Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Retro, die Zeit und das Geld

Die Zeit, die Uhr, sie tickt gleichmäßig, von Moment zu Moment. Aber manchmal ist eben „Retro" in Mode, so wie beim Käfer. Der soll wieder mehr an den ganz alten erinnern, ist aber völlig neu. Und so wie bei der D-Mark. Wer sich die zurückwünscht, muss ebenfalls wissen: Die neue würde nicht die alte sein. Und während das neue Produkt von VW vermutlich ein Erfolg wird, dürfte man daran in Sachen D-Mark Zweifel haben. Damit es erst gar nicht so weit kommt, hat der Chef der Commerzbank einen Vorschlag gemacht: Für das überschuldete Griechenland müsse ein Schuldenschnitt her. „Griechenland braucht eine Umschuldung bis zur teilweisen Entschuldung", schrieb Blessing in dieser Zeitung. Warum nicht gleich so? „Kein demokratisch durchsetzbares Sparpaket wird es dem Land ermöglichen, in absehbarer Zeit an den Kapitalmarkt zurückzukehren und seine Schulden mit Zinsen zurückzuzahlen", fügte Blessing an. Auch die Erkenntnis kommt im Lauf der Zeit etwas spät, aber besser als nie.

Ein Blick ins Lexikon: Der Begriff Retrowelle beschreibt eine Modewelle, deren Inhalt eine rückwärts orientierte Mode ist. Der auch dem Begriff der Retrospektive zugrunde liegende Ausdruck „Retro“ kennzeichnet sich an ältere Traditionen oder Merkmale anknüpfende Erscheinungen.

Für Isaac Newton bilden die Zeit und der Raum die „Behälter“ für Ereignisse, sie sind für ihn ebenso real und mit Eigenschaften ausgezeichnet wie die Objekte. Er definierte die Zeit mit den Worten: „Zeit ist, und sie tickt gleichmäßig von Moment zu Moment.“ Im Gegensatz dazu hat Leibniz behauptet, dass Zeit und Raum nur gedankliche Konstruktionen sind, um die Beziehungen zwischen Ereignissen zu beschreiben. Aus seiner Sicht gibt es kein „Wesen“ und keinen Fluss der Zeit. Innerhalb der Wissenschaft hat sich Newtons Auffassung durchgesetzt. Jetzt klicken wir das Lexikon wieder weg.

Der Käfer kommt zurück

Der Käfer kommt zurück. Offiziell läuft die Neuauflage des großen Klassikers unter den Fahrzeugen des VW-Konzerns zwar unter dem Namen „Beetle“, also nicht mehr unter „New Beetle“. Aber wer möchte, kann sich stattdessen den Namenszug „Käfer“ am Heck anbringen lassen. Das ist Teil der VW-Strategie, wieder mehr Emotionen zu wecken und mit allerlei Reminiszenzen – wie auch einem angedeuteten Trittbrett an den Flanken – an den legendären Ur-Käfer zu erinnern.

Sie sind schon lange aus allen Köpfen und Geldbeuteln verschwunden: die alten D-Mark-Scheine und -Münzen. Ausgegeben oder eingetauscht sind sie jedoch noch nicht alle. Zumindest nicht in Karlsfeld bei Dachau in Bayern – dort kamen die längst vergessenen alten Scheine vor ein paar Tagen wieder zum Einsatz: dieser lila Schein zum Beispiel, auf dem der Mathematiker Gauß zu sehen ist. Der alte Zehner eben, aber auch alte Zwanziger, Fünfziger und Hunderter. Die Händler auf dem Siedlerfest haben sie alle angenommen und das Wechselgeld in Euro herausgegeben. Viele, berichtete der „Münchner Merkur“ fanden es „irgendwie schön“, das alte Zahlungsmittel wieder einmal in Händen zu halten.

Besser spät als nie

Die Zeit, die Uhr, sie tickt gleichmäßig, von Moment zu Moment. Aber manchmal ist eben „Retro“ in Mode, so wie beim Käfer. Der soll wieder mehr an den ganz alten erinnern, ist aber völlig neu. Und so wie bei der D-Mark. Wer sich die zurückwünscht, muss ebenfalls wissen: Die neue würde nicht die alte sein. Und während das neue Produkt von VW vermutlich ein Erfolg wird, dürfte man daran in Sachen D-Mark Zweifel haben. Damit es erst gar nicht so weit kommt, hat der Chef der Commerzbank einen Vorschlag gemacht: Für das überschuldete Griechenland müsse ein Schuldenschnitt her. „Griechenland braucht eine Umschuldung bis zur teilweisen Entschuldung“, schrieb Blessing in dieser Zeitung. Warum nicht gleich so? „Kein demokratisch durchsetzbares Sparpaket wird es dem Land ermöglichen, in absehbarer Zeit an den Kapitalmarkt zurückzukehren und seine Schulden mit Zinsen zurückzuzahlen“, fügte Blessing an. Auch die Erkenntnis kommt im Lauf der Zeit etwas spät, aber besser als nie.

Mit dem Lauf der Zeit ist es ja ohnehin so eine Sache. Der sehr geschätzte Kollege, ein wahrer Europa-Fan, sagt immer, die Zeit weise nur nach vorn. Er würde sich niemals einen Retro-Käfer kaufen, und er findet den Euro und die Kanzlerin toll. Andererseits: Manchmal holt einen eben auch die Vergangenheit ein. Wenn man über seine Verhältnisse gelebt hat, wie Griechenland zum Beispiel. Oder wenn man seine Rechnungen nicht bezahlt, wie zum Beispiel der Staat Thailand, der dem insolventen Baukonzern Walter Bau noch immer Geld schuldet. Dann kann es passieren, dass der Insolvenzverwalter auf dem Flughafen München das Flugzeug des thailändischen Kronprinzen beschlagnahmen lässt. Das ist gut so, denn schon Kinder sollen schließlich lernen, dass ein falsches Verhalten zu Konsequenzen führt. Auch das hat etwas mit Gegenwart und Zukunft zu tun.

Selbst wenn die Uhr tick, tick macht, die Verantwortung bleibt. So ist das in Griechenland, auch in Irland, in Portugal, in Italien. Natürlich gilt das auch in Thailand und selbstverständlich in Deutschland. Man muss die Folgen seines Handels spüren und die richtigen Konsequenzen daraus ziehen. Aber deshalb muss man sich ja nicht gleich „Käfer“ an den neuen Beetle schreiben oder wieder mit der guten alten D-Mark zahlen wollen.

 

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