Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Nachhaltigkeit, angeschoben von BMW

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Die Kuenheim Stiftung lehrt Unternehmen, Verantwortung im Wortsinne „zu unternehmen“. Das ist ein mühseliges Unterfangen. Man kämpft sich in kleinen Teams voran.

Wird in Unternehmen über Nachhaltigkeit gesprochen, hören nicht immer alle Führungskräfte und Mitarbeiter zu. Mancher Vorstand mag inzwischen begriffen haben, dass das Thema ein Schlüssel dazu ist, nicht nur effizienter, also ressourcen- und damit kostensparend, zu arbeiten. Vielmehr hilft es auch dabei, Kreativität im Unternehmen freizusetzen und damit das Denken in Innovationen zu fördern. Wenn es aber gilt, aus dieser Erkenntnis in der obersten Führungsetage eines Unternehmens eine Führungsmethode zu machen, die im Alltag Anwendungen findet, scheitern noch immer viele.

Das haben auch Rosmarie Steininger, bei der Eberhard von Kuenheim Stiftung für die Initiative „Verantwortung unternehmen“ zuständig, und der Kuratoriumsvorsitzende Bolko von Oetinger erkannt. Beide befassen sich beruflich schon lange mit Nachhaltigkeitsthemen und ihrer Umsetzung in der Praxis. Sie kennen deshalb die Hürden, die sich im Alltag, einer Babuschka-Puppe gleich, von Abteilung zu Abteilung fortsetzen: „Die Bereiche im Unternehmen müssen wollen, können und dürfen“, sagt Oetinger. „Aber die Visionäre im Unternehmen sind oft Einzelkämpfer“, fügt Steininger hinzu.

Grenzen aufbrechen

Gemeinsam haben sie deshalb mit der Initiative „Verantwortung unternehmen“ in ihrer Stiftung ein Programm aufgelegt, das diese Grenzen zumindest innerhalb der Unternehmen, die während eines Jahrgangs an dem Programm teilnehmen, aufbrechen helfen soll. Das Konzept ist interessant: Die Teilnehmer eines Jahrgangs bilden einen ausgewählten Kreis von sechs bis acht Unternehmen aus möglichst unterschiedlichen Branchen und Sektoren – ohne Wettbewerber, um einen offenen Austausch unter den beteiligten Managern zu ermöglichen. Sie beraten sich gegenseitig, entwickeln Ideen und leiten Vorhaben mit messbarer Wirkung ab. Nicht zuletzt dieser letzte Punkt ist Steininger wichtig: Die Ergebnisse der Projekte werden kontrolliert und sollen überprüfbar sein. Eine Führungskraft mit den nötigen Entscheidungsbefugnissen aus jedem Unternehmen nimmt als konstanter Teilnehmer an allen Veranstaltungen eines bestimmten Jahrgangs teil. Je nach Themenschwerpunkt kommt ein zweiter Teilnehmer dazu. „Auf diesem Weg wird eine stärkere Vernetzung und die Verankerung im Unternehmen unterstützt“, sagt Steininger.

Zudem bestimme jedes Unternehmen schon vorab ein Handlungsfeld, das es in die Initiative einbringen wolle – was die spätere Umsetzung erleichtere, da der entsprechende Handlungsbedarf ja schon vor Beginn des Programms erkannt worden sei. „Das Prinzip der Nachhaltigkeit unseres Handelns verstehe ich so: Uns sind unsere Ämter auf Zeit, gleichsam als Lehen verliehen. Wir haben die Pflicht, das Lehen zu pflegen und zu mehren: ganz so, als würden wir bis weit nach den Zeiten unserer Zuständigkeit dafür einstehen dürfen – oder auch müssen“, wird Eberhard von Kuenheim, der langjährige Vorstandsvorsitzende von BMW und Namensgeber der Stiftung, zitiert.

Mit Praxiserfahrung

Die Stiftung soll diesen Ansatz umsetzen helfen – Oetinger und Steininger bringen dabei einige Praxiserfahrung mit. Oetinger hat Politikwissenschaft und Betriebswirtschaft studiert und wurde bei Arnulf Baring promoviert. Er hat eine klassische Beraterkarriere hinter sich und gehörte seit 1974 der Boston Consulting Group (BCG) an; zunächst im kalifornischen Menlo Park und in Paris, danach in München. Neben seiner Klientenarbeit mit den Schwerpunkten Strategie, Organisation und Innovation, war er von 1981 bis 2005 für die sogenannten Kronberger Konferenzen verantwortlich. Im Juli 2008 ist er aus dem aktiven Beratungsdienst ausgeschieden; seit 2012 ist er Vorsitzender des Kuratoriums der Eberhard von Kuenheim Stiftung.

Steininger wiederum hat nach dem Abschluss ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften acht Jahre lang als Entwicklerin, Beraterin und Change-Managerin bei BMW gearbeitet. Zur Kuenheim Stiftung wechselte sie im Jahr 2011. Sowohl Steininger als auch Oetinger sind Betriebswirte, die in ihrem Berufsleben schon das eine oder andere erlebt haben, auch deshalb hadern sie mit manchem Inhalt ihrer Wissenschaft: Gerade an den Universitäten werde die BWL zu sehr auf das Thema Gewinnmaximierung ausgerichtet, zu wenige externe Effekte des wirtschaftlichen Handelns würden in den Kalkulationen berücksichtigt, also internalisiert. Das greife auf die Dauer zu kurz, der Nachhaltigkeitsgedanke gehe weiter. Er habe zudem nicht allein mit der Vermeidung des Verbrauchs von Ressourcen zu tun („Man soll seine Kinder ja auch nicht weniger, sondern gar nicht mehr schlagen“, heißt es dazu unter Nachhaltigkeitsforschern), sondern damit, was man nachfolgenden Generationen hinterlasse.

„,Verantwortung unternehmen‘ bedeutet deshalb, den Nutzen für das eigene Unternehmen und den Nutzen für die Gesellschaft in Einklang zu bringen“, beschreibt Steininger den Ansatz ihrer Initiative: Unternehmen seien dann zukunftsfähig, wenn sie in ihrem Kerngeschäft die Anforderungen der Gesellschaft berücksichtigten. Dabei verhält sich die Stiftung aus der Welt von BMW aber nicht naiv: Gleichzeitig sei die Gesellschaft aber auch auf die unternehmerische Kraft angewiesen, damit tragfähige Lösungen für ihre Herausforderungen gefunden werden, sind Steininger und Oetinger überzeugt.

Unternehmerischer Ansatz

Auch die Kuenheim Stiftung selbst verfolgt deshalb einen unternehmerischen Ansatz. Das Ziel ist es stets, die Projekte nach der erfolgreichen Erprobung und mit Wirkungsnachweis in die Selbständigkeit zu überführen. Zum einen kann ein Projekt vollständig und unabhängig von der Stiftung an Dritte übergeben und weitergeführt werden. Zum anderen kann eine Idee oder ein Projektkern in vorhandene institutionelle Strukturen, wie zum Beispiel in das Bildungssystem eines Bundeslandes, integriert werden, um so dauerhaft einen Mehrwert innerhalb des „Systems“ zu schaffen. Das ist auch schon in einigen Fällen gelungen. Neben der Eberhard von Kuenheim Stiftung, die im Jahr 2000 gegründet worden ist, gibt es in Deutschland eine weitere Unternehmensstiftung der BMW AG: die im Jahr 1970 gegründete BMW Stiftung Herbert Quandt.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop