Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Und jetzt: Auld Lang Syne (Nehmt Abschied, Brüder)

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Über so ein Jahr hinweg kommen eine ganze Menge Mitteilungen ins Haus – und wenn das Jahr zu Ende geht, wird aufgeräumt. Dabei kann so manches zusammenkommen, aber hier hätten wir ein Schriftstück beinahe zu hastig weggeworfen. Absender waren die Kommunikatoren eines Internetangebots zum Erlernen von Sprachen mit dem erstaunlichen Namen „busuu“. Das Thema: die Silvesterbräuche rund um die Welt. Für uns wird daraus beim Espresso ein willkommener Anlass, ein paar Gedanken über das Jahr Revue zu passieren lassen.

„Happy New Year“ jedenfalls wünscht man sich rund um den Globus, ist Englisch doch in mehr als zwei Dutzend Ländern dieser Welt Haupt- und Nationalsprache. So weit, so wenig überraschend. Vielen Englisch-Muttersprachlern gemeinsam ist jedoch, dass sie um Mitternacht die Gläser erheben und die schottische Ballade „Auld Lang Syne“ anstimmen, um der Verstorbenen des zu Ende gegangenen Jahres zu gedenken – und das war uns selbst in vier Jahren als Korrespondent in den Vereinigten Staaten nie so richtig klargeworden. Der deutsche Titel lautet übrigens „Nehmt Abschied, Brüder“. Gerade mit Blick auf das zu Ende gehende Jahr fallen uns da ein paar ein, um die wir trauern.

Noch weniger bekannt dürfte die schottische Tradition sein, das Glück und die Liebe anzulocken. In Schottland sagt man, dass der erste Besucher im neuen Jahr Glück ins Haus bringt, insbesondere wenn er groß, hübsch und männlich ist. Darum ziehen junge schottische Männer nach Mitternacht, mit dem traditionellen Kilt bekleidet, mit einer Flasche Whisky, einem Stück Kohle sowie einem Früchtekuchen mit Rosinen, Zitronenschalen und Mandeln bewaffnet, dem Black Bun, um die Häuser und klopfen bei Freunden und Verwandten. Dass die Schotten das auch weiterhin als Teil Großbritanniens tun und dort unter einem Dach mit den Engländern geblieben sind, mag dem einen oder anderen der verwegenen Männer mit ihren Früchtekuchen inzwischen wieder wie eine bessere Idee vorkommen: vor allem dann, wenn sie in der Zeitung die Entwicklung des Ölpreises verfolgt haben, von dem auch die schottische Wirtschaft sehr abhängig ist.

Während die Schotten also darauf warten, dass das Neujahrsglück an die Haustür klopft, müssen die Spanier („Feliz Año Nuevo“) um Mitternacht Konzentration und Geschick beweisen. Eine weitverbreitete spanische Silvestertradition ist, in den zwölf Sekunden vor Mitternacht zwölf Trauben zu verputzen. Wer keine Kirchenuhr in der Nähe hat, lauscht im Fernseher den Glocken. Zu jedem Glockenschlag der Turmuhr wird eine Traube gegessen und ein geheimer Wunsch gehegt. Dabei darf man sich weder verzählen noch verschlucken, sonst gehen die Wünsche nicht in Erfüllung. Viele der Wünsche der Spanier dürften sich dabei um die weitere ökonomische Gesundung ihres Landes drehen. Hoffen wir in Europa also alle gemeinsam, dass sie sich weder verschlucken noch verzählen.

Die Argentinier nutzen den Silvestertag traditionell, um sich des Ballasts des alten Jahres zu entledigen. Da fiele uns vor allem das verlorene Finale der Fußball-Weltmeisterschaft ein: Vor allem in Buenos Aires schreddern und zerreißen die Menschen am 31. Dezember daher ihre Unterlagen und Papiere aus dem Vorjahr (zum Beispiel Fußballeintrittskarten) und werfen sie zum Fenster hinaus. So befreien sie sich nicht nur von alten Lasten, sondern bescheren gleichzeitig auch den Kindern, die sich über den Papierschnee freuen, ein weißes Neujahr bei sommerlichen Temperaturen – und die Niederlage gegen unsere Nationalmannschaft hat so noch etwas Gutes.

Italienische Männer („Buon Anno Nuovo“) verschenken am Silvestertag rote Unterwäsche an ihre Freundinnen, Frauen und sogar an ihre Mütter. Denn in Italien besagt die Tradition, dass, wer fröhlich und glücklich sein möchte, im roten Höschen ins neue Jahr rutschen soll. So wird uns jetzt klar, warum mit der Pizza auch die weihnachtliche Dessouswerbung nach Deutschland gekommen ist – und wir denken über die italienischen Momente im Leben nach. Beim Espresso natürlich.


2 Lesermeinungen

  1. MF87 sagt:

    Eine Mitteilung mit Ballast
    ein hervorragende sozioökonomische -historische Studie: Capitalism,as Woven Through Cotton by Sven Beckert.( Books,NYT)

  2. MF87 sagt:

    Trost,Abschied,2015 oder 5775 oder...
    ich verstehe nicht,wovon sie sprechen,ich bin eben nicht in der Lage etwas wie Jahreswechsel zu verstehen,nicht mit und nicht ohne Tee oder Expresso,wirklich verstehen.was passiert ist,und die ganze Komödie,nun ja ich kann Dante lesen und verstehen?….ihr Essay hat etwas bitter saüres und bekämpt eine Hoffnungslosigkeit ,nicht erstarrn ,sich regen,immer regen dan meine ich die Nationalwirtschaft ,nicht erstarren in Lokalpatriotismus,oder was auch immer,etwas für Literaturkritiker,ist ein Jahreswechsel einen moment der Freiheit?,andere Wege sind immer da,ich weiss es ganz genau,nicht nur epistemologisch gemeint,,ich weiss es nicht,sie verstehen Abschiede,wirklich,das sich etwas ,jemanden auslöschen kann sollte,Krankheit,Politische Systemen(“Wir sind…”),aber der Anfang ist immer ein Wort,Wörter…verfluchte Wörter,ja dan lese ich immer mit Vergnügen streng faktische Wirtschaftsberichte,dass sollte sie nicht wundern wie Wirtschaftswissenschaftler,immer lese ich ihre Essays mit Neugier und Vergnügen,was immer gemeinst wird,ich wünsche Ihnen ein Jahr ohne ernshafte Verzögerungen und en pleine Santé!,und Joyces Finnegans Wake möchte ich ihnen nicht vorenthalten,wie sie die Schotten an Anfang ihrer Rede: “Loonely in me loneless.For all their faults.I am passing out.O bitter ending!….The keys to.Given!A way a lone a last a loved a long the”(Seite 627+628).

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