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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Warum das Wohl und Wehe von SAP uns alle angeht

Es gibt nicht viele Unternehmen in Deutschland, in denen ein überraschender Führungswechsel mit so viel Interesse verfolgt wird wie beim Softwarekonzern SAP. Denn die Produkte von SAP, die jetzt nicht mehr vom überraschend ausgeschiedenen Vorstandssprecher Léo Apotheker an den Mann gebracht werden, sind nach der Schätzung von Fachleuten in 98 Prozent der 100 größten deutschen Unternehmen im Einsatz.

Es gibt nicht viele Unternehmen in Deutschland, in denen ein überraschender Führungswechsel mit so viel Interesse verfolgt wird wie beim Softwarekonzern SAP. Denn die Produkte von SAP, die jetzt nicht mehr vom überraschend ausgeschiedenen Vorstandssprecher Léo Apotheker an den Mann gebracht werden, sind nach der Schätzung von Fachleuten in 98 Prozent der 100 größten deutschen Unternehmen im Einsatz.

Dort überwachen die Computerprogramme nichts weniger als den Herzschlag in der Produktion, dem Personalwesen, dem Vertrieb oder der Finanzabteilung: „Die Lösungen von SAP sorgen dafür, dass wichtige Informationen in Echtzeit zur Verfügung stehen“, heißt es dazu in der Werbung, die das Unternehmen für sich macht. Einlösen müssen dieses Versprechen jetzt andere: Wie in einem Teil unserer Ausgabe vom Montag berichtet, wurden die beiden Vorstandsmitglieder Bill McDermott, verantwortlich für den Vertrieb, und Jim Hagemann Snabe, zuständig für die Produktentwicklung, zu gleichberechtigten Vorstandssprechern ernannt. Am Montag blieb der Aufsichtsratsvorsitzende Hasso Plattner, der weiterhin eine starke Rolle im Unternehmen spielen soll, eine eindeutige Begründung für das Ausscheiden Apothekers schuldig. Er sagte aber, SAP müsse vor allem das Vertrauen seiner kleineren Kunden wiedergewinnen. Apotheker hatte offenbar zu viel Kredit bei Mitarbeitern und Kunden verspielt. Und mit seinen kleineren Kunden tut sich SAP traditionell schwer; zuletzt hatte der Versuch, höhere Preise für Wartungsverträge einzuführen, für großen Ärger gesorgt.

Vor allem Erfolge bei den Großen

Aufgezählt werden deshalb stets die Erfolge bei den Großen: Insgesamt arbeiten mehr als 75 Prozent der 500 größten Konzerne der Welt mit SAP-Software. Gezählt werden knapp 92 000 Kunden in 120 Ländern. SAP hat bislang einen Anteil am lukrativen Markt für Unternehmenssoftware von knapp einem Drittel. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 10 Milliarden Euro, der Nettogewinn erreichte 2 Milliarden Euro. Der Erfolg von SAP hat auch Auswirkungen auf ein umfangreiches Netzwerk von Partnern, welche die SAP-Software nicht nur vertreiben. Viele von ihnen programmieren eigene Branchenlösungen, die die Angebote von SAP entsprechend ergänzen. Sie hängen unmittelbar vom Wohl und Wehe von SAP ab.

SAP profitiert mit seinen Branchenlösungen von der Nähe zu anderen Industrien, die zum großen Teil auch selbst Weltmarktführer sind. Das gilt in Deutschland zum Beispiel für den Maschinenbau, die Autoindustrie und die Chemie. SAP ist das einzige nicht-amerikanische Unternehmen, das in der ersten Liga der Software-Industrie mitspielt. Andere europäische Anbieter spielen fast immer nur regional oder national eine Rolle. „Die Software-Industrie ist eine Schlüsselindustrie“, sagt deshalb August-Wilhelm Scheer, Präsident des deutschen High-tech-Verbandes Bitkom: „Wir dürfen den Amerikanern hier nicht das Feld überlassen.“ Das dürfte auch Plattner umtreiben, den eine langjährige Rivalität mit Larry Ellison, dem Chef des amerikanischen SAP-Wettbewerbers Oracle, verbindet.

Unter Mitarbeit von Stephan Finsterbusch.

 

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