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Ein Minicomputer erobert die Welt: Kennen Sie den „Raspberry Pi“?

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Nur auf den allerersten Blick ist dies eine Nachricht, die vor allem Computerbastler interessiert: Die britische Raspberry- Pi-Stiftung hat überraschend den Raspberry Pi 2 Model B vorgestellt. Was das ist? Der im Vergleich zu normalen Personalcomputern sehr einfach aufgebaute Rechner wurde von der Stiftung mit dem Ziel entwickelt, den Erwerb von Programmier- und Hardwarekenntnissen zu erleichtern. Und der Erfolg ist groß: Bis August 2014 wurden mehr als 3,8 Millionen Geräte verkauft. Die Neuauflage des im Jahr 2012 in der ersten Version vorgestellten Minicomputers verfügt nun über einige Hardware-Verbesserungen, die ihn bis zu sechsmal schneller als seinen Vorgänger machen sollen.

Die wichtigste Neuerung ist ein sogenannter „System on Chip“: Der mit Lizenz des britischen Unternehmens ARM gefertigte Prozessor des Herstellers Broadcom rechnet mit vier Kernen, die jeweils mit 900 Megahertz getaktet sind. Zudem sind 1 Gigabyte Arbeitsspeicher auf der Miniplatine verbaut. Entscheidend sind die technischen Details aber nicht um ihrer selbst willen: Vielmehr wird der Raspberry Pi 2 mit ihrer Hilfe künftig auch eine Version des neuen Betriebssystems Windows 10 des amerikanischen Softwarekonzerns Microsoft unterstützen. Diese Windows-10-Version wird kostenlos im Rahmen des Windows Developer-Programms für das Internet der Dinge an die Raspberry-Nutzer verteilt. Und das ist eine höchst bemerkenswerte Entwicklung. Denn bisher war die sogenannte „Maker“-Szene aus „Open-Source“-Nutzern, also von Anwendern lizenzgebührenfreier Software, die von einer großen Gemeinde freier Programmierer weiterentwickelt wird, Microsoft eher zuwider.

Zunächst ändert sich auch noch gar nichts: Der Raspberry Pi 2 wird wieder mit der schon in den Vorgängermodellen genutzten Umgebung des Betriebssystems Linux in Gang gesetzt. Die Hardware ermöglicht nach den Worten des Raspberry-Pi-Gründers Eben Upton die Ausführung aller Linux-Distributionen, die es derzeit gibt. (Das „Pi“ wiederum steht für „Python interpreter“, denn ursprünglich sollte der Rechner mit der Programmiersprache Python geliefert werden.) In der „Maker“-Szene setzt man bisher aus tiefer Überzeugung auf Linux und will mit Microsoft gar nichts zu tun haben. Die Abneigung beruhte also auf Gegenseitigkeit. Die neue Führung von Microsoft unter dem Vorstandsvorsitzenden Satya Nadella hat aber begriffen, dass man sich mit der „Maker“-Kultur auseinandersetzen muss, wenn man im Internet der Dinge mitspielen will. Denn „Maker“ sind Kreative, die ihre Ideen gar nicht selten später als Jungunternehmer erfolgreich auf den Markt bringen.

Auf diese Weise entstehen jeden Tag innovative Programme für das „Internet of Things“, das auch die Grundlage für das in Deutschland gebräuchliche Schlagwort von der Industrie 4.0 ist: Das ist eine Welt voller permanent miteinander verbundener Geräte. Es geht also um in physikalische Objekte eingebettete Computer, welche die Funktionen der Objekte verwalten, automatisch eine Verbindung zum Internet aufbauen und Abfragen und Befehle ausführen können. Irgendwo hier liegt der Schlüssel für viele europäische Unternehmen, wieder Anschluss an einen schnell wachsenden Teil der digitalen Wirtschaft zu bekommen.

Einer Analyse des Marktforschungsinstituts Gartner zufolge wird die Anzahl der an das Internet angeschlossenen „Dinge“ auf 25 Milliarden im Jahr 2020 steigen. Microsoft will da nicht außen vor bleiben. Und Raspberry-Mitgründer Upton hat, anders als mancher seiner Nutzer, keine Berührungsängste: Nach seinen Worten hat Microsoft mit dem Raspberry Pi „noch viel mehr vor“. Gemeinsam mit Microsoft und seinen Entwicklungsumgebungen könne der Raspberry Pi Einzug in Industriesteuerungen halten. Bastler legten nicht unbedingt an erster Stelle Wert auf Sicherheit, sagte er der britischen Technologienachrichten-Website „The Register“. Microsoft aber habe den Anspruch, das sicherste Betriebssystem für Anwendungen im Internet der Dinge zu bauen – und das sei ja nicht unbedingt falsch.

Jenseits dieser großen Ankündigungen hat sich die kleine Platine von Uptons Mini-PC nicht verändert. Sie ist genauso groß wie zuvor – was für Nutzer von Vorgängermodellen Vorteile hat: Wer ein bestehendes System aufrüsten will, kann das ohne den Kauf eines neuen Gehäuses tun. Alle Schnittstellen sind am gleichen Ort, und die Kompatibilität zum Vorgänger ist gewährleistet. Alles, was mit dem älteren Modell geht, sollte deshalb mit der neuen Generation keine Probleme bereiten. Die Raspberry-Pi-Stiftung wird die älteren Varianten des Rechners zudem nach wie vor anbieten. Der Preis hat sich ebenfalls nicht verändert. Auch der Pi 2 wird rund 30 Euro kosten. Und falls Privatbastler mit Industriesteuerungen nichts am Hut haben, können sie sich trösten: Nach der Meinung von Fachleuten dürfte der Raspberry Pi 2 ein alltagstauglicher Mini-Personalcomputer selbst für Multimedia-Anwendungen sein.


3 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    Zitat’Wollen wir hoffen dass der GCHQ hier nicht irgendwelche Überwachungsfunktionen eingebaut hat.‘ German Angst. Mich kotzt das an so langsam. Ich habe es als Honey pot, damit meine zwei PC (linux), mein Brett und so sicherer sind. Ich habe noch welche fuer meinen Proof Drucker, meine Farb Laser und Grossformat Drucker. Im keller steht der Farb Laser Kopier A3 Doppelseitig, da wirkt er mit einer Platte auch als Drucker spooler, fuer klein Auflagen. Fuer Linux gibt es ‚Echt Zeit‘ Kerne, wo gibt es die fur Windows? Linux kann echtes Multi Tasking. Wo kann Windows das? Kommt da mal was?

  2. Der Rechner wird auch normale PCs ersetzen ..
    Der RasPi1 war aufgrund der geringen Performance fast nur für das Internet der Dinge nutzbar. Obwohl bereits dieses Gerät als extrem langsamer PC oder Webserver genutzt werden konnte. Es gab aber schob versuche wie selbstgebaute Tablets.
    Der RasPi2 ist ausreichend als PC für Wenig-bzw Normalnutzer.
    Wollen wir hoffen dass der GCHQ hier nicht irgendwelche Überwachungsfunktionen eingebaut hat.
    Mit VNC lässt sich der Rechner remote bedienen so dass nicht einmal mehr eine Tastatur und Monitor notwendig sind. Schon die bisherige Linux Grafik Oberfläche war gut.
    Zusammen mit der seit vielen Jahren verfügbaren Arduino Plattform (nahezu alle 3D Drucker funktionieren auf dieser Basis) und nun dem BQ Ubuntu Linux Telefon sind uns viele interessante Ideen und Anwendungen sicher.
    Möglicherweise kommt wieder die Elektronik Bastlerszene der 70er und 80er Jahre. Ebon Upton bleibt bei seiner Aussage dass das Gerät primär für Schüler gedacht ist.

  3. Mit ein bisschen Kenntnis der Szene interessiert mich eine Frage:
    Wie gross war der shitstorm auf twitter und facebook, als die Fangemeinde des Raspberry Pi zur Kenntnis nehmen musste, dass ihr Lieblingswerkezeug jett auch mit „Windows“ läuft? Dass es einen gegeben hat, setze ich als sicher voraus?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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