Ad hoc

Der Rekord von Apple und die Frage nach den Steuern

Die spektakulären Ergebniszahlen, die der kalifornische Elektronikkonzern Apple im Weihnachtsquartal 2014 erwirtschaftet hat, werfen natürlich auch die zunächst nur am Rande beleuchtete Frage auf, wie viel Steuern das Unternehmen angesichts seines Rekordergebnisses in den vergangenen drei Monaten gezahlt hat. Ein genauerer Blick in die unter www.sec.gov recherchierbaren Unterlagen zeigt: Apple hat in dem Quartal einen Gewinn vor Steuern von rund 24,41 Milliarden Dollar verbucht. Die Steuerquote liegt bei rund 24 Prozent, also wurden 6,39 Milliarden Dollar Steuern gezahlt.

Wie viele Steuern dadurch vermieden worden sind, dass rund 89 Prozent der liquiden Mittel im Ausland liegen – und dort diverse (legale, aber nicht immer legitime) Strategien zur Steuervermeidung genutzt werden, lässt sich schwer beurteilen. Würden diese Gelder in die Vereinigten Staaten zurückgeholt, müssten darauf jedenfalls 35 Prozent Corporate Tax gezahlt werden. Dieser Wert ist für die meisten amerikanischen Unternehmen prohibitiv hoch – weshalb es in Washington seit geraumer Zeit eine politische Diskussion darüber gibt, ob an dieser Reglung etwas geändert werden sollte. Greifbare Fortschritte sind dabei aber noch nicht erzielt worden.

Insgesamt verfügt Apple über liquide Mittel von 178 Milliarden Dollar. Allerdings sind dem Schulden von 35 Milliarden Dollar entgegenzustellen, so dass Apple letztlich eine Nettoliquidität von 142 Milliarden Dollar in den Büchern hat (die immer noch reichen würde, um zum Beispiel den Pharmakonzern Bayer zu kaufen). Warum Apple angesichts der exorbitant hohen Mittelzuflüsse überhaupt Schulden hat, hängt mit den kurz skizzierten steuerlichen Reglungen in den Vereinigten Staaten zusammen. Weil diese Regeln zur Besteuerung von aus dem Ausland zurückgeholten Geldern nicht nur in den Augen des Apple-Vorstandsvorsitzenden Tim Cook für das Unternehmen unvorteilhaft sind, hat der Konzern in seinem Heimatland eben nur Zugriff auf 11 Prozent seiner Liquidität. Und da natürlich ein jeder Geldgeber froh ist, einem so solventen Unternehmen wie Apple Kredit zu gewähren, sind die Zinsen, die der Elektronikkonzern für diese Fremdmittel zu zahlen hat, denkbar niedrig. Das Geschäft rechnet sich für Cook also in jedem Fall.

Verwaltet wird die Apple-Liquidität, die zum Teil natürlich auch in kurzfristig handelbaren Staatsanleihen gehalten wird, über eine Tochtergesellschaft von Apple mit dem Namen Braeburn Capital, die aus gutem Grund in der Stadt Reno im amerikanischen Bundesstaat Nevada sitzt. Denn dort fallen keine Unternehmenssteuern an. Im angelsächsischen Raum wird Braeburn als einer der größten Hedge-Fonds der Welt bezeichnet.

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