Ad hoc

Multinationale Konzerne – und die ganz legalen Steuertricks

Über solche Zahlen regt sich mancher Europäer zu Recht auf: Für sein im vergangenen September beendetes Geschäftsjahr hat der Elektronikkonzern Apple einen Steuersatz von nur 1,9 Prozent auf den außerhalb der Vereinigten Staaten erzielten Gewinn gezahlt. In Amerika selbst tut Apple bis hin zu ein paar legalen Buchungstricks zwar alles, um die insgesamt ausgewiesene Steuerquote nicht allzu niedrig aussehen zu lassen. Doch dürften die Berechnungen von Analysten stimmen, dass der Konzern dem amerikanischen Fiskus Milliardenbeträge entzieht, weil Gewinne im Ausland liegen bleiben. Mit solchen Strategien steht Apple nicht allein. Andere Vorzeigekonzerne der Informationstechnologie wie Microsoft oder Google spielen dieses Spiel mit, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Zudem ist das Verhalten der Konzerne legal; genutzt wird das Steuerrecht der Länder, in denen die Unternehmen tätig sind – und das in einer eleganten Kombination. Apple & Co. müssen aber unbedingt damit anfangen, das berechtigte Interesse ihrer Aktionäre, den Gewinn nach Steuern zu maximieren, besser mit dem Anspruch auszubalancieren, als Unternehmen gesellschaftlich akzeptiert zu sein. Hier ist das Pendel zu sehr in eine Richtung ausgeschlagen. Und Politiker außerhalb Deutschlands, die diese Unternehmen angreifen und zugleich Steuergesetze erlassen, die genau solche kritisierten Verhaltensweisen fördern, sollten ihre Doppelzüngigkeit überdenken. Dass bessere Steuergesetze wirken können, zeigt sich in Deutschland: Denn hierzulande wurde der reinen Gewinnverlagerung, wie sie von Apple, Google und anderen praktiziert wird, ein Riegel vorgeschoben. Das Instrument heißt Außensteuerrecht, und es verhindert, dass Briefkastenunternehmen zur Steueroptimierung taugen. Es schützt zwar nicht vor allen Tricks, ist aber viel besser als das amerikanische System.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop

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