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Obamas Geburtstag: Ein Downgrade und Käse aus der Schweiz

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Das war keine gute Woche. Selbst die Schweizer Käseproduzenten bekommen die Stärke des Frankens zu spüren. Während die Exporte aus der Schweiz im ersten Halbjahr 2011 gegenüber dem Vorjahr sanken, stiegen die Importe von ausländischem Käse an. Mozzarella und Parmesan werden in der Schweiz immer beliebter. Jetzt sieht auch Obama alt aus, feiert Geburtstag - und bekommt von einer Ratingagentur ein Downgrade geschenkt.

Das war keine gute Woche. Selbst die Schweizer Käseproduzenten bekommen die Stärke des Frankens zu spüren. Während die Exporte aus der Schweiz im ersten Halbjahr 2011 gegenüber dem Vorjahr sanken, stiegen die Importe von ausländischem Käse an. Mozzarella und Parmesan werden in der Schweiz immer beliebter. Den größten Rückschlag verzeichnen die Exporte des meistverkauften Schweizer Käses, des Emmentaler: Zwischen Januar und Juni 2011 wurden nur 7548 Tonnen Emmentaler ins Ausland verkauft – das sind mehr als 17 Prozent weniger als in derselben Zeitspanne des Vorjahres.

So ein Käse

So ein Käse, mag man da denken. Aber weit gefehlt: Der Käsehandel gibt tiefe Einblicke in Zusammenhänge der Wirtschaft. Denn der Emmentaler leidet besonders unter dem starken Franken, weil es auf der Welt sehr viele Imitationen gibt. Merke: Wenn ein Produkt kaum durch ein anderes zu ersetzen ist, fällt das Wechselkursrisiko geringer aus. Eine weitere Lehre der Geschichte: Wenn europäische und amerikanische Politiker das Management der überbordenden Schulden ihrer Länder nicht in den Griff bekommen, kann es sein, das auch der kleinste Schweizer Bergbauer die Folgen davon spürt.

Deshalb lohnt es sich für jedermann, darauf zu achten, wie der amerikanische Präsident Barack Obama zu Beginn der Woche aussah. Eigentlich hatten sich die Politiker endlich auf eine Lösung zur Bewältigung der unmittelbar bevorstehenden Finanzierungsschwierigkeiten ihres Landes geeinigt und die Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten abgewendet. Obama aber wirkte danach müde und abgekämpft. Er ist grau geworden und hat sein Lächeln verloren. Zur Feier seines Geburtstages am Donnerstag verloren denn auch die Aktien an der Wall Street in einem Ausmaß an Wert wie lange nicht mehr. Dabei hatte Obama doch Hoffnung und Wandel versprochen. Die Realität hat ihn auf furchtbare Weise eingeholt.

Was aber ist die Realität?

Was aber ist die Realität? Obwohl man weiß, dass es den meisten Unternehmen derzeit blendend geht und deutsche Hersteller von Industriegütern an ihrer Kapazitätsgrenze arbeiten, befürchtet die Börse derzeit offenbar den Sturz ins Bodenlose, ein Szenario, in dem jemand über Nacht das Licht ausmacht, also die Weltrezession. Wer mit deutschen Unternehmern redet, kann sich nicht vorstellen, dass das so kommt. Aber die Ereignisse der vergangenen Jahre bringen auch den größten Optimisten in Bedrängnis.

Schön ist es deshalb, dass viele Deutsche den tiefen Fall an der Börse wenigstens gelassen aus dem verdienten Urlaub verfolgen können. Die meisten von ihnen haben sowieso keine Aktien, und die Ferien gehen erst an diesem Wochenende in den ersten Bundesländern zu Ende. Für Hin- oder Rückflug in den Urlaub brauchen sie zunächst auch keinen Streik der Fluglotsen mehr zu fürchten. Und bald werden wir noch günstiger mobil. Wer nur zwischen deutschen Städten hin und her reist, soll in Zukunft neben der Bahn, dem Flugzeug und dem Auto auch mit einem billigen Fernbus fahren dürfen. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch nämlich eine weitgehende Freigabe des innerdeutschen Linienverkehrs beschlossen, der seit rund 70 Jahren (!) streng beschränkt ist. Und das sind dann doch zwei gute Nachrichten.

Planlose Politiker

Wir befreien den Markt für Fernbusreisen von seinen Fesseln“, sagte Verkehrsminister Peter Ramsauer entfesselt. Allerdings müssen sich Reisende noch gedulden. Zwar soll das Gesetz im kommenden Jahr in Kraft treten. Ramsauer rechnet jedoch damit, dass der Fernbusmarkt erst 2016 in Schwung kommt. Nicht lachen: Ramsauer ist damit endlich mal ein Politiker mit einer Aussage, die länger hält als zwei Wochen. Das ist in Brüssel anders. Ein Rettungspaket, das vor ein paar Tagen noch weit in die Zukunft tragen sollte, wird vom EU-Kommissionspräsidenten schon wieder in Frage gestellt.

Liebe Politiker, lasst die Menschen in den Fabriken doch einfach in Ruhe die Fernbusse der Zukunft bauen, sagt ihnen die Wahrheit, wie es um die Finanzen bestellt ist und was man zur Lösung der Schwierigkeiten einerseits sparen und andererseits bezahlen muss. Aber bitte sorgt endlich für Klarheit, auch wenn die Medizin bitter schmecken könnte. Ihr verliert vielleicht nur die nächste Wahl, die Welt hat mehr zu verlieren. Wie gesagt, die Woche war nicht gut. Selbst der mächtigste Mann der Welt hat in den Schulden seinen Meister gefunden. Happy Birthday, sagte auch die Ratingagentur Standard & Poor’s kurz danach, und stufte das langfristige Kreditrating der Vereinigten Staaten ganz trocken von AAA auf AA-plus herunter.

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1 Lesermeinung

  1. Gute Frage: Was aber ist die...
    Gute Frage: Was aber ist die Realität? Da könnte man ins Philosophische abschweifen; dazu reicht der Platz hier nicht. Wenn man sich die Realität in Spanien anschaut bis hinein in den banalsten Alltag und mit der vor 4 oder 5 Jahren vergleicht, wundert man sich, daß Sra. Delgado y Sr. Zapatero noch so kühn, keck und optimistisch auftreten können und das Land nicht längst international so dargestellt wird, wie es ausschaut (bis ins kleinste Detail). Die Deutschen, denen’s so gut geht, urlauben mit Vorliebe hier; vielleicht bringt das die Wende. Ja, was ist nun mit der Realität?

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