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Oracle trägt dick auf

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Der Umsatz des amerikanischen IT-Konzerns Oracle ist zweifellos höher ausgefallen, als es Branchenkenner für die vergangenen drei Monate erwartet hatten. Zudem sind erste Anzeichen dafür erkennbar, dass es Oracle mit der Integration von Sun abermals gelingen könnte, einen großen Zukauf überraschend problemlos zu verdauen. Nach diesen Feststellungen ist es gleichwohl angebracht, kurz innezuhalten.

Der Umsatz des amerikanischen IT-Konzerns Oracle ist zweifellos höher ausgefallen, als es Branchenkenner für die vergangenen drei Monate erwartet hatten. Zudem sind erste Anzeichen dafür erkennbar, dass es Oracle mit der Integration von Sun abermals gelingen könnte, einen großen Zukauf überraschend problemlos zu verdauen. Nach diesen Feststellungen ist es gleichwohl angebracht, kurz innezuhalten: Vollmundig behauptet Oracle, SAP in erheblichem Umfang Marktanteile abgenommen zu haben. Das ist zunächst unglaubwürdig, denn eine valide Datenbasis für diese Aussage lässt sich nicht wirklich finden. Im Gegenteil müssten in einem solchen Fall die Oracle-Zahlen noch sehr viel besser aussehen, erwarten die Märkte von SAP im laufenden Quartal doch ebenfalls ein gutes Abschneiden. Unter anderem, so heißt es, profitiere SAP von einer starken Nachfrage aus Entwicklungsländern. Hinzu kommt: Die Zahlen sind bei SAP derzeit im Jahresvergleich besser vergleichbar als bei Oracle. Auch das ist für die Anleger positiv. Deshalb wundert es nicht, dass die SAP-Papiere an der Börse zuletzt wieder besser abgeschnitten haben als die von Oracle. Und die Börse hat ja – fast – immer recht.

Hier die dazugehörige Meldung:

Der amerikanische Informationstechnologie-Konzern Oracle hat den Kauf des Herstellers von Netzwerkrechnern (Servern) Sun zunächst gut verdaut: Im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2009/10 (31. Mai) hat Oracle jedenfalls von einem überraschend deutlichen Umsatz- und Gewinnplus berichtet. Die Zahlen fielen besser aus, als von Analysten zuvor erwartet worden war. Nachdem das Unternehmen aus dem Silicon Valley am Donnerstagabend (Ortszeit) seine Zahlen vorgelegt hatte, stieg der Aktienkurs im nachbörslichen Handel um 4 Prozent. Davon profitierten am Freitag zunächst auch die Aktien des deutschen Oracle-Wettbewerbers SAP. Im Verlauf drehte der Kurs der SAP-Papiere aber gemeinsam mit dem schwächeren Gesamtmarkt ins Minus.

Als beruhigend bezeichneten Analysten die Hinweise von Oracle zur Lage des europäischen Geschäfts. In der Telefonkonferenz zur Vorlage der Zahlen hatte der Oracle-Vorstand bekräftigt, dass die europäischen Budget- und Währungsprobleme das eigene Unternehmen bisher nicht beeinträchtigt hätten. Im Gegenteil laufe das Geschäft in der Region „sehr gut“.

Unter dem Strich legte der Umsatz von Oracle in den drei Monaten bis Ende Mai um 39 Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn kletterte um 25 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar oder 46 Cent je Aktie. Vor außerordentlichen Aufwendung erreicht das Ergebnis je Aktie 60 Cent, erwartet wurden zuvor lediglich 54 Cent. Die Neuerwerbung Sun steuerte operativ, also ebenfalls vor der Berücksichtigung außerordentlicher Belastungen mehr als 400 Millionen Dollar zum Ergebnis bei. In der gleichen Zeitspanne des Vorjahres hatte Sun, damals noch als eigenständiges Unternehmen, Verlust gemacht.

IBM und SAP als Lieblingsfeinde

Einige große Kunden des Computer- und Softwarekonzerns IBM hätten sich nun für vergleichbare Angebote von Sun entschieden, sagte der Oracle-Vorstandsvorsitzende Larry Ellison. Auf solche Erfolge ist Oracle durchaus angewiesen, hatte Ellison im vergangenen Jahr doch 7,4 Milliarden Dollar für das nach allgemeiner Branchenmeinung zuletzt strategisch nicht mehr klug positionierte Unternehmen Sun ausgegeben. Die Attacken auf den deutschen Rivalen SAP überließ Ellison dieses Mal seinem Kollegen Charles Phillips. Der behauptete, man nehme SAP weiterhin „im großen Stil“ Marktanteile ab – eine Aussage, die wenig später von SAP bestritten wurde. Ellison hat Oracle mit vielen großen Zukäufen zum zweitgrößten Anbieter von Software ausgebaut, mit der Unternehmen ihre Geschäfte steuern und überwachen.

Im Schlussquartal stieg das von den Anlegern vielbeachtete Neugeschäft mit Software-Lizenzen um 14 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar. Auch hier hatte die Prognose des Unternehmens lediglich eine Spanne zwischen 3 und 13 Prozent in Aussicht gestellt. Das Neugeschäft ist vor allem deshalb wichtig, weil auf seiner Basis fortlaufende Wartungsverträge abgeschlossen werden. Im Gegensatz zu Oracle hatte sich SAP lange Zeit mit Übernahmen zurückgehalten. Diese Haltung haben die Deutschen spätestens im Mai aufgegeben, als sie für 5,8 Milliarden Dollar das kalifornische Unternehmen Sybase übernommen haben.

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1 Lesermeinung

  1. Unterschätze niemals Larry...
    Unterschätze niemals Larry Ellison!
    Irgendwo ein Großmaul hat er letztlich immer seine Ziele erreicht – in diesem Jahr nach mehreren Anläufen den America’s Cup in die USA zurück geholt!
    Manchmal wirken seine Allüren aus deutscher Perspektive infantil (als er anstatt Hasso Plattner’s havarierter Yacht zu helfen diesen teilnahmslos umkreiste wie eine geschlagene, wehrlose Beute und der Deutsche ihm daraufhin den Blanken zeigte) aber irgendwo steckt darin auch amerikanischer Sportgeist.
    Nicht vergessen: SAP war noch vor kurzem ziemlich auf dem Abstieg. Bis die Gründer (Gott sei Dank) das lasche deutsche Management vor die Tür setzen und durch global erfahrene Leute ersetzten. Viele Jahre haben der Langeweiler Henning Kagermann und der fleißige aber unglücklich agierende Leo Apotheker die größte europäische Software-Fabrik geführt wie eine Bäckerei. Shai Agassi, das große hausinterne Talent erkannte die Zeichen der Zeit und gründete „Better Place“.
    Oracle wird mit der Integration von SUN mehr zu tun haben als es zeigen darf. Das ist eine Verschnaufpause und Chance für SAP verlorenes Terrain aufzuholen. Geht Ellison allerdings wieder auf Jagd müssen die Germans sich auf eine neue heiße Phase einstellen. Aus Perspektive der Kunden ein vorteilhafter Wettbewerb.
    Rudyguy

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