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Japan, plus zwei Monate

Das Erdbeben in Japan hat gezeigt, wie eng vernetzt weltumspannende Produktionsprozesse sind: Wenn in Japan ein Werk des deutschen Konzerns Merck steht, das das einzige auf der Welt ist, das bestimmte Lackpigmente herstellt, gibt es ein Problem. Ähnliches gilt für Teile der Autoelektronik, der Festplatten- oder Chipproduktion. Festzuhalten bleibt exakt zwei Monate nach dem Erdbeben aber auch, dass diejenigen unrecht hatten, die mit Sensationslust erhebliche Auswirkungen auch auf die deutsche Produktion bis hin zu Kurzarbeit in der Autoindustrie befürchtet hatten.

Das Erdbeben in Japan hat gezeigt, wie eng vernetzt weltumspannende Produktionsprozesse sind: Wenn in Japan ein Werk des deutschen Konzerns Merck steht, das das einzige auf der Welt ist, das bestimmte Lackpigmente herstellt, gibt es ein Problem. Ähnliches gilt für Teile der Autoelektronik, der Festplatten- oder Chipproduktion. Festzuhalten bleibt exakt zwei Monate nach dem Erdbeben aber auch, dass diejenigen unrecht hatten, die mit Sensationslust erhebliche Auswirkungen auch auf die deutsche Produktion bis hin zu Kurzarbeit in der Autoindustrie befürchtet hatten. Die Wahrheit ist, dass die Auswirkungen überschaubar geblieben sind und dass auch die meisten der beschädigten Fabriken in Japan in diesen Tagen wieder ihre Arbeit aufnehmen. Merck berichtet sogar von „außergewöhnlichen Fortschritten“ beim Wiederaufbau der Infrastruktur. So müssen, zum Beispiel, ein paar Ford-Kunden auf die Lackierung „Electric Weiß Metallic“ etwas länger warten. Doch gibt es wahrhaft Schlimmeres. Und Merck hat gelernt: Bald wird ein zweites Werk die Pigmente produzieren. Die globalen Produktionsprozesse haben ihre Verwundbarkeit, aber auch ihre Widerstandsfähigkeit bewiesen.

Hier die zugehörige Meldung

Die japanische Industrie und damit auch der Autokonzern Toyota kommen in ihren Bemühungen voran, die Produktion nach dem Erdbeben und der Reaktorkatastrophe zu normalisieren. Toyota hat zwar einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“ widersprochen, dank der Stabilisierung der Zulieferung werde die Produktion sogar zwei oder drei Monate früher auf Normalniveau zurückkehren als bisher gedacht. Die positiven Signale sind aber unübersehbar. Man werde versuchen, das normale Produktionsniveau „so schnell wie möglich“ wieder zu erreichen, hieß es von Toyota nach Börsenschluss in Tokio. Zunächst bleibe es aber beim bisher angekündigten Zeitplan, also einer vollständigen Normalisierung bis November oder Dezember. Die japanischen Werke von Toyota laufen schon seit einiger Zeit wieder, allerdings nur mit halber Kraft.

Heilungsprozess in den Zulieferketten

Auch in den Zulieferketten hat ein Heilungsprozess eingesetzt. So produziert der deutsche Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA nun wieder Hochglanz-Autolackpigmente in Japan. Nach Reparaturarbeiten könne im Juni dort wieder die übliche Menge hergestellt werden, teilte der Darmstädter Konzern am Dienstag mit. Die Katastrophe in Japan hatte das einzige Werk von Merck beschädigt, das die Pigmente der Marke „Xirallic“ herstellt. Einige Autokonzerne, die diese Pigmente in verschiedenen Farbtönen nutzen, meldeten daraufhin Engpässe. Das gilt zum Beispiel für Ford und seine Farbe „Electric Weiß Metallic“. Das betroffene Werk von Merck liegt rund 60 Kilometer vom havarierten Atomreaktor Fukushima entfernt. Merck kündigte an, die Pigmente vom Ende dieses Jahres an auch in Deutschland herzustellen. Damit will der Konzern für mehr Liefersicherheit sorgen. Auch das japanische Unternehmen Renesas Electronics, ein wichtiger Chipzulieferer für die Autoindustrie, hat angekündigt, seine Produktion in einer Fabrik nördlich von Tokio am 15. Juni wiederaufnehmen zu wollen. Analysten gehen davon aus, dass der Zeitplan konservativ ist. Das gilt offenbar auch für entsprechende Ankündigungen zahlreicher anderer japanischer Unternehmen – bis hin zu Toyota.

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