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Von Bäckern lernen

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Die Sendung, die am Freitagnachmittag dieser Woche mit dem Finale zu Ende gegangen ist, trug den Titel „Deutschlands bester Bäcker“. 72 Bäckereien kämpften um den Titel. Warum das bemerkenswert ist? Die Sendung hat gezeigt, dass man mit handwerklichem Geschick, Kreativität, Teamgeist und Offenheit für neue Vermarktungsformen auch als vermeintlich „kleiner“ Handwerker im neuen Konkurrenzumfeld nicht untergehen muss – im Gegenteil.

Handwerk hat goldenen Boden, sagt man immer. Aber nicht immer mag man das noch glauben, erst recht nicht im Backhandwerk. Denn Brötchen gibt es längst rund um die Uhr mehr oder weniger frisch aufgebacken in jedem Supermarkt oder beim Discounter. Für Brot und manches andere Gebäck gilt das ebenfalls. Die Folge: Rund um den eigenen Wohnort haben in den vergangenen Jahren nicht wenige selbständige Bäcker mit ihren kleinen Geschäften aufgegeben. Wenn überhaupt, so scheint es, haben nur große Filialbetriebe, in denen gewiss nicht mehr ein Bäckermeister für alles verantwortlich ist, gegen die Angebote aus der Supermarkttheke noch eine Chance.

Doch die Welt ist gar nicht so trostlos, wie sie manchmal scheint. Das hat in den vergangenen Wochen eine Fernsehserie im ZDF bewiesen. Sie lief zwar nur im Nachmittagsprogramm, hat aber dennoch einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen – von der jedenfalls die beteiligten Bäckereien lebhaft berichten können, wenn an der Theke von diversen Kunden interessiert nach dem Auftritt bei Fernsehkoch Johann Lafer und seinen Jury-Kollegen gefragt wird.

Die Sendung, die am Freitagnachmittag dieser Woche mit dem Finale zu Ende gegangen ist, trug den Titel „Deutschlands bester Bäcker“. 72 Bäckereien kämpften um den Titel. In den ersten fünf Wochen buken montags bis donnerstags jeweils drei Bäckereien um den Tagessieg. Schließlich mündete alles in eine große Endausscheidung in Berlin. Warum das bemerkenswert ist? Die Sendung hat gezeigt, dass man mit handwerklichem Geschick, Kreativität, Teamgeist und Offenheit für neue Vermarktungsformen auch als vermeintlich „kleiner“ Handwerker im neuen Konkurrenzumfeld nicht untergehen muss – im Gegenteil.

So mag es in der Berichterstattung über die Wirtschaft allzu häufig um die börsennotierten Konzerne aus der großen weiten Welt gehen, um die Globalisierung, die Konkurrenz aus Asien, um die Konjunktur in China und Amerika. Auffallen kann man in einer größeren Öffentlichkeit aber auch anders – und vor allem positiv. Wie das geht, zeigen die Auswahlkriterien zur Teilnahme an der Dauerwerbesendung für das deutsche Backhandwerk. Und der Hinweis auf die Werbung ist in diesem Zusammenhang als dickes Lob zu verstehen.

Wenn der Bäcker selbst noch für die Qualität der Produkte verantwortlich ist, vorzugsweise regionale Produkte verwendet und keine Fertigmischungen oder Teiglinge verwendet werden, eine große Auswahl geboten wird, man auch unkonventionell, französisch, türkisch oder griechisch backen, dabei noch innovativ sein kann und das Ladengeschäft sowie die Präsentation der Ware überzeugt, dann kann man auch im Kleinen ganz groß sein.

Wer sich genau anschaut, welche Bäcker nach vorne gekommen sind, erkennt dabei, dass Lehrjahre für den erfolgreichen Handwerker immer noch Wanderjahre sind – weil von verschiedensten Lehrmeistern aus unterschiedlichen Regionen und Ländern Erfahrungen erworben wurden. Und es zeigt sich, dass gute Produkte und eine gelungene Präsentation im Laden durchaus auch mit einer engagierten Präsenz auf neuen Social-Media-Kanälen wie zum Beispiel Facebook verbunden sein können.

Davon können sich viele eine Scheibe abschneiden: Angestellte in normalen Büros, denen es am Schwung fehlt, auf Stellen außerhalb der Zentrale zu wechseln, unternehmerisch zu denken oder auch nur mit ihrem Unternehmen in der Social-Media-Welt aktiv zu werden, ebenso wie große Konzerne, die einen großen Teil ihrer Energie darauf verwenden, möglichst keine Steuern mehr zu bezahlen. Handwerker stehen für das, was sie tun, mit ihrem eigenen Vermögen gerade. Sie zahlen die Steuern in Stadt und Land. Die Erfolgreichen unter ihnen sind bereit, sich stetig weiterzubilden – und untereinander vernetzt sind sie sowieso. Danke also für den Einblick in eure Erfolgsrezepte, liebe Bäcker. Und jetzt auf zum Brötchenkaufen. Der Espresso danach schmeckt dann umso besser.


1 Lesermeinung

  1. Lernen und Bildung : Brot und Laib!
    da kann man mit bezaubernden Bildern und aromvollen Sprache eine versunkene Welt herauf beschwören,oder die Realwirtschaft beziehungsweise ein Handwerk engagiert fördern und gestalten ,und warum Wirtschaftsberichterstattung immer so fern an vielen Stellen den Fundamenten einer Staatswirtschaft bleibt,macro Indizes statt micro Indizes,hier geht es um Begriffe die man kaum noch für wichtig hält zu differenzieren,das Handwerk ohne ernsthafte Nachforschungen an zu stellen wie wichtig im jedes Zusammenlebensumfeld das alltägliche Handwerk,Bäckerei oder Metzger,nicht nur rein wirtschaftlich aber außerdem gesellschaftlich tatsächlich wie Sozialhefe benötigt sei nicht nur auf den Magen.Das Handwerk vernachlässigen schadet ,ich meine das Handwerk über Generationen,und ganz und gar nicht einige Großanbieter. Das Komsumverhalten hat auch so einiges damit von und zu tun,selbstverständlich.

    Da gibt es bei Schrifsteller zwei äußersten:z.B. Peter Kurzeck’s Vorabend- das Verschwinden- und voller Witz Meir Shalev’s עשף,Esau,drei Generationen Bäcker.
    Danke für das immer wieder betonen wie wichtig Familienunternehmen im Wirtschaftsbetrieb immer gewesen sein!…und bleiben.

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