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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Teure Energie, viele SMS und die Brücken zu den Grünen

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Ereignisse einer Oktoberwoche, nicht ganz ernsthaft aufgespießt: Der Strom wird teuer, und die CDU hat Brücken zu den Grünen gebaut, die noch nicht belastbar sind - darüber wird so manche SMS verfasst. Trotzdem geht Twitter an die Börse. Ohne Gewinn - natürlich. Aber vielleicht mit Erfolg. Hans Riegel hatte den schon, ganz solide, mit Goldbären.

Darüber haben wir uns geärgert: Die Ökostromumlage steigt um knapp 1 Cent auf gut 6,2 Cent pro Kilowattstunde. Wem das zu abstrakt klingt: Ein Haushalt mit zwei Kindern muss deshalb künftig rund 75 Euro im Jahr mehr zahlen. Das ist schon ein gewaltiger Batzen. Dabei ist Strom im Großhandel eigentlich billiger geworden. Das macht ihn wegen der Finanzierung der Energiewende für den Privatkunden aber teurer. Und wer keine Solarpanels auf dem Dach hat, bekommt auch keine Subventionen zum Ausgleich. So geht Umverteilung von Mietern zu Hausbesitzern. Ob der Staat das gewollt hat? Merke: Einer staatlichen Steuerung folgt auf dem Fuß eine Fehlsteuerung. Die Mieter dürfen sich trösten, gewiss kommt bald eine Mietpreisbremse. Und bestimmt bewirkt die nur Gutes. Oder hat da jemand Zweifel?

Vor einfachen Wahrheiten sollte man sich stets hüten. Zum Beispiel, wenn vor einiger Zeit jemand gesagt hat, die Mobilfunk-Kurznachricht SMS sei tot. Es gebe doch jetzt Facebook oder, weil Facebook ja gestern gewesen sei, „WhatsApp“. Alles Quatsch, auch in diesem Fall: Trotz großer Konkurrenz durch kostenfreie Angebote verschicken die Bundesbürger in diesem Jahr insgesamt 168,3 Millionen Kurznachrichten täglich – und damit so viele SMS wie nie zuvor.

Siegeszug der Kurznachrichtendienste

Dem Siegeszug weiterer Kurznachrichtendienste tut das keinen Abbruch. Denn offenbar erfüllt jeder seinen eigenen Zweck. Der Markt entscheidet, und die Nutzer haben ganz offensichtlich Bedarf. Deshalb steigen auch die Einnahmen von Twitter, gespeist von der Werbung, die in den Nachrichtenstrom der Nutzer eingestreut wird. So lag der Umsatz im dritten Quartal dieses Jahres bei immerhin 125 Millionen Euro, und das ist mehr als doppelt so viel wie in derselben Zeitspanne des Vorjahres.

Nun muss ein so junges Unternehmen wie Twitter stetig investieren, um am Ball zu bleiben. Deshalb ist auch der bevorstehende Börsengang nichts anderes als eine große Spekulation. Doch ist das mit Börsengängen nicht immer so? Was lernt man also daraus, dass sich wegen hoher Ausgaben für Rechenzentren, neue Produkte und die Vermarktung der Verlust auf fast 65 Millionen Dollar verdreifacht hat? Erst mal nichts.

Ein deutscher Vollblutunternehmer

Andererseits: Was wohl ein deutscher Vollblutunternehmer wie Hans Riegel aus Bonn dazu gesagt hätte? Er durfte jedenfalls mit anderen Zeithorizonten planen als ein amerikanischer Börsenneuling. 67 Jahre stand er an der Spitze von Haribo. Noch im Alter von 90 Jahren war der Seniorchef fast täglich in seinem Büro. Dass er gerne seinen eigenen Helikopter steuerte, klingt hingegen wieder ganz nach einem Unternehmer aus Silicon Valley.

Dort müht sich gerade die Yahoo-Vorstandsvorsitzende Marissa Mayer, einen älteren Vertreter der Internetbranche wieder auf Kurs zu bringen. Bisher mit nur wenig greifbarem Erfolg. Mayer ist zu wünschen, dass ihre Versprechungen mit Blick auf bald bessere Zeiten in Erfüllung gehen. Denn die Welt ist so, wie sie ist: Sie steht als Frau unter einer besonderen Beobachtung, nicht nur durch die Männer.

Mehr Frauen in Aufsichtsräten

Immerhin werden Deutschlands Aufsichtsräte langsam weiblicher: 22 Prozent der 488 Kontrolleure aus den Dax-Konzernen sind derzeit Frauen. Im Vorjahr waren es noch 19 Prozent. Der Ausreißer nach oben ist Henkel mit einem Frauenanteil von knapp 44 Prozent. Bei den Gesundheitskonzernen Fresenius und Fresenius Medical Care hingegen sitzt noch keine Frau in den Aufsichtsgremien. Da wird es Zeit für Tauwetter in der Männerriege.

Das scheint es in dieser Woche sogar zwischen den Grünen und der CDU in Berlin gegeben zu haben: „Es gab ein ernsthaftes Bemühen darum, Brücken zueinander zu bauen“, hieß es dort. Und man hat das Gefühl, dass die einst so weit voneinander entfernten Parteien nicht mehr über sieben Brücken gehen müssen, bevor eine Koalition im Bund oder in einem großen Bundesland zustande kommt. Eines wissen wir längst: Für eine hohe Stromrechnung braucht die CDU die Grünen sowieso nicht mehr.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop


1 Lesermeinung

  1. 5 Cent mehr pro Tag - ein gewaltiger Batzen ?
    5 cent mehr am Tag pro Nase im 4-Personen-Haushalt sind also „ein gewaltiger Batzen?
    Ursache war übrigens der sonnige Sommer 2013 mit hoher Solarstromerzeugung, wodurch andere, fossile Kraftwerke weniger betrieben wurden. Weil damit nicht gerechnet wurde, entstand ein Defizit im EEG-Umlagesystem. Im Jahr darauf wird es voraussichtlich wieder billiger.
    Die Kinder der Vier-Personen-Haushalte werden jedenfalls dankbar für diese Verwendung sein, denn sie haben am längsten mit dem sich verstärkenden Klimawandel zu leben.
    Die meisen Familien könnten denselben Betrag übrigens durch einen Wechsel des Stromversorgers einsparen [mit oder ohne Ökostrom; Empfehlungen sind hier wohl nicht erlaubt], Eigenheimbewohner dann nochmal dasselbe durch eine sparsamere Heizungspumpe (das kann auch ein Mieter initiieren) … aber so groß ist der „gewaltige Batzen“ von 75 Euro p.a. dann offenbar nicht, dass er einen Griff zum Telephon rechtfertigen würde.

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