Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Prozesse, Skandale, Erfolge und Abschiede: Das Manager-Jahr 2014

Die Antwort auf die Frage, ob erfolgreiche Politiker im späteren Leben erfolgreiche Manager sein können, ist in diesem Jahr nicht leichter geworden. Sicher ist aber, dass ihre Wechsel in die Wirtschaft in Deutschland noch immer sehr viel Staub aufwirbeln. Ronald Pofalla von der CDU kann demnächst als Führungskraft und wohl auch späteres Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn beweisen, wie wertvoll seine Kontakte für einen Konzern wirklich sind, der von Fernbussen im Personenverkehr angegriffen wird und erheblichen Gesprächsbedarf mit den im Haus vertretenen Gewerkschaften hat. Hier ist das Ende also offen, nur die Aufregung um die Personalie, die war in jedem Fall groß. Aufhorchen ließ seinerzeit auch der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch, als er zum Vorstandsvorsitzenden des Bau- und Industriedienstleisters Bilfinger Berger in Mannheim berufen wurde.

Die Beziehung, die im Jahr 2011 eingegangen wurde, schien sogar eine recht erfolgreiche zu sein – bis das Jahr 2014 kam. Denn seit dem vergangenen Sommer ist klar, dass der bisher spektakulärste Wechsel eines Politikers in ein Unternehmen ebenso spektakulär gescheitert ist. Koch musste seinen Posten im Konzern, den er zwischenzeitlich in Bilfinger SE umgetauft hatte, räumen. Kurz zuvor hatte er zum zweiten Mal binnen Wochen die Gewinnprognose für das laufende Jahr senken müssen. „Für ein unverändert erfolgreiches Unternehmen wie Bilfinger ist Berechenbarkeit am Kapitalmarkt ein wichtiges Gut. Durch zwei kurz aufeinanderfolgende Gewinnwarnungen, für die ich als Vorstandsvorsitzender einstehe, ist dieses Vertrauen erschüttert“, räumte Koch daraufhin ein. „Wesentliche Teile des Aufsichtsrats und ich stimmten bei der Beurteilung der unmittelbaren nächsten notwendigen Maßnahmen nicht ausreichend überein.“

Koch hatte also in diesem Fall zwar nicht den Rückhalt der Wähler, wohl aber den des Bilfinger-Großinvestors Cevian verloren. Zu seinem finanziellen Schaden war das nicht. Zum einen hatte Koch sein vorheriges Gehalt als Ministerpräsident auf 2,3 Millionen Euro (2013) vervielfacht. Zum anderen bekommt er seine Bezüge noch zwei Jahre lang bis Ende der regulären Vertragslaufzeit 2016 ausgezahlt. Koch habe viel versprochen, wenig gehalten und nicht die Fähigkeiten mitgebracht, ein operatives Industriegeschäft zu leiten, hieß es zu seinem Abgang.

Ein anderer hatte in diesem Jahr das Glück, Millionen zu erhalten, obwohl er das Amt, für das er ursprünglich vorgesehen war, gar nicht antreten musste. Beim Autozulieferer Schaeffler, der seit Jahren immer wieder für eine Schlagzeile gut ist, wurde Klaus Deller noch vor seinem ersten Arbeitstag wieder vor die Tür gesetzt – nun kehrt er als Chef wieder zu seinem früheren Arbeitgeber zurück: Anfang kommenden Jahres wird Deller Vorstandsvorsitzender des Bremsenherstellers Knorr-Bremse. Zuvor war Deller schon von Mai 2009 bis Ende Juni dieses Jahres Vorstandsmitglied bei Knorr-Bremse gewesen und war dort für das Nutzfahrzeuggeschäft des Unternehmens zuständig gewesen. Bei Schaeffler sollte er ursprünglich zum 1. Juli den Chefposten übernehmen, doch hatten die Alleingesellschafter Georg Schaeffler und Mutter Maria-Elisabeth Schaeffler kurz vor seinem Amtsantritt entschieden, dass Interims-Vorstandschef Klaus Rosenfeld den Posten für weitere fünf Jahre behalten soll. Hätten sie sich darauf vorher einigen können, hätten sie viel Geld gespart.

Nun war dieses Führungschaos wenigstens am Ende keins, da ja letztlich alles beim Alten blieb. Für den Autoklub ADAC, der mit einigen Skandalen und denn daraufhin unvermeidlichen Rücktritten in der Führung für die ersten spannenden Schlagzeilen des Jahres gesorgt hat, gilt das freilich nicht. Nach Bekanntwerden der Fälschungen beim Autopreis „Gelber Engel“ und anderen Enthüllungen wie der zweckwidrigen Nutzung von Rettungshubschraubern war der ADAC, der in Wahrheit einem Konzern ähnlich ist, in eine tiefe Vertrauenskrise gestürzt. Der neue Hoffnungsträger heißt hier August Markl, der mit großer Mehrheit zum Präsidenten gewählt wurde. Er hatte das Amt zuvor kommissarisch inne, nachdem der langjährige ADAC-Präsident Peter Meyer im Zuge der Krise im Februar abgetreten war. Ein anderer wollte sich die Rettung des ADAC nicht antun.

Letztlich hat der Klub mit seinen 19 Millionen Mitgliedern das ganze Jahr gebraucht, um sich neu zu sortieren. Erst im Dezember wurde die strikte Trennung von Pannenhilfe und kommerziellen Aktivitäten beschlossen: Die wirtschaftlichen Tätigkeiten und das Firmengeflecht des Autoklubs sollen in eine Aktiengesellschaft ausgegliedert werden, damit der ADAC seinen steuermindernden Status als eingetragener Verein behalten kann.

Und schon an den ersten Beispielen zeigt sich: Die Krisen werden in der Regel von Männern verursacht – und zur Bewältigung derselben holt man dann wieder einen Mann. Als Bestandsaufnahme lässt sich dieser Zustand der Managerwelt auch statistisch belegen. Denn auch wenn es manchem männlichen Manager mitunter so vorkommt, als ob in letzter Zeit nur noch Frauen befördert würden – die Zahlen sprechen noch eine andere Sprache. Von allen offenen Vorstands- und Aufsichtsratspositionen, die in den vergangenen zwölf Monaten hierzulande neu besetzt wurden, gingen drei von vier an einen Mann. Nur in 23,1 Prozent der Fälle kam eine weibliche Kandidatin zum Zuge, hat die Personalberatung Egon Zehnder International (EZI) in einer Studie ermittelt.