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Frauen klopfen an deutsche Vorstandsetagen an

Endlich ziehen Frauen in die Vorstände großer deutscher Konzerne ein. Das ist überfällig, und das gilt nicht nur mit Blick auf die demographische Entwicklung. Dass die Kenntnisse gut ausgebildeter, intelligenter Frauen in Deutschland in Führungspositionen bisher kaum genutzt wurden, ist unverantwortlich. Ob man zur Förderung der Karrieren von Frauen eine Quote braucht, sei zwar dahingestellt. Wichtig aber ist, dass Männer beginnen, Frauen Durchsetzungskraft und Entscheidungsfreude zuzutrauen.

Endlich ziehen Frauen in die Vorstände großer deutscher Konzerne ein. Das ist überfällig, und das gilt nicht nur mit Blick auf die demographische Entwicklung. Dass die Kenntnisse gut ausgebildeter, intelligenter Frauen in Deutschland in Führungspositionen bisher kaum genutzt wurden, ist unverantwortlich. Ob man zur Förderung der Karrieren von Frauen eine Quote braucht, sei zwar dahingestellt. Wichtig aber ist, dass Männer beginnen, Frauen Durchsetzungskraft und Entscheidungsfreude zuzutrauen. Wie weit der Weg noch ist, zeigt sich auch daran, wie viel Aufsehen entsteht, wenn es dank neuer Ansätze in der Personalpolitik nun tatsächlich gelingt, Frauen in ein Vorstandsamt zu bestellen. Denn die Frauen in deutschen Dax-Vorständen lassen sich auch nach den jüngsten Nachrichten noch immer an einer Hand abzählen. Noch viel weiter entfernt sind die deutschen Unternehmen von der Vorstellung, eine Frau als Vorstandsvorsitzende zu haben. Da ist Amerika weiter: Meg Whitman von Ebay und Carly Fiorina von HP sind dafür die prominentesten Beispiele, auch wenn beide ihr Glück inzwischen in der Politik versuchen. Immerhin dort ist Deutschland in dieser Hinsicht vorbildlich.

Hier die zugehörige Meldung:

Personalberater haben das Thema als die große Chance für ihren Berufsstand ausgemacht: In die deutschen Vorstände müssen mehr Frauen. Wer es schafft, in dieser Hinsicht bisher hilflosen Aufsichtsräten geeignete Kandidatinnen zu vermitteln, macht das große Geschäft. Denn die deutschen Konzerne haben erkannt, dass sie an der Spitze viel zu männlich und in der Regel auch zu deutsch besetzt sind. Das soll sich ändern, längst gibt es dafür ein Schlagwort, das natürlich aus dem Englischen stammt: „Diversity“, auch wenn das nichts anderes als Vielfalt heißt. In den vergangenen Tagen häuften sich die Nachrichten, die den Eindruck vermitteln, dass die Personalberater erste Erfolge zu verzeichnen haben. So hat der Aufsichtsrat des Düsseldorfer Energiekonzerns Eon Regine Stachelhaus, 55 Jahre, in den Vorstand berufen.. Erst vor ein paar Tagen hieß es von Siemens aus München, Brigitte Ederer, 54 Jahre, die bisherige Chefin der österreichischen Landesgesellschaft, rücke in den Siemens-Vorstand auf und werde dort für Personal und das Europageschäft verantwortlich sein.

Dort nimmt sie nun neben der 56 Jahre alten Schweizerin Barbara Kux Platz, die schon seit November 2008 im obersten Führungsgremium von Siemens sitzt, dort für den Einkauf zuständig ist und damit lange Zeit die einzige Frau im Vorstand deutscher Dax-Unternehmen war. Das änderte sich erst im April dieses Jahres, als der Softwarekonzern SAP mitteilte, Angelika Dammann zum Personalvorstand zu machen. Die 50 Jahre alte Juristin war früher beim Mineralölkonzern Shell für die interne Kommunikation und später für Krisenmanagement verantwortlich. Danach leitete sie in der Shell-Konzernzentrale im Haag die Informationstechnologie. Nach 17 Jahren in der Ölbranche wechselte Dammann zum Nahrungsmittel- und Kosmetikhersteller Unilever. 2007 wurde sie Personalchefin für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Auch beim Chemiekonzern BASF gibt es mit Blick auf eine Frau im Vorstand Spekulationen. Dort gehen Beobachter davon aus, dass Margret Suckale, die in wilden Lokführer-Streiktagen prominenter Personalvorstand der Deutschen Bahn war, bald in den Vorstand einziehen wird.

Diese individuellen Personalien malen aber noch nicht das gesamte Bild: Schlagzeilen hat auch die Deutsche Telekom mit ihrer Frauenquote gemacht, obwohl das Ziel, 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen bis zum Jahr 2015 mit Frauen zu besetzen, in anderen Dax-Konzernen bisher kaum Nachahmer gefunden hat. Eon immerhin will nun auch den Frauenanteil in allen oberen Führungsebenen bis zum Jahr 2012 auf 10 Prozent steigern. Daimler hatte sich schon 2006 verbindliche Ziele zur Steigerung des Frauenanteils in leitenden Positionen gesteckt – demnach will Daimler die Zahl der weiblichen Führungskräfte auf 20 Prozent im Jahr 2020 erhöhen. Aus anderen Konzernen heißt es, man sehe die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, Frauen bessere Karrierechancen zu eröffnen, wolle von einer Quote aber Abstand nehmen und stets streng nach Qualifikation entscheiden.

Stachelhaus hatte keine Quote nötig

Das neue Eon-Vorstandmitglied Stachelhaus jedenfalls hatte keine Quote nötig, um in der Welt der Manager Karriere zu machen. Stachelhaus hatte schon als Managerin der deutschen Tochtergesellschaft des amerikanischen Computerkonzerns Hewlett-Packard Prominenz erlangt, war zur „Managerin des Jahres“ gewählt worden und wurde Anfang 2009 Geschäftsführerin des Kinderhilfswerks Unicef in Deutschland. Diese Arbeit hat Stachelhaus zwar als „Traumjob“ bezeichnet, doch lockte Eon mit einem neu geschaffenen Superressort. Schon früher hatte sie von sich gesagt, sie nehme gern Herausforderungen an. Bei Eon steht ihr eine solche bevor: In Düsseldorf wird sie für Personal, die Informationstechnologie, Einkauf, Recht und Compliance zuständig sein.

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