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Noch ein 4:1 – Wirtschaftlich ist die Bundesliga der Lichtblick in Europa

Die Managementberatung A.T. Kearney hat die europäischen Fußball-Ligen getestet: Ohne Reformen droht den europäischen Top-Ligen und Vereinen in zwei Jahren der Bankrott. Die Spielergehälter sind zu hoch. Der Bundesliga geht es vergleichsweise gut.

Wären sie normale Unternehmen, drohte den europäischen Top-Ligen in England, Spanien und Italien wegen enormer Rentabilitätslücken in den nächsten zwei Jahren der Bankrott. Ähnliches gilt für große europäische Fußballvereine. Der Grund dafür ist die in Summe negative Anlagenrendite (Return on Assets) von minus 5 Prozent in der englischen Premier League, von minus 7 Prozent in der spanischen Primera División und von sogar minus 12 Prozent in der italienischen Serie A. Der Lichtblick aus deutscher Sicht: Die Bundesliga-Vereine, aber auch die Klubs der französischen Ligue 1 weisen in Summe eine positive Anlagenrendite auf. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Managementberatung A.T. Kearney zu den fünf größten Fußball-Ligen in Europa, die der FAZ exklusiv vorliegt.

Die finanzielle Misere der europäischen Ligen ist nach Ansicht von A.T. Kearney vor allem auf die hohen Spielergehälter und die hohen Transfersummen zurückzuführen. Um den finanziellen Kollaps des europäischen Fußballs abzuwenden, seien „umgehend“ weitreichende Reformen sowohl der Vereine als auch der Ligen zu beginnen. „Um die Nachhaltigkeit der europäischen Ligen zu überprüfen, haben wir die Leistung der Vereine in sportlicher, wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Hinsicht untersucht“, wird Jürgen Rothenbücher, der Autor der Studie, zitiert. „Wegen der geringen Eigenkapitalquote und der gleichzeitig auch in Zukunft zu erwartenden negativen Anlagenrendite geht vielen Top-Vereinen in spätestens zwei Jahren das Geld aus.“ Geld schieße zwar Tore, was aber nicht zwingend auch profitabel sei.

Die Bundesliga wirtschaftet finanziell besonders nachhaltig

In Summe ist die Bundesliga die nachhaltigste Liga, führend vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht und auch mit Blick auf die Ökologie. Auf Rang zwei folgt die englische Premier League, die in den Dimensionen Sport und soziale Verantwortung vorn liegt. Die französische Liga 1 überzeugt auf Rang drei in den Dimensionen Ökonomie und Ökologie (je Rang zwei). Die spanische Primera División kann zwar zahlreiche sportliche Erfolge vorweisen und belegt in dieser Dimension Rang zwei – hat jedoch in allen anderen Punkten Nachholbedarf. Das Schlusslicht auf Rang fünf ist die italienische Serie A.

Zur Bestimmung der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit der großen europäischen Ligen wurden die zentralen Kennzahlen Umsatz, Eigenkapitalquote und Anlagenrendite der Vereine und Ligen untersucht. Legt man als durchschnittliche Anlagerendite für alle Unternehmen in diesen Ländern 4 Prozent zugrunde, betragen die Rentabilitätslücken der englischen Premier League 9 Prozent, der spanischen Primera División 11 Prozent und in der italienische Serie A 16 Prozent. Die französische France Liga 1 besitzt dagegen eine positive Anlagenrendite von 1 Prozent, was einer Rentabilitätslücke von 3 Prozent gleichkommt. Die Bundesliga ist mit einer Anlagenrendite von 2 Prozent die profitabelste der untersuchten Ligen und hat ein Optimierungspotential von nur 1 Prozent im Vergleich zu „normalen“ deutschen Unternehmen.

„Der wesentliche Grund für die prekäre finanzielle Situation sind die hohen Spielergehälter und die enormen Ausgaben für Spielertransfers“, wird Martin Sonnenschein zitiert, der bei A.T. Kearney für das Geschäft in Zentraleuropa zuständig ist: „Allein in der abgelaufenen Saison wurde nach Hinzurechnen der Transfereinnahmen ein Minus von etwa 560 Millionen Euro gemacht.“ Erschwerend komme hinzu, dass die meisten Ligen noch nicht über ein ausreichendes finanzielles Kontrollsystem verfügten, so wie es für die Bundesliga existiere.

Sinkender Wert der Spieler in einer Systemkrise

Durch den hohen Wert der Spieler gebe es zwar zugleich hohe Vermögenswerte in den Ligen und Teams, die sich derzeit in der Summe auf 11,2 Milliarden Euro beliefen. „Diese Vermögenswerte würden jedoch im Falle einer Systemkrise sehr schnell verfallen und schützen die Klubs nicht wirklich“, so Sonnenschein. „Natürlich gehen wir nicht davon aus, dass eine der europäischen Top-Ligen in den nächsten Jahren Insolvenz anmelden wird, man muss jedoch davon ausgehen, dass einige Vereine in substantielle finanzielle Schieflagen kommen könnten, wenn die zugrundeliegenden Geschäftsmodelle nicht rasch angepasst werden“, ergänzt Rothenbücher. Besonders die Bundesliga zeige vielversprechende Ansätze, die von anderen Ligen übernommen werden sollten, um ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln, das dann auch für normale Geldanleger interessant sein könne. Darüber hinaus sei der europäische Fußballverband Uefa gefragt, um die risikoreichen Finanztransaktionen der Vereine zu unterbinden.

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