Ad hoc

Die besseren Schuldner

Man sollte zwar nicht übertreiben: Unternehmen werden schon allein mangels Masse mit ihren Anleihen nicht zur umfassenden Anleihealternative für die Schuldpapiere von Staaten werden. Aber die Staaten, die derzeit ihre Schuldenprobleme nicht in den Griff bekommen, müssen wissen, dass ihnen in Unternehmen, die sich höchster Bonitätsnoten erfreuen, ein harter Wettbewerber um günstiges Kapital erwachsen kann. Deshalb ist es durchaus von Brisanz, wenn die Ratingagentur Standard & Poor’s die entsprechenden Einstufungen und Ausblicke der besten Anleiheemittenten der amerikanischen Unternehmenswelt soeben bestätigt hat und sie damit zum Teil für sicherer hält als die Vereinigten Staaten selbst. Für Finanzvorstände ist hier eine spannende Botschaft versteckt: Für Unternehmen, die als finanziell solide eingeschätzt werden, könnte es gerade jetzt interessanter werden, größere Anleihen aufzulegen und sich so noch immer vergleichsweise niedrige Zinsen zu sichern. Denn wer weiß, was sich die Finanzminister der Staaten künftig in Sachen Inflation noch einfallen lassen. Wenn Geld schnell weniger wert ist, steigen auch die Zinsen, aber alte Schulden tragen sich so noch schneller ab.

Hier die zugehörige Meldung:

Die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s hat Ende der vergangenen Woche zwar die Bonitätsnote der Vereinigten Staaten heruntergestuft, die Kreditwürdigkeit führender Unternehmen des Landes wird von den Analysten von S&P deshalb aber ausdrücklich nicht angetastet: „Die Herabstufung wird auf die Bonitätsnoten oder den Ausblick unserer Krediteinschätzungen unserer sechs am höchsten bewerteten amerikanischen Unternehmen keine Auswirkungen haben”, heißt es in einer Pressemitteilung, die die Ratingagentur am Montagabend verschickt hat.

Dabei handelt es sich um Automatic Data Processing, einen Verarbeiter elektronischer Personaldaten (mit einem AAA-Rating und stabilem Ausblick), um den Ölkonzern Exxon Mobil (AAA, stabil), das Gesundheitsunternehmen Johnson & Johnson (AAA, stabil), den Softwarekonzern Microsoft (AAA, stabil), den Mischkonzern und Siemens-Wettbewerber General Electric (AA+, stabil) sowie um W.W. Grainger (AA+, stabil), einen in Deutschland völlig unbekannten großen Händler für Verbrauchsgüter, die in Handwerk und Industrie eingesetzt werden.

Diese Einschätzung der Analysten von Standard & Poor’s ist auch deshalb von Bedeutung, weil immer mehr Fachleute Unternehmensanleihen zumindest für einen Teil der Gelder als Anlagealternative sehen, die künftig nicht mehr in den Anleihen von Staaten investiert werden sollen oder können, die mit Schuldenproblemen zu kämpfen haben.

Nach der Ansicht von Standard & Poor’s wären die genannten Unternehmen jedenfalls auch dann dazu in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen, wenn sich die finanzielle Situation der Vereinigten Staaten von Amerika weiter verschlechtern sollte. Dabei sind zum Beispiel Wechselkursverschiebungen berücksichtigt, aber auch Kreditverknappungen, höhere Steuern bis hin zu verspäteten oder ausfallenden Zahlungen der öffentlichen Hand, eine härtere Regulierung, Inflation und steigende Zinsen. Darunter hätten Unternehmen mit einer starken Abhängigkeit vom Inlandsmarkt besonders zu leiden, nicht aber solche mit einer hohen Exportquote.

ADP und W.W. Grainger besäßen eine solch hohe Exportquote zwar nicht, erfreuten sich aber einer breit diversifizierten Kundenbasis und seien nicht stark von der öffentlichen Hand abhängig. Für Microsoft, General Electric, Johnson & Johnson und Exxon Mobil sprächen hingegen der hohe und stetige Mittelzufluss (Cashflow), die breite Diversifizierung, die lange und stetige Gewinnhistorie sowie die hohe Liquidität.

 

follow me on Twitter

Die mobile Version verlassen