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Deutsche Bank: Agrarrohstoffe im Ostermenü

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Vertreter der Deutschen Bank haben sich kurz vor Ostern mit rund 40 Wissenschaftlern, Politikern, Delegierten verschiedener Entwicklungsorganisationen, anderen Bankern, Bauern und Vertretern von Kirchen getroffen, um über den Einsatz von Finanzinstrumenten auf dem Markt für Agrarrohstoffe zu diskutieren. Das war eine spannende Erfahrung.

Hinweis: Dieser Text ist am Karfreitag entstanden, aber er soll deshalb die Freude der Osterfeiertage nicht verderben. Es ist auch nicht unbedingt nötig, darüber nachzudenken, dass nach Schätzungen alle drei bis fünf Sekunden auf der Welt ein Kind an Hunger stirbt, während man im Kreis der Familie das Ostermenü genießt. Darum geht es nicht, und das eine hat mit dem anderen unmittelbar nichts zu tun.

Gleichwohl stellt sich die Frage, was man tun kann, um die Weltbevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen, vor und nach Ostern mit derselben Brisanz. Das spüren alle Akteure, die mit diesem Problem befasst sind – und in der Woche vor Ostern ganz besonders auch die Deutsche Bank. Denn Entwicklungsorganisationen werfen der Bank vor, am Hunger in der Welt zu verdienen und ihn durch Spekulation sogar noch zu verstärken. Am Mittwoch haben sich in Frankfurt nun Vertreter der Bank mit rund 40 Wissenschaftlern, Politikern, Delegierten verschiedener Entwicklungsorganisationen, anderen Bankern, Bauern und Vertretern von Kirchen getroffen, um über den Einsatz von Finanzinstrumenten auf dem Markt für Agrarrohstoffe zu diskutieren.

 Schweigen und lernen

Die Teilnehmer der Veranstaltung sind dazu verpflichtet worden, über die Zitate Einzelner zu schweigen – nicht aber über den Inhalt der Diskussionen. Der Autor dieser Zeilen war (unbezahlter) Moderator eines Teils des Treffens. Dabei konnte man eine Menge lernen. Zum Beispiel, dass Spekulation als solche für die Nahrungserzeuger eine unverzichtbare Versicherung bringt. Aber auch, dass sich Wissenschaftler schon nicht darauf einigen können, von welchem Zeitpunkt an eine Spekulation als „exzessiv“ zu gelten hat. Die Datenbasis ist schlecht. Man hat einander deshalb versprochen, ein Frühwarnsystem aufzubauen. Wenn das nächste Mal ein Preis steil steigt oder fällt, soll eine Taskforce sofort mit Datensammlung und -analyse beginnen.

Interessant war auch der Austausch darüber, ob Indexfonds als Anlageprodukte dafür sorgen, dass die Preise auf den Agrarmärkten stetig steigen, ob und wie Preise auf Terminmärkten den Preis für den einzelnen Bauern beeinflussen, und wie sich vernünftig zwischen lang- und kurzfristigen Effekten unterscheiden lässt. Zu allen Themen gibt es kontroverse Meinungen. Nicht nur die Kirchen sagen: Solange eine Möglichkeit besteht, dass Indexfonds der Preisfindung an den realen Märkten schaden, werden sie in diese Produkte nicht investieren. Andere weisen darauf hin, dass man auch durch Nichtstun schaden könne. Viele Anlageprodukte seien nützlich, gäben dem Markt die nötige Liquidität und stabilisierten ihn. Gleichwohl stelle sich die Frage, ob die Märkte ausreichend reguliert seien. Ein Erzeuger regte deshalb die Gründung einer Regulierungsbehörde an, die – ähnlich einer Zentralbank – eine stetige Aufsicht über den Markt führt.

Mehr Kapital für Investitionen in die Produktivität

Sicher ist wohl, dass man die Nahrungsmittelprobleme der Welt ohne die Kraft des Marktes nicht wird lösen können. Wie aber kann es gelingen, mehr Kapital anstatt für Spekulationen, die von der realen Welt des Landwirts abgekoppelt sind, in Investitionen umzulenken, die auf den Äckern die Produktivität steigern? Einen Fonds gibt es von der Deutschen Bank, der genau das tut. Er ist aber zu klein, er müsste stärker für Privatanleger geöffnet werden – immerhin, auch darum will man sich nun kümmern. Wahr ist auch, was Thilo Bode, der Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, nach der Veranstaltung zu Protokoll gegeben hat: Weder habe die Bank entkräften können, dass ihre Finanzprodukte zu Preissteigerungen von Lebensmitteln beitrügen, noch habe sie einen Schlussstrich unter die Geschäfte gezogen. Das stimmt. So weit ist die Deutsche Bank nicht; sie will die Diskussion weiterführen. Der Zwiespalt, in dem sie steckt, war zu spüren. Kann eine globale Bank auf ein entsprechendes Angebot für ihre Kunden verzichten? Und wenn ja, wandert der Handel dann in unkontrollierte Bereiche ab?

Man möchte die Entscheidung nicht treffen müssen. Es ist nicht zu verhehlen, dass das von den Kirchen beherzigte Vorsorgeprinzip („Im Zweifel sollte man es lassen“) nicht nur zum Osterfest eine gewisse Überzeugungskraft hat. Noch hilfreicher wäre aber die Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie man es besser machen kann. Vielleicht auch, indem man sich künftig weitere Selbstbeschränkungen auferlegt. Etwas beenden, um etwas Neues zu gewinnen – darum geht es doch zu Ostern.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop

 


5 Lesermeinungen

  1. Pingback: Deutsche Bank News – 19 Apr 2014 | Finance

  2. Wie moralisch sind Blumen auf dem Ostertisch
    Fair-Trade-Produkte sind beliebt geworden.Was tun wenn der afrikanische Bauer lieber Blumen für Europa anbaut anstatt Gemüse für seine Nachbarn. Mit etwas Glück werden die Blumen mit einem Flieger eingeflogen der mit Biosprit fliegt (Erdöl wäre auch ein biologisches Produkt)
    Was ist mit dem Osterlamm? Für die Herstellung von Fleisch benötigt man sehr viel mehr Ackerfläche als für eine Schale mit Reis und etwas Öl und Salz.
    Man könnte Tierfutter verwenden das als Nebenprodukt bei der Ethanolherstellung anfällt.

    Jeder Bauer ist ein Spekulant. Er steckt Getreidekörner in die Erde und spekuliert darauf das er mit Hilfe seiner Arbeit später mehr ernten kann. Ob aus dem Getreide Brot wird oder Ethanol u. Tierfutter ist dabei nicht einmal eine offene Frage da verschiedene Sorten nötig sind.
    Ich überlasse es den Bauern.Wenn ich es entscheiden würde, gäbe es wahrscheinlich bald kein Brot mehr da ich im Grund keine Ahnung habe wie man ein Feld bestellt.
    PS Früher musste der Bauer Futter für die Zugtiere anbauen. Heute braucht er eher Biodiesel.

  3. Spekulation
    Solange es einen Markt gibt, muß einem auf steigende Preise spekulierenden Anleger einer gegenüber stehen, der auf sinkende Preise spekuliert. Sonst kommt kein Geschäft zustande. Somit ist das für die Produktion erst mal neutral. Das Problem des Hungers entsteht doch erstens durch kriegerische Handlungen, vergleichbar wie in Europa im 17. Jahrhundert. Ein weiterer Grund ist die völlig verfehlte Entwicklungshilfe (subventionierter Verkauf von Hänchenteilen nach Afrika), sowie eine verbrecherische Cliquen-Wirtschaft in afrikanischen Ländern, z.B. Simbabwe, aber auch anderswo, z.B. Venezuela. Zudem versuchen noch Konzerne ihre Produkte z.L. der örtlichen Bauern zu verkaufen, die das Saatgut teuer kaufen müssen, für ihre Produkte aber kaum etwas bekommen. Sicher könnten die Märkte für Rohstoffe besser reguliert werden, aber das Problem sind sie mit Sicherheit nicht.

  4. Moralische Anklagebank
    Das ist das Schwierige mit der Moral. Die Moral verlangt das Maximum. Die Gesetze schreiben ein Minimum vor. Das Zitat von Herrn Bode ist selbst unmoralisch, denn er schwingt sich zum Ankläger auf, ohne dazu berufen zu sein. Er ist in keiner Weise legitimiert. Er führt auch keine Beweise an. Er sagt nur, dass das Gegenteil seiner Behauptung, nicht von der DB bewiesen sei. Damit wird Moral und Recht außer Kraft gesetzt. Herr Knop weist sogar darauf hin, dass Agrarspekulation eine bedeutsam positive Auswirkung für die Produzenten habe. Auch das genügt zur Entkräftung für die Moral Herrn Bodes nicht. Er ist erst zufrieden, wenn seine These positiv widerlegt ist. Dabei ist er selbst ein Lobbyist in eigener Sache und lebt davon, seine Meinung zu propagieren. Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. An diesem Maßstab lässt sich Herr Bode nicht messen. Er hat seine eigene Moral, wer sie nicht widerlegen kann, gehört auf die Anklagebank. In diesem Fall setze ich mich lieber mit dem Zachäus an einen Tisch, der hat hier moralisch mehr zu bieten.

  5. Daten und immer daten//Ernahrung,Rohstoff und Spekulation//Sozialtechnologie(Bauman)
    Noch nie kann und werden so viel wissen über die Welt Ernährung zusammen getragen,immer wieder z.B. die F.A.O.(Jahres bericht).Aber noch nie konnte unds wollte man so wenig sagen wie es ändern soll.
    Solange Landwirtschaftprodukten (Nahrung) gleichgesetzt sind an Rohstoffe(zur Spekulation).
    Studien und immer studien seit lange her,ein übermass an Prognosen.Und ja es gibt immer Daten die Folgen der Spekulation(nein nicht die Infant Mortality Rate,da ist die W H O zuständig)belegen.Immer wieder zahlenfixiert.Es gibt immer Wahlmöglichkeien.Verbindlichkeiten im Bereich Ernährung sind unerwünscht.Kategorien-moralisch- wie falsch oder richtig werden verdrängt.Wie sollte man uberzeugen dass Spekulation moralisch falsch sein könnte,wenn die“ Ich-bezogenheit“ zum Ziel gemacht wird.(Banken).Wie konnte es dazu kommen?Letzt endlich ideologisch bestimmt !Und die „Sozialtechnologie“Zygmunt Baumans , die Machbarkeitsvision,lässt sich wirtschaftlich nützen
    ,nicht für ein jeden!

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