Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Unternehmen: Forschen mit dem Staat

Industrieverbände und sonstige Interessenvertretungen des freien Unternehmertums rufen häufig danach, dass der deutsche Staat seine Forschungsförderung verbessern müsste. Andere Länder, zumal in Asien, täten viel mehr oder besseres, um ihre Wirtschaft fit für die Zukunft zu machen. Innovationen und staatliche Förderung schlössen sich aus dieser Sicht nicht aus, sondern ergänzten sich perfekt. Darüber kann man lange streiten; doch in jedem Fall gilt, dass es schön wäre, würden die Deutschen bei neuen Technologien nicht immer nur die Risiken betonen.

Industrieverbände und sonstige Interessenvertretungen des freien Unternehmertums rufen häufig danach, dass der deutsche Staat seine Forschungsförderung verbessern müsste. Andere Länder, zumal in Asien, täten viel mehr oder besseres, um ihre Wirtschaft fit für die Zukunft zu machen. Innovationen und staatliche Förderung schlössen sich aus dieser Sicht nicht aus, sondern ergänzten sich perfekt. Darüber kann man lange streiten; doch in jedem Fall gilt, dass es schön wäre, würden die Deutschen bei neuen Technologien nicht immer nur die Risiken betonen.

Auf den ersten Blick macht Deutschland ohnehin sehr viel mehr, als von den Lobbyisten suggeriert wird. Neue Maschinen oder Produktionsstätten werden gefördert, was das Zeug hält: Insgesamt unterstützt die öffentliche Hand Unternehmen mit rund 150 Milliarden Euro jährlich. Auf die reine Forschungsförderung entfällt von dieser sehr großen Summe zwar nur ein kleiner Teil, aber immerhin: Nach Angaben des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft flossen so in den vergangenen 30 Jahren jeweils rund 2 bis 3 Milliarden Euro in die Forschungsabteilungen der deutschen Wirtschaft.

Debatte über die richtige Forschungsförderung

Wahr ist allerdings auch, dass es in Deutschland schon lange eine Debatte gibt, ob man diese Art der Forschungsförderung nicht von einem System direkter, projektgebundener Zahlungen auf eine grundsätzliche steuerliche Förderung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) von Unternehmen umstellen sollte. Sie könnte zum Beispiel so ausgestaltet werden, dass der Fiskus den Unternehmen einen Teil ihrer Forschungsaufwendungen als Steuergutschrift erstattet. Die Argumentation lautet, dass dadurch zusätzliche Forschung in den Unternehmen angeregt würde, und zwar unbürokratisch und – im Unterschied zur Projektförderung – ohne den Unternehmen Vorgaben zu machen.

Die steuerliche F&E-Förderung sei auch ordnungspolitisch sauberer, denn sie bediene keine bestimmte Klientel, wird argumentiert. Die Erfahrungen anderer Länder zeigten, dass die steuerliche Forschungsförderung im Durchschnitt fast eins zu eins in zusätzliche F&E-Ausgaben der Unternehmen fließe. Außerdem steige durch die höheren Forschungsausgaben auch die Zahl der Patentanmeldungen. Im Koalitionsvertrag von CDU und FDP ist auch das Ziel vermerkt, die Forschungsförderung in dieser Form umzugestalten, doch geschehen ist bisher nichts.

Der Blick auf das bestehende System 

So lohnt der Blick auf das bestehende Fördersystem nach wie vor. Dessen Spektrum reicht vom Weltklima über die Kultur bis zu den Nanopartikeln. Die Ziele dieser Programme sind oft so weit gefasst, dass man staunt, wer alles von den Zuwendungen profitiert. Dabei kommt es zu interessanten Entwicklungen: Denn auch höchste Gewinne bewahren Unternehmen natürlich nicht davor, öffentliche Fördertöpfe anzuzapfen. Die Aktionäre dürfen das von ihnen verlangen; der Steuerzahler darf sich grämen.

Nehmen wir das Beispiel der Autokonzerne: Von den vier Herstellern mit dem höchsten Gewinn in der Welt kamen im ersten Quartal 2012 drei aus Deutschland. Dennoch bedienen sich die Autokonzerne gern aus der staatlichen Kasse. Schließlich hat die Bundesregierung ihre Fördermittel für die Entwicklung der Antriebs-, Batterie- und Ladetechnik für Elektroautos in den Jahren 2012 und 2013 auf 1 Milliarde Euro verdoppelt. Und die Mittel wollen abgeholt werden. 

BMW zum Beispiel hat etliche Millionen Euro an Fördergeldern für die „Erforschung und Erprobung neuer Fahrzeugkonzepte zur Elektromobilität“ erhalten. So nachzulesen im Bericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Dort lassen sich auch Angaben für alle anderen namhaften Hersteller finden. Fachleute, die sich im Dschungel der Subventionsbürokratie auskennen, haben Hochkonjunktur. Kein Wunder: Denn wer für sein Unternehmen Forschungshilfen abzweigen will, muss sich zurechtfinden können im Kompetenz-Wirrwarr zwischen Forschungs-, Umwelt-, Verkehrs- und Wirtschaftsministerium. Insofern wäre eine pauschale steuerliche Förderung tatsächlich einfacher.

Was lässt die Haut altern?

Und nicht nur in der Autoindustrie wird mit staatlicher Hilfe geforscht: Beiersdorf zum Beispiel, der Hersteller von Nivea, will subventioniert herausfinden, was die Haut altern lässt. Die Forscher setzen deshalb Tausende Zellen dieser Belastung aus; 40 junge und alte Testpersonen haben dafür ein winziges Stückchen ihrer Haut gespendet. Aus den unterschiedlichen Reaktionen der Körperbausteine wollen die Wissenschaftler ablesen, warum junge Haut rosig und straff bleibt, während alte Haut schlaff und faltig wird. Diese Erkenntnis soll in die Entwicklung verjüngender Cremes und Salben eingehen – in Produkte also, die in einer alternden Gesellschaft immer mehr gefragt sind. 

Für zwei Forschungsprojekte, die sich mit der Hautalterung befassen, fließen jeweils eine knappe Million Euro Fördermittel. Beide Projekte verfolgt der Nivea-Konzern im Verbund mit anderen Unternehmen. Auch mehrere Universitäten sind mit an Bord. Insgesamt gibt Beiersdorf rund 5 Millionen Euro dafür aus. 60 Prozent davon zahlt das Unternehmen aus eigener Kasse. Während Forschungsinstitute eine hundertprozentige Förderquote erhalten, bekommen die Unternehmen grundsätzlich maximal 50 Prozent.

Bei Beiersdorf räumt man ein, dass man auch ohne Fördermittel untersuchen würde, was die Haut altern lässt: „Aber dann würden wir die Ergebnisse nur für unsere Produkte verwenden und nicht öffentlich zugänglich machen“, heißt es. Vereinbart sei, dass die Fachleute von Beiersdorf ihre wichtigsten Erkenntnisse nach dem Ende der Laufzeit im Dezember 2013 in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlichen. Zudem treffen sich die Vertreter der beteiligten Unternehmen und Universitäten regelmäßig, um Ergebnisse auszutauschen.

Und der Fiskalpakt?

Ob das auch im Rahmen einer pauschalen steuerlichen Forschungsförderung geschehen würde, ist die Frage – und natürlich auch, ob Forschung, so faszinierend sie seien kann, überhaupt öffentlich gefördert werden muss. Gerade dieser Punkt dürfte, soll künftig der Fiskalpakt eingehalten werden, noch sehr viel wichtiger werden.