rund 82 Milliarden Euro.

Nun sind solche Hochrechnungen stets mit großen Unsicherheiten behaftet. Sicher ist aber, dass zum Beispiel das für die deutsche Industrie so wichtige Auto nur mit Hilfe der IT Zukunft hat. Das gilt nicht nur, weil schon der Antrieb der Fahrzeuge bald elektrisch sein wird, sondern auch, weil der Verkehrsfluss zunächst durch moderne Maut-Systeme und später durch gegenseitige Kommunikation der fahrenden Autos untereinander (zum Beispiel zur Abstandswarnung) gesteuert werden wird.

Ärgernis Gesundheitskarte

So gibt es in der IT stets große Hoffnungen, aber manches wird auch zum Dauerproblem. Dazu gehört das Ringen um die Digitalisierung der Arbeitsabläufe des deutschen Gesundheitswesens. Die Einführung der Gesundheitskarte in einer nur noch rudimentären Form ist ein Lehrbeispiel dafür, wie man IT-Großprojekte künftig nicht mehr angehen darf. Denn eines sollte Deutschland nicht passieren: Die Informationstechnologie darf traditionellen Industrien nicht den Garaus machen, ohne dass Wirtschaft und Politik schneller lernen, die Chancen zu nutzen, die sich durch sie bieten.

 

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