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Die NSA dämpft das Vertrauen in die Cloud

Es ist die Zukunftshoffnung für die Anbieter von Informationstechnologie schlechthin, aber das Wachstumstempo im sogenannten Cloud Computing schwächt sich in Deutschland ab. Laut einer repräsentativen Umfrage des Technologie-Branchenverbandes Bitkom lagerten 2013 nur 3 Prozent mehr Unternehmen als im Jahr zuvor ihre Hard- und Software auf externe Netzwerkrechner (Server) aus. Dynamik sieht anders aus – ein Jahr zuvor legte die Nutzung noch um 9 Prozentpunkte zu. Verantwortlich für den erheblichen Dämpfer sei die NSA-Datenaffäre gewesen, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf am Donnerstag in Berlin: „Die Spähaffäre hat deutliche Spuren hinterlassen.“

Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat Konsequenzen gezogen

Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen hätten die Sicherheit ihrer Systeme deutlich erhöht. 13 Prozent hätten konkret geplante Cloud-Projekte vorerst zurückgestellt, 11 Prozent bestehende Cloud-Projekte sogar aufgegeben. Das heißt, dass mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen Konsequenzen aus der Debatte um die Datenzugriffe durch die Geheimdienste gezogen haben. Das gilt sogar für Unternehmen mit Sitz in den Vereinigten Staaten. So ist von Unternehmen wie Microsoft oder SAP hinter vorgehaltener Hand zu hören, das auch von dort immer mehr Anfragen kämen, ob die Daten nicht in SAP- oder Microsoft-Rechenzentren in Europa gespeichert werden könnten. Mit Blick auf Microsoft ist es unter amerikanischen Wettbewerbern umstritten, ob solche Angebote die Nutzer tatsächlich vor dem Datenzugriff durch den amerikanischen Staat schützen.

Beim Cloud Computing werden Infrastruktur, Anwendungen und Speicherplatz im Standard des Internetprotokolls über das Netz für die jeweiligen Anwender bedarfsgerecht bereitgestellt. Das soll vor allem mehr Flexibilität schaffen, aber auch Verwaltungs- und Unterhaltskosten senken. Kritiker des Cloud-Konzeptes bemängeln Schwierigkeiten beim Datenschutz; aus der Branche der Anbieter hingegen ist häufig zu hören, Cloud- Lösungen erhöhten im Gegenteil sogar die Sicherheit, da die Rechenzentren zentral überwacht werden könnten. So oder so: Wie aus der Studie hervorgeht, die von der Beratungsgesellschaft KPMG zusammengestellt worden ist, nutzen derzeit 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland Cloud-Computing-Angebote. „Cloud Computing wird immer wichtiger. Man kommt da fast nicht mehr vorbei“, sagte ein KPMG-Sprecher dazu.

Der Mittelstand ist zurückhaltend

Je größer das Unternehmen, umso wahrscheinlicher sei es, dass Cloud-Dienste zum Einsatz kämen, bestätigte Bitkom-Präsident Kempf. Der Verband fasst für seine Betrachtung Angebote externer Anbieter und den Einsatz von sogenannten privaten, unternehmenseigenen Clouds zusammen. 2013 haben demnach 36 Prozent der Firmen ab einer Größe von 20 Mitarbeitern eine private Cloud genutzt, 15 Prozent griffen auf externe Angebote der sogenannten „Public Cloud“ zurück. Kurzum: Vor allem der Mittelstand hat hier aus der Sicht der Anbieter Nachholbedarf.

Ein Jahr zuvor nutzen die private Cloud noch 34 Prozent, öffentliche Cloud-Angebote 10 Prozent der befragten Unternehmen. Aber: „Viele Unternehmen machen es zur Bedingung, dass der Hauptsitz ihres Providers in der Europäischen Union liegt. Wir wissen, dass viele ausländische Unternehmen wie etwa Fujitsu da bereits drauf reagiert haben“, sagte Kempf. Das japanische Unternehmen Fujitsu habe sich – wie auch der amerikanische Konzern Hewlett-Packard – Partner in der EU gesucht. Die größten Bedenken haben Unternehmen dabei mit 77 Prozent, dass unerlaubt auf sensible Daten zugegriffen werden kann. Die Furcht vor Datenverlust rangiert mit 45 Prozent der Angaben an zweiter Stelle. 38 Prozent der Befragten haben Bedenken wegen der unklaren Rechtslage bei der Nutzung von Cloud-Angeboten.

Bitkom fordert besseren Schutz 

Dem Vertrauensverlust infolge der Abhöraktionen könne nur mit konkreten Maßnahmen von Politik und Wirtschaft begegnet werden, ist man beim Bitkom überzeugt. Zu den wichtigsten Forderungen des Verbandes gehören daher Verhandlungen über No-Spy-Abkommen mit anderen Ländern, ein besserer Schutz vor Wirtschaftsspionage, eine stärkere Sensibilisierung von Bürgern und Unternehmen im Bereich der IT-Sicherheit sowie international einheitliche Regelungen zur Herausgabe von Kundendaten an Behörden zur Bekämpfung von Terror und schwerer Kriminalität. „Unternehmen sollten die Öffentlichkeit über die Auskünfte an Behörden informieren und damit einen Beitrag zu mehr Transparenz leisten können“, sagte Kempf.

Die Studie „Cloud Monitor 2014“ basiert auf einer Befragung von 403 IT-Verantwortlichen in deutschen Unternehmen ab 20 Mitarbeitern in den Monaten November und Dezember des vergangenen Jahres. Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtwirtschaft.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop

 

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