Ad hoc

Wie Apple und Google zu Gegnern wurden

Der neue große Wettbewerber von Apple kommt ebenfalls aus dem kalifornischen Silicon Valley. Er heißt Google – und das nicht wegen der Internetsuchmaschine, die das Unternehmen weltbekannt gemacht hat, sondern wegen seiner Betriebssysteme für internetfähige Smartphones, für Tabletcomputer und seit einiger Zeit auch für Notebooks. Das war schon vor der soeben bekanntgegebenen Übernahme der Mobilfunkaktivitäten von Motorola klar. Aber diese Milliardentransaktion setzt hinter die Auseinandersetzung der beiden amerikanischen Hightech-Schwergewichte ein deutliches Ausrufezeichen. Der frühere Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt jedenfalls hat das Aufsichtsgremium von Apple, den Verwaltungsrat, in dem er bis dahin einen Sitz hatte, wegen der zunehmenden Konkurrenz unter den beiden Unternehmen schon vor fast genau zwei Jahren verlassen.

Schmidt hatte seit August 2006 im Verwaltungsrat von Apple gesessen – und war damit sowohl an Unternehmensentscheidungen von Apple als auch von Google beteiligt. Das war drei Jahre später, im Sommer 2009, nicht mehr tragbar: Überschneidungen in der Produktpalette, insbesondere der Internetbrowser Google Chrome und das Betriebssystem für mobile Endgeräte mit dem Namen Android, würden immer stärker in die Produktbereiche von Apple eindringen, hieß es damals. Eric Schmidt habe während der Sitzungen des Verwaltungsrats immer häufiger den Raum verlassen müssen, um mögliche Interessenskonflikte zu vermeiden, wurde der Apple-Chef Steve Jobs in der entsprechenden Pressemitteilung zitiert.

Der Keim für das Konkurrenzverhältnis wurde 2005 gelegt

Gelegt wurde der Keim für das Konkurrenzverhältnis, das in den folgenden Jahren immer brisanter werden sollte, sogar schon 2005. Es hat mit einem viel unbekannteren Vertreter der IT-Branche zu tun, als es Schmidt und Jobs sind – und auch mit dem Unternehmen Microsoft, das diesen Mann ziehen ließ und in seiner eigenen Handy-Sparte nun selbst Schwierigkeiten hat: Denn einer der Väter von Android ist der ehemalige Microsoft-Mitarbeiter Andy Rubin. Er hat nach seinem Ausscheiden bei Microsoft das Unternehmen mit dem Namen eines Roboters, der einem Menschen täuschend ähnlich sieht, gegründet. Und dieses Unternehmen Android wurde im Jahr 2005 von Google gekauft.

Dort ist Rubin heute Senior Vice President of Mobile. Er sorgte dafür, dass auch freie Programmierer, die nicht an ein Unternehmen gebunden sind, am Android-Betriebssystem arbeiten konnten, und ersann so einen Gegenentwurf zu den Programmen seines alten Arbeitgebers, der seine Entwicklungen im Kern abschottet, so gut es geht. „Wenn es keine vom Hardware-Hersteller unabhängige Software gibt, wird der Kunde nicht optimal bedient”, sagt Rubin zur Begründung. „Mit Android wollen wir verhindern, dass es dort etwas wie auf dem PC-Markt gibt, nämlich ein Monopol.” Und das war schon damals, jedenfalls auch, gegen das geschlossene System von Apple gerichtet.

Und dann kam das iPhone

Denn als Steve Jobs am 10. Januar 2007 in San Francisco das erste iPhone vorstellte, begründete er damit eine neue Ära des mobilen Telefonierens. Der überbordende Erfolg dieses Geräts ist heute die Begründung nicht nur für den Kauf von Motorola Mobility durch Google, sondern auch für die Partnerschaft von Microsoft und Nokia. Das iPhone stellte in den kommenden Jahren alles auf den Kopf, was in den Jahren zuvor die Handybranche definiert hatte. Der berührungsempfindliche Bildschirm ersetzte die Tastatur; heute wissen Kinder mit Tasten an einem Mobiltelefon praktisch nichts mehr anzufangen. Zugleich wurde das Telefon zur mobilen Zentrale digitaler Unterhaltung, für Musik, für Videos, für Nachrichten aus dem Internet.

„Wir werden das Telefon neu erfinden”, versprach Jobs im Januar 2007. Und er sollte auch mit dieser Aussage recht behalten: „Wir werden heute Geschichte schreiben”, hatte Jobs schon zum Auftakt seiner Rede angekündigt. Und Google-Chef Eric Schmidt lobte das iPhone-Konzept zu seiner Einführung als Erstling in einer „brandneuen Generation von Datendiensten”. Erst heute bekommt man Schritt für Schritt einen Eindruck davon, was ihm damals mit Blick auf Googles Antwort darauf noch so alles durch den Kopf gegangen sein dürfte.

Weiteres Augenmerk der Apple-Wettbewerber bis hin zu Google sollte von März 2008 an eine weitere Neueinführung von Apple auf sich ziehen: Der App Store, ein Verkaufsportal für Computerprogramme, die ausschließlich auf Apple-Computern sowie den mobilen Geräten von Apple laufen. Die im App Store erhältlichen Programme und die damit verbundenen Umsätze lassen die Konkurrenz weiter hinter sich. Inzwischen kann es sich kaum ein namhaftes Unternehmen mehr leisten, seine Produkt- oder Markenwelt nicht auch über eine eigene App zu vermarkten. Bis Mitte 2011 werden mehr als 15 Milliarden Apps aus dem App Store von den weltweit mehr als 200 Millionen iPhone-, iPad- und iPod-touch-Anwendern heruntergeladen. Zu dem Zeitpunkt bietet der App Store mehr als 425 000 Apps an. „In gerade einmal drei Jahren ist der revolutionäre App Store zum aufregendsten und erfolgreichsten Marktplatz für Software geworden, den die Welt je gesehen hat”, begeistert sich Philip Schiller, Senior Vice President Worldwide Product Marketing von Apple. Stolz vermeldet Apple auch, bis Juli 2011 mehr als 2,5 Milliarden Dollar an Einnahmen an die jeweiligen App-Entwickler ausbezahlt zu haben. Apps sind ein weiterer Grund für den Erfolg von iPhone, iPad & Co. Und der einzige relevante Wettbewerber heißt auch beim App Store nicht etwa Nokia, Microsoft oder RIM. Er heißt Google.

follow me on Twitter

Neues Buch: Big Apple – Das Vermächtnis des Steve Jobs 

Die mobile Version verlassen