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Der größte private Klinikkonzern Europas entsteht

Fresenius, Asklepios und B.Braun haben sich lange über die Übernahme von Kliniken von Rhön durch Fresenius gestritten. Jetzt haben sich alle geeinigt. Die Suche nach einem Verlierer kann dauern.

Das hat etwas von einer vorweihnachtlichen Überraschung: Über Jahre haben sich die privaten Klinikbetreiber Fresenius und Asklepios sowie der Zulieferer B. Braun einen auch von persönlichen Eitelkeiten geprägten Machtkampf geliefert. Jetzt ist alles gut – und niemand muss als Verlierer vom Platz gehen. Denn die drei Unternehmen haben ihre Auseinandersetzung über den Erwerb von 43 Kliniken und 15 medizinischen Versorgungszentren der Rhön-Klinikum AG durch Fresenius Helios, ein Tochterunternehmen der Bad Homburger Fresenius SE & Co. KGaA, zum Preis von 3,1 Milliarden Euro beendet.

„Im Zuge der Einigung über Neutralitätsverpflichtungen werden Asklepios und B. Braun auf Maßnahmen gegen den Klinikverkauf verzichten“, teilten die Unternehmen mit. B. Braun werde seine Klage gegen die Transaktion zurückziehen.

Damit kann der vierte Advent besinnlich werden – und der größte private Klinikkonzern Europas entstehen. Die Wendung ist bemerkenswert. Denn die Situation schien verfahren zu sein. Fresenius, Asklepios und B. Braun hatten sich im Zuge der Auseinandersetzung allesamt am Konkurrenten Rhön beteiligt, viel Geld wurde investiert: Braun hatte seine Beteiligung an der Rhön-Klinikum AG sogar auf 15,08 Prozent ausgebaut und weitere Zukäufe angekündigt. Asklepios und Fresenius bleiben weiterhin mit jeweils rund 5 Prozent an Rhön beteiligt. Asklepios und B. Braun fürchteten eine Vormachtstellung von Fresenius und Rhön auf dem deutschen Klinikmarkt, jeder aus seiner Perspektive. Asklepios sah seine Stellung im Klinikwettbewerb als gefährdet an, B. Braun hatte als großer Krankenhauszulieferer Sorge um seine Kundenbeziehung zu Rhön. Denn Fresenius Kabi, eine weitere Tochtergesellschaft von Fresenius, ist auf dem Zuliefermarkt Wettbewerber von B. Braun.

Komplizierte Interessenlage

Um die komplizierte Interessenlage zu adressieren, haben sich die ehemaligen Streithähne auch über ihre künftige Zusammenarbeit verständigt. Fresenius Helios, der Krankenhausbetreiber der Fresenius-Gruppe, schließt einen langfristigen Rahmenliefervertrag mit B. Braun. Fresenius Kabi soll als Lieferant nicht bevorzugt werden. Asklepios wird neben Fresenius Helios und der Rhön-Klinikum AG in das geplante „Netzwerk Medizin“ einsteigen. Fresenius Helios wird diesen Eintritt in das Netzwerk mit einer einmaligen Zahlung von 5 Millionen Euro an Asklepios unterstützen. Der Abschluss der Netzwerkvereinbarung steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamts, das am Freitagmittag aber noch nicht informiert war: „Bislang liegt uns weder eine formelle Anmeldung vor, noch führen wir bislang bezüglich dieses Vorhabens ein Verfahren“, wird ein Sprecher des Kartellamts von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Auch die Übernahme der Kliniken selbst muss von der Behörde noch genehmigt werden.

Auch an der Börse fand die Einigung Beachtung: Die Rhön-Klinikum-Papiere zogen im Verlauf um 6 Prozent an. Die neue Eintracht zeigt sich auch in einem gemeinsamen Zitat der beteiligten Manager, nämlich Ulf Schneider, dem Vorstandsvorsitzenden von Fresenius, Bernard Broermann, dem Alleingesellschafter von Asklepios, und Ludwig-Georg Braun, dem Aufsichtsratsvorsitzenden von B. Braun. „Unsere Unternehmen leisten seit vielen Jahren einen wertvollen Beitrag zur hochwertigen und effizienten Gesundheitsversorgung in Deutschland. Diese Leistungen sind durch die Meinungsverschiedenheiten in den vergangenen beiden Jahren in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit leider in den Hintergrund getreten“, räumen die drei darin freimütig ein. „Wir unterstreichen damit unser Interesse, die Wettbewerbsvielfalt im Klinikmarkt zu erhalten, erreichen unsere individuellen unternehmerischen Ziele und stärken das Vertrauen der Öffentlichkeit in die hochwertige private Gesundheitsversorgung in Deutschland“, ist die gegenseitige Hoffnung.

Fresenius Helios bald flächendeckend in Deutschland vertreten

Den Kauf der Kliniken von Rhön hatte Fresenius im September angekündigt, nachdem zuvor ein Versuch gescheitert war, Rhön vollständig zu übernehmen. Schon damals hieß es, dass die Klinken im Geschäftsjahr 2013 voraussichtlich einen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern von rund 250 Millionen Euro erzielen werden. Mit der Transaktion erreicht Fresenius Helios das Ziel, flächendeckend in Deutschland vertreten zu sein. Auch das Netzwerk Medizin hatte Fresenius schon im September in den Raum gestellt. Mit der neuen Plattform soll die Grundlage geschaffen werden, „im Rahmen integrierter Versorgungskonzepte neue Angebotsmodelle zum Nutzen der Patienten, der Kostenträger und des Gesundheitssystems zu entwickeln“. Die Fresenius-Tochtergesellschaft Helios wird nach der Übernahme mit 117 Kliniken und einem Umsatz von rund 5,5 Milliarden Euro der größte private Klinikbetreiber in Europa sein.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop