Ad hoc

Ad hoc

Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Alternativlose Paketlösungen

„Alternativlos" ist als Unwort des Jahres 2010 eine gute Wahl. Zur Begründung heißt es, das Wort suggeriere, dass es bei einem Entscheidungsprozess keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit zur Diskussion und Argumentation gebe. Als Beispiel wird Bundeskanzlerin Angela Merkel angeführt, die die finanziellen Hilfen der Europäischen Union zur Stabilisierung Griechenlands als „alternativlos" begründet hatte. Das Unwort inspiriert zugleich zu einer kleinen Vorschau: Wetten, dass sehr bald eine „Paketlösung" alternativlos sein wird, um Griechenland umzuschulden und die Last der finanziellen Sorgen von Ländern wie Portugal und Spanien zu nehmen?

„Alternativlos” ist als Unwort des Jahres 2010 eine gute Wahl. Zur Begründung heißt es, das Wort suggeriere, dass es bei einem Entscheidungsprozess keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit zur Diskussion und Argumentation gebe. Als Beispiel wird Bundeskanzlerin Angela Merkel angeführt, die die finanziellen Hilfen der Europäischen Union zur Stabilisierung Griechenlands als „alternativlos” begründet hatte. Das Unwort inspiriert zugleich zu einer kleinen Vorschau: Wetten, dass sehr bald eine „Paketlösung” alternativlos sein wird, um Griechenland umzuschulden und die Last der finanziellen Sorgen von Ländern wie Portugal und Spanien zu nehmen?

Sollte es so kommen, wäre das Wort „Paketlösung” zudem ein hübscher Kandidat für das Unwort des noch jungen Jahres 2011. Eine Art „Paketlösung” für Schwierigkeiten mit dem Landesverfassungsgericht könnten 2011 zum Beispiel auch Neuwahlen in Nordrhein-Westfalen sein. Das Gericht mit Sitz in Münster hat per einstweiliger Anordnung den Nachtragshaushalt der rot-grünen Landesregierung für das Jahr 2010 gestoppt. Das ist eine Schlappe für Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und ihre rot-grüne Minderheitsregierung. Für die Opposition ist das einerseits erfreulich, andererseits aber auch nicht. Denn wirklich gut aufgestellt ist die CDU in Nordrhein-Westfalen noch nicht wieder, vom alten Koalitionspartner FDP ganz zu schweigen.

In den Parteizentralen haben nun die Strategen das Wort. Unwahrscheinlicher ist eine weitere Wahl im Super-Landtagswahljahr 2011 durch den Gerichtsentscheid aus Münster jedenfalls nicht geworden. Zunächst hat Ministerpräsidentin Kraft den teilweise gestoppten Nachtragshaushalt aber erst einmal verteidigt, ist ja klar: Die zusätzlichen Schulden von 1,8 Milliarden Euro, vor allem die darin enthaltene Risikovorsorge von 1,3 Milliarden für die angeschlagene West LB, seien „ein Akt der Vernunft”. Aber klingt das wirklich vernünftig?

Die West LB und die Lösung für ihre künftige Struktur, die wegen entsprechender Auflagen aus Brüssel sehr, sehr schnell, nämlich schon bis zum 15. Februar, gefunden werden muss, führt möglicherweise zur nächsten Paketlösung. Wie die aussehen könnte, ist indes noch völlig unklar, auch wenn sich darüber nicht nur hochbezahlte Berater wie die von der Unternehmensberatung McKinsey oder Investmentbanker von Morgan Stanley, sondern auch viele Politiker und Sparkassenfürsten schon seit Monaten den Kopf zerbrechen. Sicher ist: Wenn die West LB im Wortsinne abgewickelt werden muss, wird es für uns Steuerzahler richtig teuer.

Wie wäre es mit Sondersteuern gegen Schlaglöcher – im Paket, sozusagen?

Dann könnte man schon wieder an die nächste Paketlösung denken. Zum Beispiel, um mit weiteren Sondersteuern im Paket gleich auch die durch den harten Winter ruinierten deutschen Straßen zu sanieren. Einen Vorschlag für eine Belastung in der Art hat es Anfang der vergangenen Woche ja auch einmal gegeben. Als wir davon auf der Fahrt im Taxi zwischen Köln und Leverkusen hörten, fand der Kutscher dazu sehr passende, hier nicht zitierfähige Worte.

Viele Abgeordnete des Deutschen Bundestages werden solche Nachrichten inzwischen ohnehin nicht mehr hören, sondern auf ihrem Tabletcomputer mit dem Namen iPad lesen. Dafür haben sie ein Vorbild: Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Kalifornien ein iPad von Arnold Schwarzenegger geschenkt bekommen hatte, nutzt sie es nun regelmäßig im Plenarsaal. Der FDP-Abgeordnete Jimmy Schulz trat als erster mit seinem iPad ans Rednerpult. Das Schöne für die Damen und Herren Abgeordneten ist: Das iPad gilt für sie ganz offiziell als Arbeitsmittel. Die Kosten für das Gerät werden somit von der Bundestagsverwaltung übernommen. Es ist für die Abgeordneten deshalb – kostenlos. So eine Paketlösung ist dann doch einmal richtig erfreulich!

Mist, jetzt sind wir schon wieder bei Apple angekommen. Liebe Leser, bitte nicht zürnen: Wir berichten ja auch über viele andere Technologieunternehmen, auch wenn es auf den ersten Blick manchmal anders aussieht. Wir haben aber nur geringen Anteil daran, dass sich Apple, gemessen am Umsatz, immer näher an einen Branchenriesen wie IBM heranarbeitet. Dafür sorgen Sie. Gleichwohl: An dieser Stelle seien zur ausgleichenden Gerechtigkeit einmal alle Konkurrenzprodukte empfohlen. Apple ist nicht alternativlos. Das musste einmal gesagt werden.

follow me on Twitter