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Übernahmekampf um Familienunternehmen R. Stahl: „Verkaufen doch auch unsere Mutter nicht“

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Der Mittelständler R. Stahl könnte das Ziel eines feindlichen Übernahmeversuchs werden. Der Angreifer ist das Familienunternehmen Weidmüller. Die Botschaft der Eignerfamilien von R. Stahl ist jedoch eindeutig: Verkauft wird nicht.

Im Gespräch: Reinhard und Jochen Stahl, Familien-Miteigentümer des Unternehmens R. Stahl

Der Mittelständler R. Stahl könnte das Ziel eines feindlichen Übernahmeversuchs werden. Der Angreifer ist das Familienunternehmen Weidmüller. Die Botschaft der Eignerfamilien von R. Stahl ist jedoch eindeutig: Verkauft wird nicht.

Ihr Unternehmen R. Stahl ist ein Spezialist für Explosionsschutz und seit 1997 börsennotiert. Jetzt will der Familienkonzern Weidmüller, ein Elektrotechnikunternehmen, Ihren Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot machen. Das liefe auf einen feindlichen Übernahmeversuch hinaus. Können Sie das nachvollziehen?

Jochen Stahl: Überhaupt nicht. Diese Ankündigung kam für uns überraschend. R. Stahl bekommt immer mal wieder informelle Anfragen, ob die Familie Aktien verkaufen würde. Ein „Nein“ des Familienkonsortiums wurde bislang aber immer akzeptiert.

Und Weidmüller tut das nicht?

Jochen Stahl: Es gab eine Voranfrage seitens Weidmüller im März an die Geschäftsleitung von R. Stahl und den Aufsichtsratsvorsitzenden Volker Stahl. In diesem Zusammenhang fand auch ein Treffen mit Vertretern von Weidmüller statt. Darüber wurde dann das Konsortium der Familien Stahl und Zaiser, das zusammen rund 51 Prozent der Aktien hält, informiert. Aber die Haltung unserer Familienstämme ist ganz klar: Wir wollen nicht verkaufen. Das wurde Weidmüller auch mitgeteilt.

Vielleicht wäre ein Zusammenschluss mit Weidmüller strategisch sinnvoll? Als börsennotiertes Unternehmen müssen sie ein Übernahmeangebot doch zumindest ernsthaft prüfen?

Reinhard Stahl: Bisher gibt es nur eine Ankündigung. Und als Familie sehen wir keinerlei Synergieeffekte in einem Zusammenschluss. Wir müssten vielmehr befürchten, dass R. Stahl bei einer Übernahme von seinem bisherigen Wachstumspfad abweichen könnte. Das Wertsteigerungspotential der Firma ist aus eigener Kraft definitiv größer. Im Übrigen scheinen die Firmenkulturen auch sehr unterschiedlich zu sein. Wir würden niemals so mit der Brechstange losziehen, um ein Ziel zu erreichen.

Aber wird der eine oder andere aus dem Familienkreis nicht doch schwach, wenn der Angebotspreis hoch genug ist? Es sind ja nicht alle Aktien gepoolt, über rund 8 Prozent können die Familieneigner frei verfügen.

Jochen Stahl: Wir haben von allen Familienmitgliedern die schriftliche Zusage, dass sie ihre Aktien nicht verkaufen und dieser Übernahmeversuch wie auch jeder andere abgelehnt wird. Das gilt für die Stimmrechte im Aktienpool, aber auch für die frei gehaltenen Anteile. Aktien von R.Stahl werden geerbt und vererbt, aber nicht verkauft.

Es gibt doch bestimmt einen Preis, bei dem so mancher Familieneigner schwach werden könnte.

Jochen Stahl: Nein. Das wäre ja so, als würde man seine eigene Mutter ab einem bestimmten Preis verkaufen.

Reinhard Stahl: Das Unternehmen R. Stahl wurde Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Zeit in Stuttgart gegründet, als dort auch andere große Traditionsbetriebe wie Bosch entstanden sind. Wir sind jetzt als Anteilseigner in der vierten und fünften Generation, das bindet eng zusammen.

Sie müssen sich allerdings darauf einstellen, dass Weidmüller den Übernahmeversuch startet und zu einem maßgeblichen Minderheitsaktionär von R. Stahl werden könnte. Und es gibt Fälle wie zum Beispiel Vossloh, wo eine solche Taktik zu einem jahrelangen Zermürbungskrieg führen kann.

Reinhard Stahl: Fest steht: Wir sind unabhängig und wollen unabhängig bleiben. Und wir können nicht erkennen, wo der Vorteil einer Minderheitsbeteiligung für Weidmüller liegen könnte.

Gibt es denn geschäftliche Verbindungen zwischen R. Stahl und Weidmüller?

Reinhard Stahl: Es gibt unseres Wissens eine Kunden-Lieferanten-Beziehung für einzelne Produkte.

Jochen Stahl: Persönlich kennen wir die Herren gar nicht.

Die operative Gewinnmarge von R. Stahl lag vor einigen Jahren bei fast 13 Prozent, nun sind es nur noch gut 8 Prozent. Das könnte schon die Frage aufwerfen, ob das Unternehmen in jüngster Vergangenheit mit seinem Expansionskurs ein paar Fehler gemacht hat.

Reinhard Stahl: Als langfristig denkende Familien orientieren wir uns nicht an Quartalsergebnissen. R. Stahl hat in den vergangenen Jahren viel in die globale Expansion investiert. Damit wurde die Saat ausgebracht, deren Früchte wir alle nun ernten wollen. Und immerhin sind wir im Feld des Explosionsschutzes global die Nummer zwei, und im Systemgeschäft sind wir sogar global führend.

Vielleicht sollten Sie die Eigentümer von Weidmüller, die ja bei ihrem Angebot bleiben, einfach mal anrufen?

Jochen Stahl: Unsere Haltung ist ja unverändert klar: Die Gründerfamilien werden sich von ihren Anteilen nicht trennen. Was Weidmüller daraus für Konsequenzen zieht, warten wir jetzt erst einmal gelassen ab.

Das Gespräch führten Carsten Knop und Holger Paul.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop


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