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Eckhard Cordes: Er ist wieder da

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Eckhard Cordes ist wieder da. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro und der Duisburger Familienholding Haniel, davor Vorstandsmitglied von Daimler, war bisher eben genau das: ein Ehemaliger

Eckhard Cordes ist wieder da. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro und der Duisburger Familienholding Haniel, davor Vorstandsmitglied von Daimler, war bisher eben genau das: ein Ehemaliger. Gut, natürlich ist Cordes auch der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft – und das ist immerhin die Interessenvertretung von rund 600 Unternehmen mit gewichtigen wirtschaftlichen Interessen in Russland. Aber das ist im Moment eine Aufgabe, mit der man auf dem gesellschaftlichen und politischen Parkett in Deutschland nicht punkten kann.

Im Gegenteil ist Cordes in den Wochen seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise manches Mal zerrieben worden: zwischen den Wünschen der Manager, die gar nichts von Sanktionen gegen Russland halten und vor allem ihren Umsatzverlust im Blick haben einerseits, und den Hinweisen aus dem Kanzleramt andererseits, dass auch die Wirtschaft mit Blick auf die Geschäfte im Osten vorsichtig sein sollte.

Offensive Arroganz

Sein Verhalten brachte Cordes einiges an schlechter Presse ein, aber das ist er in seinem Leben schon gewohnt. Journalisten begegnet er deshalb mit offensiver Arroganz, die nach einigen Jahren der Bekanntschaft in anerkennende Neutralität umschlagen kann, aber nicht muss. Viel Feind, viel Ehr, das konnte man beim Blick auf das Netzwerk um Cordes schon immer sagen. Und gemessen daran, hat er sich in den vergangenen Jahren sogar recht gut geschlagen. Die Arbeit im Ost Ausschuss allerdings ist ein wirklich hartes Brot, dagegen wirken die Auseinandersetzungen um die Zukunft von Karstadt und Kaufhof mit Investoren wie René Benko und Nicolas Berggruen geradezu wie Sandkastenschlachten. Russland, das ist ein anderes Kaliber, zumal er Vertreter extrem widerstreitender Interessen ist. Die Manager, die er vertritt, sind sich schließlich alles andere als einig. Ein Mittelständler kann die Dinge völlig anders sehen als der Chef eines Flugzeugherstellers.

So kommt es, dass Cordes’ Beziehungen in die CDU schon einmal sehr viel besser waren. Schien es doch erst, er sei gegen Sanktionen für Russland, dann wieder dafür. Vergangene Woche erst war er mit einer Delegation in Russland, um den Gesprächsfaden aufrechtzuerhalten. Berichtet wurde darüber aber nur in russischen Staatsmedien. Die Dinge verlaufen eben genau so, wie man sich das Dasein eines Ehemaligen vorstellt, eines eitlen Managers, der von vermeintlich repräsentativen Posten nicht lassen kann, obwohl sie seinem Ruf ganz offensichtlich schaden.

Rührig, pfiffig – und nun?

Das war der Stand der Dinge bis zum Montag dieser Woche. Seit Dienstag aber ist Cordes wieder wer. Denn der 63 Jahre alte Cordes ist nicht nur rührig, sondern auch pfiffig – und hatte neben seiner Lobbytätigkeit für die deutschen Unternehmen mit Interessen in Russland noch ein weiteres Eisen im Feuer, aus dem sich nun Funken schlagen lassen. Cordes arbeitet mit dem schwedischen Finanzinvestor Cevian zusammen, hat sich dort vor zwei Jahren als Partner eingekauft. Und diese Verbindung hat ihm nun dazu verholfen, Mitglied des Aufsichtsrats des angeschlagenen Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger in Mannheim zu werden. Umgehend wurde Cordes dort auch zum Vorsitzenden des Gremiums bestellt und soll nun aufräumen.

Damit ist Cevian im Kontrollgremium des Mannheimer Unternehmens von nun an mit zwei Personen vertreten. Das ist recht, wenngleich – gemessen am bisherigen finanziellen Erfolg der Beteiligung – nicht billig. Denn die Schweden halten schon mehr als ein Viertel der Anteile an Bilfinger. Cordes darf und muss nun also noch einmal zeigen, was er kann. Vor allem muss er einen Vorstandsvorsitzenden finden. Der wiederum muss das Vakuum ausfüllen und die Verwirrung beenden, die in den Monaten vor und nach dem Abgang des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch vom Bilfinger-Chefsessel entstanden ist. Insofern wird Cordes’ Erfolg oder Misserfolg im politischen Berlin, das ihm so wichtig ist, durchaus Beachtung finden.

Cevian wird den Erfolg des Einsatzes von Cordes wiederum ganz allein am Aktienkurs messen. Denn da gibt es Luft nach oben, ist der Kurs der Papiere seit dem Rücktritt Kochs Anfang August doch von 61 Euro auf unter 46 Euro gefallen. Cordes hat aber das Glück, dass Cevian zumindest nach außen kommuniziert, man habe Geduld und investiere langfristig. „Weil wir wissen, dass man Unternehmen nicht in wenigen Quartalen erfolgreich ausrichten kann“, wie der Cevian-Partner und Bilfinger-Aufsichtsrat Jens Tischendorf sich jüngst zitieren ließ. Nur gut, dass Cordes’ Ruf bisher wenig von Geduld geprägt ist, insofern ist er vermutlich genau der richtige Mann für Bilfinger.

Macht er seine Sache deshalb auch schon kurzfristig recht gut, könnte dem Vater von vier Kindern, der in zweiter Ehe verheiratet ist, noch eine weitere Chance der Rehabilitation in der Konzernwelt winken – und das ausgerechnet im Ruhrgebiet, wo seine Zeit bei Haniel und Metro in, wenn man so will, ambivalenter Erinnerung ist. Denn Cevian ist auch mit gut 15 Prozent an Thyssen-Krupp beteiligt. Und wenn dort im kommenden Jahr ein oder zwei Cevian-Vertreter in den Aufsichtsrat berufen werden sollten, dann könnte Cordes der Mann der Stunde sein. Wenn da nur diese blöde Arbeit im Ost-Ausschuss nicht wäre, die ihm derzeit viel mehr Arbeit macht, als er sich das eigentlich vorgestellt hatte.

Mit Plan C

Wenn indes alle Stricke reißen, dann hat ein Eckhard Cordes immer noch einen Plan C, weil die Cevian-Partnerschaft nur sein zweites, größeres Engagement in der Finanzszene ist. Gemeinsam mit Freunden hat er auch den auf mittelständische Investments spezialisierten Beteiligungsfonds Emeram Capital gegründet, der Unternehmen aufkauft und ihnen vor allem dabei helfen will, mit der Auslandsexpansion voranzukommen. Es muss ja nicht nach Russland sein