Ad hoc

Dürre in Brasilien und Kalifornien: Der Kampf ums Wasser

Es ist Zeit, trotz aller politischen und wirtschaftlichen Krisen, welche die Welt in Atem halten, intensiver über das Thema Wasser nachzudenken. In Brasilien droht nach einer Dürre in Teilen des Landes eine Rationierung der Wasser- und Stromversorgung. Die Reservoirs der Stauseen sind auf Tiefstände gesunken; in São Paulo kommt wegen des abgesenkten Wasserdrucks seit Monaten in vielen Haushalten kaum noch Wasser an. Noch ist unklar, ob die Regenzeit nachhaltige Abhilfe schaffen wird. In Teilen Kaliforniens wiederum hält die Dürre schon seit Jahren an – inzwischen häufen sich von dort die Meldungen über Versuche, Wasser illegal von Leitungen oder Hydranten abzuzapfen. Der Kampf um das Wasser hat begonnen.

Das Problem ist, dass vor Veranstaltungen, auf denen sich die globale Elite trifft, seit Jahren über das Thema gesprochen, zur Lösung der Schwierigkeiten aber wenig Substantielles beigetragen wird. Im aktuellen Tagesgeschäft sind stets andere Dinge wichtiger. Zum einen wird viel zu wenig Geld für den Ersatz und die Wartung der Infrastruktur investiert. Die OECD schätzt, dass hierfür kurzfristig eine sehr hohe dreistellige Milliardensumme ausgegeben werden müsste. Zum anderen haben noch immer fast 800 Millionen Menschen überhaupt keinen Zugang zu sauberem Wasser, und fast 2,5 Milliarden finden in ihrer Umgebung keine angemessenen sanitären Einrichtungen vor. Wassersicherheit ist damit eine der am schnellsten an Bedeutung gewinnenden Herausforderungen unserer Zeit. Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach sauberem Wasser stetig zunimmt: Im Jahr 2030 könnte es zwischen der dann erwarteten Nachfrage und der verfügbaren Versorgung eine Lücke von 40 Prozent geben. Verbessert sich die Versorgungslage mit Wasser nicht, droht allein aus diesem Grund eine weitere Verschlechterung der Sicherheitslage und eine Nahrungsmittelkrise.

Die Wasserknappheit ist stets lokal. Die Lösungen aber erfordern eine Zusammenarbeit von Staaten auf der ganzen Welt, was die Dinge kompliziert macht. Ein Blick auf die Bemühungen zum Klimaschutz zeigt, dass man die Interessen arrivierter Industriestaaten und von Schwellenländern kaum unter einen Hut bringen kann. Das ist beim Wasser nicht anders. Während man sich aber noch darüber streiten kann, welche Maßnahmen zum Klimaschutz geboten sind, kann es keinen Zweifel daran geben, dass sich sauberes Wasser schneller erschöpft als erneuert.

Die mobile Version verlassen