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Pharmakonzern Sanofi beendet ein frustrierendes Quartal, aber es gibt Hoffnung

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Was der Ablauf von Patenten für einen Pharmakonzern bedeuten kann, zeigt Sanofi eindrucksvoll. Der Nettogewinn ist im Sturzflug. Aber der Chef glaubt an neue Pillen, Impfstoffe und Nasensprays.

Der französische Pharmakonzern Sanofi SA hat nach einem unerwartet schwachen zweiten Quartal seine Prognose für das Gesamtjahr gesenkt. „Es war ein frustrierendes Quartal“, sagte der Sanofi-Vorstandsvorsitzende Christopher Viehbacher in Paris. Angesichts der Entwicklung in der ersten Jahreshälfte könne man nicht länger an der Zielsetzung für 2013 festhalten: Patentverluste, Währungseffekte und die Abschreibung von Lagerbeständen hätten dem Gewinn stärker als erwartet zugesetzt.

Für das Gesamtjahr geht Viehbacher nun von einem Gewinn aus, der 7 bis 10 Prozent geringer sein werde als 2012. Bislang hatte Sanofi erwartet, dass er unverändert oder höchstens 5 Prozent schlechter ausfallen werde. Der Kurs der Sanofi-Aktie gab daraufhin im Handelsverlauf am Donnerstag um mehr als 6 Prozent nach und erholte sich danach nur etwas. Der Nettogewinn, der bestimmte Sondereffekte wie Kosten für Rechtsstreitigkeiten ausklammert, sank im jüngsten Quartal um 23,4 Prozent auf 1,475 Milliarden Euro, was erheblich unter den Erwartungen der Analysten lag. Der Umsatz ging knapp 10 Prozent auf exakt 8 Milliarden Euro zurück. Hier wirkte sich unter anderem der Ablauf des Patentes für den Blutverdünner Plavix aus, der früher ein Kassenschlager war.

Mit vergleichbaren Schwierigkeiten sind aber auch noch diverse andere etablierte Medikamente von Sanofi konfrontiert. Hinzu kommen die Sparmaßnahmen in den Gesundheitssystemen in Europa und den Vereinigten Staaten. Nicht zuletzt drückten unerwartet hohe Lagerbestände in Brasilien den Umsatz um weitere 122 Millionen Euro und erzwangen eine Abschreibung von 79 Millionen Euro. In der Zeitspanne von März bis Juni ermäßigte sich der Konzerngewinn daher auf 444 Millionen Euro gegenüber 1,15 Milliarden Euro im Vorjahr. Man gehe aber davon aus, im zweiten Halbjahr zum Wachstum zurückzukehren, sagte Viehbacher. Dann sollen sich die vielfachen Belastungen aus dem Auslaufen von Patenten abschwächen, vor allem aber neue Produkte Geld in die Kasse bringen. Die künftigen Wachstumstreiber sollen in den Bereichen Diabetes und Impfstoffe sowie der Biotechnologie-Tochtergesellschaft Genzyme liegen, die ihren Umsatz im vergangenen Quartal allein um 25,6 Prozent auf 525 Millionen Dollar steigern konnte.

Viehbacher sucht nach neuen Wachstumsquellen 

Viehbacher ist seit 2008 im Amt und hat den Aufbau ebendieser neuen Geschäftsfelder vorangetrieben. Aus diesem Grund kaufte Sanofi Genzyme für 20 Milliarden Dollar und baute die Bereiche der nichtverschreibungspflichtigen Präparate, Tiergesundheit und Diabetes aus. Parallel wurde das Geschäft restrukturiert. Sanofi hat inzwischen auch die Hälfte des auf vier Jahre angelegten Kostensenkungsprogramms im Volumen von 2 Milliarden Euro hinter sich gebracht.

Mit der Vorlage der Zahlen gab der Konzern auch bekannt, dass eines seiner elf Büros in China von den Behörden besucht worden sei. Dies stehe im Zusammenhang mit den Ermittlungen in einem Bestechungsfall beim britischen Wettbewerber Glaxo Smith Kline und anderen westlichen Pharmakonzernen. „Wir wissen nicht wirklich, was der Grund für den Besuch ist“, sagte Viehbacher. Die Behörden hätten keinen Kontakt zu der chinesischen Zentrale von Sanofi in Schanghai aufgenommen. Eine gute Nachricht gab es allerdings auch: So kann Sanofi wahrscheinlich bald mit seinem Steroid-Nasenspray Nasacort mehr Geld verdienen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA steht kurz davor, dieses Mittel als nicht mehr verschreibungspflichtig einzustufen. Diese Art von Nasensprays sind Arzneimittel, die oft verwendet werden, um Allergien der Nase, wie Heuschnupfen zu behandeln. Nach Angaben der Marktforscher von IMS Health ist der Markt in den Vereinigten Staaten für diese Art von Nasensprays sehr groß: 2012 wurden für rund 2 Milliarden Dollar Steroid-Nasensprays abgesetzt.

Im Saldo war das nichts

Gleichwohl: Im Saldo war das gar nichts. Der Vorstandsvorsitzende Viehbacher bemüht sich seit Jahren um Produktnachschub, und die Anleger an der Börse haben das seither im Prinzip auch goutiert. Der Rückschlag im Hochsommer sollte allerdings nun auch nicht zu viele Hitzewallungen an der Börse hervorrufen. Denn die grundsätzliche Richtung stimmt weiterhin. Neue Produkte kommen; der teure Biotechnologiezukauf Genzyme entwickelt sich gut. Und nicht zuletzt entfallen bald die bedrückenden Quartale, in denen sich Umsatz und Ergebnis mit Zeiten vergleichen lassen müssen, in denen die etablierten Medikamente noch unter Patentschutz standen. Gleichwohl sind die Zeiten für die Sanofi-Aktionäre kapriziöser geworden: Sie müssen die Fortschritte in der Produktpipeline so genau im Auge behalten wie nie zuvor. Ruhig schlafen lässt sie derzeit nur das Geschäft mit Diabetes-Medikamenten: Aus Frankfurt-Höchst kommt mit Lantus der letzte große Kassenschlager mit zweistelligem Wachstum.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop