Ad hoc

Das neue Familienmotto der zu Guttenbergs

Das Ende der Ski-Weltmeisterschaft im bayerischen Garmisch-Partenkirchen liegt nun eine Woche zurück, die Tribünen wurden abgebaut, manche Medaillenhoffnung ist zerplatzt. Wer aber das Glück hatte, einen der Wettbewerbe an Ort und Stelle mitverfolgen zu können, wurde nachdenklich: Es ist spannender als im Fernsehen, hautnah zu sehen, wie sehr sich jahrelange Vorbereitung und gewiss auch Vorfreude für den Sportler in einer Abfahrt von vielleicht einer Minute Dauer verdichten – und dann ein paar hundertstel Sekunden über Lob oder Spott entscheiden. Die Spötter müssen allerdings eines wissen: Die Leistung ist authentisch.

Das ist eine wichtige Bemerkung in einer Woche, in der ein Bundesminister aus Bayern trotz einer alles andere als authentischen Leistung zum Teil sogar lauten Beifall des Publikums einheimsen durfte. Vielleicht hätte er genau das machen sollen, was der Alpin-Direktor des Deutschen Skiverbandes seinen Läufern noch vorgeworfen hatte: „Ich hatte den Eindruck, dass alle lieber auf der Rückseite des Berges runtergefahren wären als ins Stadion hinein.” Wir aber haben gelernt, dass ein schneidiger Minister, der etwas auf sich hält, in einer solchen Situation mitten ins Stadion hineinfährt – und sich von seinen Anhängern noch feiern lässt, obwohl in seiner sogenannten Doktorarbeit die meisten Slalomstangen von anderen umfahren worden sind.

Rettung in letzter Minute

Und so gelingt ihm dann die Rettung in letzter Minute. Apropos „letzte Minute”: So wie im Sport verhandeln auch Politiker gerne bis tief in die Nacht, um beim Publikum den Anschein höchster Anstrengung zu vermitteln. Anders als beim Schummelminister gibt es dafür glücklicherweise aber nicht immer Beifall, zum Beispiel, als der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag das Hartz-IV-Kompromisspaket ebenfalls „in letzter Minute” dann doch noch gebilligt hat. Es ist schon erstaunlich, was für ein Gezerre um 5 Euro oder 3 Euro mehr stattgefunden hat oder um die Frage, wer wann welches Geld erhält oder vorstrecken muss.

Am Ende dieser Woche reift deshalb die wenig erbauliche Erkenntnis, dass wir in Deutschland so weit sind, dass die breite Masse Schummeln nicht schlimm findet. Hinzu kommt noch, dass sich die Stimmenfänger in der Politik angesichts der großen Zahl von Leistungsempfängern in der Bevölkerung für Hartz-IV-Regelsätze stärker zu interessieren scheinen als für ehrliche Leistungsträger. So treten selbst viel teurere Schwierigkeiten in den Hintergrund, die es zu lösen gilt, zum Beispiel die Fragen rund um den Euro. Dort gelingt es den Politikern nämlich gerade, im Rahmen von Rettungspaketen, Anleihekäufen und Wirtschaftregierungen die Europäische Union so umzubauen, dass es einem zu Recht die Laune verderben kann.

Axel Weber und das Ende eines Marathonlaufs

Die Laune hatte das vor ein paar Tagen ja auch dem scheidenden Bundesbankpräsidenten Axel Weber verdorben, der als Marathonläufer seinen Lauf an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) leider etwas wehleidig vorzeitig abgebrochen hat. In dieser Woche nutzte er unter anderem einen Termin in Düsseldorf, um nochmals daran zu erinnern, wie gefährlich es sei, wenn die Zentralbank oder der geplante Rettungsfonds Anleihen von Pleitestaaten aufkauften. Auch von Eurobonds, also von Krediten, die alle Eurostaaten gemeinsam aufnehmen, hält Weber nichts. Damit würden sparsame Länder bestraft, falsche Anreize gesetzt. Schade, dass Weber nicht länger für diese anerkennenswerte Haltung gekämpft hat. Hier haben wir leider wieder jemanden, der lieber auf der Rückseite des Berges hinunterfährt. Wie gern hätten wir ihn siegreich im Stadion gesehen.

Doch wollen wir uns nicht verdrießen lassen, sondern hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Dort sehen wir die Computermesse Cebit, die am Montag in Hannover eröffnet wird. Die Messe hat schwere Zeiten hinter sich. Doch jetzt hat der Chef des Branchenverbandes Bitkom in Anlehnung an den Erfolg des Weltwirtschaftsforums in den Schweizer Bergen gesagt, die Cebit sei „das Davos der IT-Branche”. Das klingt zuversichtlich, ist auch irgendwie nicht wahr, aber trotzdem schön. Hoffentlich hat er damit nur nicht das Wetter gemeint. Denn in Davos ist es zur Zeit des Weltwirtschaftsforums meist bitter kalt. Aber es ist ja bald auch Karneval, und so schließen wir, liebe Närrinnen und Narrhallesen, für heute mit dem neuen Familienmotto der zu Guttenbergs: „Es hätt noch immer jot jejange.”

 

follow me on Twitter

Die mobile Version verlassen