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Das Internet der Dinge im Hamburger Hafen

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Die Vernetzung von Maschinen und Dingen über das Internet ist für Deutschland eine Chance. Die Deutsche Telekom hat schon ein paar Ideen dazu, zum Beispiel auf dem Acker oder im Hamburger Hafen.

Das Internet erobert neue Bereiche der Wirtschaft, und Beispiele dafür muss man nicht etwa in Amerika suchen. Sie finden sich auf deutschen Äckern genauso wie im Hamburger Hafen. Mähdrescher und Traktoren des Landmaschinenherstellers Claas zum Beispiel sind in einem gemeinsamen Projekt mit der Deutschen Telekom mit Dutzenden Sensoren ausgestattet worden, die über die schnelle LTE-Mobilfunktechnik miteinander verbunden sind und im Sekundentakt Daten versenden. Diese Vernetzung ist kein Selbstzweck. Tatsächlich geben diese Daten unter anderem darüber Auskunft, wie voll die Korntanks der Mähdrescher sind.

„So lässt sich der Moment optimal bestimmen, an dem der Traktor das Korn während der laufenden Ernte aufnimmt“, sagt Hagen Rickmann, Geschäftsführer von T-Systems, der Geschäftskunden-Tochtergesellschaft der Telekom: „Früher mussten dafür die Traktoren ständig neben den Mähdreschern herfahren. Die neue Technologie spart also Zeit und Kraftstoff und schont die Böden.“ Die Ersparnis für den Landwirt, der eine solche Technologie einsetzt, liegt nach den Angaben von Rickmann schnell mal bei bis zu 1000 Euro am Tag.

Im Hamburger Hafen wiederum hat T-Systems gemeinsam mit SAP und der Hafengesellschaft Hamburg Port Authority ein besonderes Verkehrsmanagement-System entwickelt, um den Verkehrsfluss der Lastwagen, die die Container vom und zum Hafen bringen, besser steuern zu können. Das System gibt den Disponenten in den Speditionszentralen über Tabletcomputer und Smartphones im Cockpit der Lastwagenfahrer jederzeit Auskunft über die aktuelle Position von Fahrzeug und Ladung. Schon auf der Anfahrt Richtung Hamburg liefert das System den Fahrern Informationen über Verkehrsblockaden und über freien Parkraum. „Beides kann den auf begrenzter Fläche immer dichteren Hafenverkehr entzerren und damit die Lieferzeiten verkürzen sowie den Fahrern viel Stress ersparen“, sagt Rickmann. Dabei erreichen nur solche Informationen die Fahrer, die für sie auch sinnvoll sind: „Das ist ein logistisches Gesamtkonzept, das auch auf andere Logistikbereiche wie Flughäfen oder Güterbahnhöfe übertragbar ist.“

Das Projekt wird ausgeweitet

Das Hamburger Projekt läuft unterdessen weiter und wird kontinuierlich ausgeweitet. Derzeit sind 200 Lastwagen verschiedener Speditionen eingebunden, einen weiteren Schub für das Projekt gibt es nach den bisherigen Planungen im Herbst. Dem Vernehmen nach ist die Hafenbehörde von dem Projekt überzeugt. Die Stadt Hamburg schaut offenbar sehr interessiert zu, da die Technolgie Bestandteil einer „intelligenten“ Stadt (smart city) werden könnte.

Die Beispiele machen den abstrakten Begriff „Industrie 4.0“ oder auch die Formel „Internet der Dinge“ besser greifbar. Es geht um nichts weniger als die vierte industrielle Revolution, eine neuen Stufe der Organisation und Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette über den Lebenszyklus von Produkten. Ihre Basis ist die Verfügbarkeit aller relevanten Informationen in Echtzeit – und dieses Szenario dürfte bei nicht wenigen Menschen die Frage nach dem Datenschutz aufwerfen. Die Antwort von Rickmann auf dieses Thema kreist um den Anglizismus „opt-in“. Das heißt, dass die Nutzer zu jeder Zeit freiwillig entscheiden können müssen, welche Daten sie von sich preisgeben wollen, und umgekehrt jede Art von Datennutzung „mit einem Klick“ abbestellt werden kann. Und er ist auch davon überzeugt, dass die Menschen dazu bereit sind, Anbietern, die verlässlich mit Daten umgehen, für ihre entsprechenden Dienstleistungen „5 bis 10 Prozent“ mehr zu bezahlen als Wettbewerbern, bei denen das nicht so ist.

Das Wettbewerbsumfeld für wenig anspruchsvolle Dienstleistungen rund um die Speicherung von Daten beschreibt Rickmann schon heute als „knallhart“. Entscheidend sei es daher, Datenströme „intelligent“ zu machen.

Der Autor auf Twitter: www.twitter.com/carstenknop


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