Ad hoc

Ad hoc

Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Neu im Team von Bayer: Marijn Dekkers

Nach der Nachricht, Marijn Dekkers werde 2010 der neue Vorstandsvorsitzende des Leverkusener Pharma- und Chemiekonzerns Bayer, fragten sich in der Branche beinahe alle: Wer ist dieser Mann? Als sie dann sehr schnell hörten, der gebürtige Holländer und bisherige Chef eines amerikanischen Laborgeräteherstellers habe sich in seiner Managervergangenheit nicht zuletzt mit dem radikalen Umbau seines bisherigen Unternehmens bewährt, fragten sie sich: Wird das bei Bayer nun ähnlich sein?

Nach der Nachricht, Marijn Dekkers werde 2010 der neue Vorstandsvorsitzende des Leverkusener Pharma- und Chemiekonzerns Bayer, fragten sich in der Branche beinahe alle: Wer ist dieser Mann? Als sie dann sehr schnell hörten, der gebürtige Holländer und bisherige Chef eines amerikanischen Laborgeräteherstellers habe sich in seiner Managervergangenheit nicht zuletzt mit dem radikalen Umbau seines bisherigen Unternehmens bewährt, fragten sie sich: Wird das bei Bayer nun ähnlich sein? Die Personalie Dekkers hat die Spannung rund um Bayer merklich erhöht. Und ab sofort werden wenigstens die Mitarbeiter von Bayer häufiger Gelegenheit bekommen, persönliche Bekanntschaft mit Dekkers zu machen. Denn zum 1. Januar 2010 übernimmt der 52 Jahre alte Dekkers zunächst die Verantwortung für die Gesundheitssparte Bayer Health Care und zieht in den Vorstand des Konzerns ein. Dann hat der Neue neun Monate Zeit, sich in die Kultur des Hauses einzuarbeiten, im dritten Stock der modernen Unternehmenszentrale und in unmittelbarer Nähe des heutigen Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning, der Dekkers sein Amt Anfang Oktober übergeben wird.

Eine der wichtigsten Manager-Personalien 2010

Damit steht – mit einigem Anlauf – schon heute fest, dass Dekkers als neuer Chef eines der größten deutschen Dax-Unternehmen eine der wichtigsten Manager-Personalien des kommenden Jahres sein wird. Dekkers ist sein Leben lang zwischen seiner niederländischen Heimat, den Vereinigten Staaten und auch Deutschland gependelt. Geboren wurde er 1957 als Sohn eines Textilmanagers im niederländischen Tilburg; in der Familie war er eine Art Nesthäkchen. Die Mutter starb, als Dekkers noch in die Schule ging. Später studierte er Chemie an den Universitäten Nijmegen und Eindhoven. Eine gewisse Bekanntheit erlangte er recht früh durch den Sport: Für Emmerich spielte er in der damals höchsten deutschen Liga, der Oberliga. Geld verdiente er als Tennislehrer hinzu, Kenntnisse der deutschen Sprache gab es im Gegenzug für ihn kostenlos. Ein schöner Nebeneffekt: Ohne Deutsch hätte die Berufung zum Bayer-Chef gewiss nicht geklappt. Arthur Higgins jedenfalls, sein Vorgänger an der Spitze von Bayer Healthcare, wollte als Schotte von seiner Muttersprache Englisch nicht lassen. Er verlässt nun den Konzern – und hatte sich gewiss Hoffnung auf mehr gemacht.

Nach der Promotion ging Dekkers nach Amerika. Dort arbeitete er zunächst als Forscher für General Electric, später für andere Arbeitgeber in den Niederlanden und den Vereinigten Staaten. Im Jahr 2000 bot sich die Chance, eine Führungsposition bei seinem bisher letzten Arbeitgeber Thermo Electron zu ergreifen. Er setzte dort eine Neuorganisation um, verkaufte Unternehmensteile und stärkte das Kerngeschäft durch verschiedene Akquisitionen. Hervorzuheben ist der Kauf des deutlich größeren Laborgeräteherstellers Fisher Scientific, seither heißt das Unternehmen Thermo Fisher Scientific. Während seiner Zeit an der Spitze verfünffachte sich der Umsatz von rund 2 auf mehr als 10 Milliarden Dollar. Dennoch: Auch für den Aufsichtsrat von Bayer war der Name Dekkers eine große Überraschung, als Manfred Schneider, der Vorsitzende des Gremiums, den auserwählten Wenning-Nachfolger präsentierte. Selbst diejenigen, die sich in Amerika auskannten, hatten Dekkers persönlich noch nicht kennengelernt. Und einige waren doch sehr erstaunt, dass es Bayer entgegen seiner langen Tradition dieses Mal nicht gelungen war, einen neuen Chef aus den eigenen Reihen aufzubauen.

Komplexe Strukturen aufbrechen

Andererseits traut man Dekkers, einem Vater von drei Kindern, eine Menge zu. Beobachter interpretieren die Benennung denn auch vor allem dahin gehend, dass ein Externer die komplexen Strukturen des etwas behäbigen (Kritiker sagen: archaischen) Konglomerats eher aufbrechen wird als ein im Unternehmen groß gewordener Kandidat. Das deutet auf so manche kommende Umbesetzung auf Führungsebenen unterhalb des Vorstands hin. Wer aber glaubt, erst mit Dekkers beginne ein nachhaltiger Umbau der Bayer-Konzernstrukturen und -Beteiligungen, übersieht, was in den vergangenen Jahren in Leverkusen in dieser Hinsicht schon passiert ist. Zwischen 2001 und 2008 hat Bayer Unternehmensteile für 14 Milliarden Euro verkauft und für 29 Milliarden Euro gekauft, wodurch sich das Gewicht stark in Richtung Gesundheit verschoben hat – genau in dieser Sparte wird Dekkers sich ja auch zunächst einarbeiten. Und was weitere, eventuell bevorstehende Umbrüche betrifft, sind die zunächst aufgeschreckten Wettbewerber inzwischen auch wieder etwas gelassener. Große Veränderungen, zum Beispiel den Verkauf der Pflanzenschutzsparte, um danach den Gesundheitsbereich weiter zu stärken, oder auch von Teilen des Kunststoffgeschäfts, erwarten sie nach eigenem Bekunden nicht – jedenfalls nicht in absehbarer Zeit.

follow me on Twitter