Ad hoc

Warum die Sorgen um die Griechen und den Euro Professoren nicht überraschen

Die finanziellen Schwierigkeiten Griechenlands und die daraus entstehenden Belastungen für die Europäische Währungsunion und den Euro werden die Professoren nicht überraschen, die schon im Juni 1992 vor der Ratifizierung der Beschlüsse von Maastricht gewarnt haben. Damals schreiben 60 Wirtschaftswissenschaftler, unter ihnen Klaus Rose, Karl Schiller, Jochen Schuhmann, Friedrich Sell, Roland Vaubel und Christian Watrin, dass die grundlegenden ordnungspolitischen, ökonomischen und fiskalischen Folgen der Währungsunion von den Vertragspartnern ignoriert würden. Mit Blick auf die heutige Situation sind insbesondere folgende Punkte bemerkenswert: „Eine funktionsfähige Wirtschafts- und Währungsunion erfordert als Vorbedingung eine dauerhafte – über mehrere Jahre hinweg nachgewiesene – Angleichung der relevanten Wirtschaftsstrukturen der Mitgliedsländer. Eine einmalige – stichtagsbezogene – und damit mehr oder weniger zufällige Erfüllung einzelner Kriterien ist kein Nachweis der erforderlichen Konvergenz.” Das dürfte vor allem dann zu bedenken sein, wenn die stichtagsbezogenen Daten (wie im Fall von Griechenland) sogar gefälscht waren.

Erst die politische Union, dann die gemeinsame Währung

Und weiter: „Die ökonomisch schwächeren europäischen Partnerländer werden bei einer gemeinsamen Währung einem verstärkten Konkurrenzdruck ausgesetzt, wodurch sie aufgrund ihrer geringeren Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit wachsende Arbeitslosigkeit erfahren werden. Hohe Transferzahlungen im Sinne eines Finanzausgleichs werden damit notwendig. Da bisher noch keine Vereinbarungen über die Struktur einer politischen Union existieren, fehlt hierfür jedoch ein demokratisch hinreichend legitimiertes Regelungssystem.” Daraus folgerten die Professoren, es gebe kein ökonomisch zwingendes Argument dafür, von oben eine monetäre Einheit auf ein wirtschaftlich, sozial und interessenpolitisch noch uneiniges Europa zu stülpen. Die überhastete Einführung der Währungsunion werde Westeuropa starken ökonomischen Spannungen aussetzen, die in absehbarer Zeit zu einer politischen Zerreißprobe führen könnten. Auch in dieser Bemerkung steckt mit Blick auf Griechenland mehr als nur ein Körnchen Wahrheit.

Noch eine Warnung im Februar 1998

Vor der endgültigen Einführung des Euro legten im Februar 1998 noch einmal 155 Professoren nach. Der Euro komme zu früh, hieß es in jener Erklärung: Da der Wechselkurs in einer Währungsunion nicht mehr als Anpassungsinstrument zur Verfügung stehe, müssten die Arbeitsmärkte erheblich flexibler werden. Wenn es dazu nicht komme, müsse mit politischem Druck auf die Europäische Zentralbank gerechnet werden. Wer die Konvergenzkritierien nicht ernst nehme, untergrabe das Vertrauen in die faktische Unabhängigkeit der EZB und die Stabilität des Euro. Wahre Worte, möchte man aus heutiger Sicht anfügen.

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