Ad hoc

Ad hoc

Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Heimelige Kälte, geschwätzige Zugfahrer und dann noch Wikileaks

| 1 Lesermeinung

Kälte. Das Wort beschreibt einen subjektiven Zustand vergleichsweise niedriger Temperatur. Umgangssprachlich wird mit Kälte das Fehlen von Wärme bezeichnet. Das heißt, ein Gegenstand besitzt weniger Wärmeenergie als das Bezugssystem. Ja, so ist es wohl, liebes Wikipedia-Lexikon. Aber Kälte führt die Menschen in Deutschland ganz anders zusammen als Hitze, und was sich da so erfahren lässt, wollte man genauso dringend wissen wie diese Definition von Kälte.

Kälte. Das Wort beschreibt einen subjektiven Zustand vergleichsweise niedriger Temperatur. Umgangssprachlich wird mit Kälte das Fehlen von Wärme bezeichnet. Das heißt, ein Gegenstand besitzt weniger Wärmeenergie als das Bezugssystem. Ja, so ist es wohl, liebes Wikipedia-Lexikon. Aber Kälte führt die Menschen in Deutschland ganz anders zusammen als Hitze, und was sich da so erfahren lässt, wollte man genauso dringend wissen wie diese Definition von Kälte.

Während man also auf dem Bahnsteig das Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagert, um nicht allzu sehr zu verkühlen, muss man so manchem wärmenden Gespräch unter Wartenden lauschen, denen das gemeinsame Kälteerlebnis aus unerfindlichen Gründen die Zunge lockert. Da erfährt man, warum es auf bestimmten Baustellen im Unternehmen des Mitreisenden nicht vorwärtsgeht, warum es Schwierigkeiten mit Fluchtwegen gibt, mit dem Wegerecht, das als Grunddienstbarkeit auf dem Grundstück des Nachbarn eingetragen werden muss, der – oh Wunder – davon gar nicht begeistert ist. Schuld an den Verwirrungen ist natürlich nur die „typisch deutsche Bürokratie“. So, wie das ganze vorgetragen wird, klingt es allerdings danach, als wenn sich der wehklagende Bauherr als Erster eine solche Grunddienstbarkeit teuer abkaufen lassen würde, wäre – völlig überraschend – einmal sein Grundstück davon betroffen. Das wiederum, sagen wir einfach mal so, wäre wirklich typisch deutsch. Liebe Leser: Vorsicht vor solchen Gesprächen in gehobener Lautstärke,damit man sie auch durch die Mütze auf den kalten Ohren versteht: Der Bahnsteig oder das Großraumabteil im Zug sind öffentliche Räume.

Von öffentlichen Räumen

So wie das Internet übrigens auch. Das hat jetzt hochamtlich Bundesinnenminister Thomas de Maizière festgestellt. Und dieser öffentliche Raum, sagte der Minister mit einem Blick auf die Diskussion zu „Google Street View“ im Sommer, sollte nach seiner Ansicht „frei von staatlichen Restriktionen sein“. Eine „Lex Google“ wird es also nicht geben. Recht so, denn wir waren etwas enttäuscht, weil sich offenbar einer der Mieter entschieden hatte, unser väterliches Elternhaus einfach mal verpixeln zu lassen, gilt hier doch einmal verpixelt, immer verpixelt. Schade. Gut ist allerdings, dass de Maizière die kommerzielle Veröffentlichung von Daten im Netz unterbinden will, wenn sich dadurch ein „umfangreiches Persönlichkeits- oder Bewegungsprofil des Betroffenen ergeben“ kann oder dieser „in ehrverletzender Weise“ beschrieben wird. Betrunken und im Unterhemd muss sich also niemand im Internet abbilden lassen.

Außer natürlich, er landet wie zum Beispiel der amerikanische Botschafter in Berlin mit seinen Dokumenten auf den Netzwerkrechnern (Servern) von Wikileaks. Dann steht man als vornehmer Diplomat im übertragenen Sinne plötzlich doch ein wenig nackt da. Den Amerikanern gefällt das gar nicht: Das Internet-Unternehmen Amazon hat die Wikileaks-Dokumente in dieser Woche jedenfalls schnell wieder von seinen Servern entfernt. Die Organisation hatte bei der Veröffentlichung der diplomatischen Depeschen auf Amazon-Server zurückgegriffen, um die Zugriffszahlen bewältigen zu können. Amazon hatte die Nutzung seiner Server gestoppt, nachdem Mitarbeiter von Senator Joe Lieberman Nachforschungen angestellt hätten. Der Vorsitzende des Senatsausschusses für Heimatschutz hatte Amazon angeblich mit einem Boykott gedroht. Es gibt Dinge, da verstehen die sonst so freiheitsliebenden Amerikaner plötzlich keinen Spaß mehr.

Kinder haben mehr Spaß am Fußball

Spaß macht auch der Ablauf der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften in den Jahren 2018 und 2022 nicht. Die Gastgeber Russland und Qatar sind höchst umstritten. Die Doppelvergabe wurde für den Weltfußballverband Fifa zum Desaster. Stimmenzusagen und aggressiver Lobbyismus haben mit der Freude, mit der unsere Kinder gerade die Faszination Fußball entdecken, nichts zu tun. Dann freuen wir uns doch lieber darüber, dass wir noch nicht das Pech hatten, beim Weihnachtseinkauf ein ausverkauftes Spielzeug auf der Einkaufsliste zu haben. So etwas gibt es in diesem Jahr nicht selten. Schön, dass es uns wieder so gut geht – trotz Kälte, aber auch an der kann man sich ja gemeinsam wärmen, auf dem Bahnsteig oder anderswo.

 

follow me on Twitter


1 Lesermeinung

  1. Ach ja, apropos Kälte....
    Ach ja, apropos Kälte. Früher, als es bei der BVG noch Zugabfertiger auf den Bahnhöfen gab, und es einmal sehr kalt und der Andrang wegen eines ausgefallenen Zugs recht groß war, dirigierte der: „In der Mitte sin oooch Türen! Steigense ein! – Gehnse durch! Rücken Se mehr zusamm, denn wird et ooch wärmer.“ Recht hatte er, und die Leute grinsten.

    Ansonsten: daß die amerikanische Regierung zumindest versucht, ihre Botschaftskommunikation der letzten Jahre nicht allzulange komplett und im Wortlaut in die Welt blasen zu lassen, ist weiß Gott legitim. Es handelt sich ja gerade nicht um irgendwelche Entscheidungen, die die Regierung gefällt hat und vor ihren Wählern verantworten muß, sondern um ihre administrative Arbeitsgrundlage. Nach dem, was ich mir bisher angeschaut habe, finde ich ein Wort des Lobes für die Schreiber (also die US-Diplomaten) durchaus angebracht, sie scheinen wirklich gute Arbeit zu leisten. Für mich als Bürger der westlichen Welt ist es ein eigentlich so nicht geforderter Arbeitsnachweis, daß die Institution „amerikanische Botschaft“ funktioniert (hat?) und mit recht fähigen Leuten besetzt ist, also auch was getan wird fürs ausgegebene Steuergeld. – Zumindest in Deutschland ist der diplomatische Schaden sehr gering, bei ein paar Nasen muß der richtige Abstand nachjustiert werden, aber den Rest konnte man eh schon in den Zeitungen lesen. Zu irgendwas raten kann man Hillary Clinton auch nicht – wenn Sie Wikileaks schließen läßt, jaulen die US- und EU-Bürger, wenn nicht, verdirbt sie sichs womöglich für immer mit den Arabern, Russen und Chinesen.

Kommentare sind deaktiviert.