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VW, BVB – und kein Bla-Bla: Auf einen Espresso

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Das ist die neue Welt: Die französische Firma Bla-Bla-Car wird bald zum dominierenden Anbieter von Mitfahrgelegenheiten in Deutschland. Bla-Bla-Car übernimmt den Konkurrenten Carpooling, der die Websites „mitfahrzentrale.de“ und „mitfahrgelegenheit.de“ betreibt. „Wir wollen als wichtigste Alternative zu Bus und Bahn wahrgenommen werden“, sagte Bla-Bla-Car-Mitgründer Nicolas Brusson zur Begründung. Und die Ziele passen zu einer wahren Goldgräberstimmung rund um neue Geschäftsmodelle im Netz: „Wenn ich mir heute in Deutschland Bla-Bla-Car und Carpooling zusammen anschaue, sind wir vielleicht bei einem Zehntel der Dimension, die wir erreichen wollen.“ Bei einem Zehntel!

Das ist die alte Welt: In seiner Autobiographie widmet Ferdinand Piëch seiner Auffassung von Unternehmensführung ein ganzes Kapitel. „Mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt“, schreib er dort. Der Einblick in die Gedankenwelt des alten Mannes von VW gewann nach dessen Versuch eines Bruchs mit seinem Vorstandsvorsitzenden, dem gar nicht so viel jüngeren Martin Winterkorn, wieder an Bedeutung: „Das Maximum ist nur erreichbar, wenn man auch an die menschliche Grenze des Erreichbaren geht, und an dieser Grenze ist nicht immer die Harmonie zu Hause“, schreibt er in dem 2002 erschienenen Buch. Das ist gewiss alles wahr. Und doch stellt sich die Frage, ob das in einer Zeit, in der das Geschäftsmodell von Volkswagen auch durch Anbieter wie Bla-Bla-Car angegriffen wird (weil immer mehr Menschen, die Autos gemeinsam nutzen, weniger eigene Autos brauchen), noch der richtige Ansatz ist. Der Rest des VW-Aufsichtsrats glaubt, wie man nun weiß auch: Nein, ist es nicht.

Das ist eine Welt für sich: Bei Borussia Dortmund geht eine Ära zu Ende. Trainer Jürgen Klopp hat um die Auflösung seines Vertrags gebeten. Der BVB entsprach der Bitte und hat mit der Suche nach einem Nachfolger begonnen. Die Pressekonferenz geriet zu einer Art Trauerfeier. Dabei träumten die vier Herren auf dem Podium vor den Journalisten noch davon, mit Klopp und der Mannschaft wenigstens doch noch den DFB-Pokal gewinnen zu können. Klopp wiederum hält seinen Abschied zum Saisonende für eine „absolut richtige Entscheidung“. Er erklärte, er habe zuletzt nicht mehr das Gefühl gehabt, der perfekte Trainer für den Fußball-Bundesligisten zu sein. „Man ist Profi und muss so eine Entscheidung treffen.“

Hier geht ein Held, der erkannt hat, an alte Erfolge nicht mehr anknüpfen zu können, und auch der aktuelle Tabellenplatz ist eine Enttäuschung. Bei VW ist es anders. Dort stimmen die Zahlen – bisher. Und Winterkorn glaubt auch noch immer, der Richtige an der Spitze von VW zu sein. Doch zerbricht in Wolfsburg die Partnerschaft zwischen Piëch und Winterkorn in eisiger Kälte, Tränen wird man dort nicht verdrücken. Der Dortmunder Vereinsboss Hans-Joachim Watzke hingegen saß mit Leichenbittermiene neben Klopp. Er hatte ganz offensichtlich einen anderen Plan. Er musste wohl zu einem Neuanfang gezwungen werden. Er hatte sich für seine Treue zu Klopp mit Emotionen entschieden, Piëch handelt eiskalt. Ein jeder darf für sich entscheiden, welche Variante die sympathischere ist.

Sicher hingegen ist, erst recht nach einer Woche, in der in Hannover die Industriemesse stattgefunden hat, dass die Welt der Wirtschaft eine ähnliche Veränderungsgeschwindigkeit bekommt wie die beiden Hälften eines Fußballspiels: In der künftigen „Industrie 4.0“ verzahnt sich die Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik auf intelligente Weise. Das ermöglicht maßgeschneiderte Produkte nach individuellen Kundenwünschen, günstig und in hoher Qualität. Die Fabrik der Industrie 4.0 sieht folgendermaßen aus: Intelligente Maschinen koordinieren selbständig Fertigungsprozesse, Service-Roboter kooperieren in der Montage mit Menschen, und fahrerlose Transportfahrzeuge erledigen eigenständig Logistikaufträge.

Über die „intelligente Fabrik“ hinaus werden Produktions- und Logistikprozesse künftig unternehmensübergreifend verzahnt, um den Materialfluss zu optimieren, mögliche Fehler frühzeitig zu erkennen und flexibel auf veränderte Kundenwünsche und Marktbedingungen reagieren zu können. Dafür werden heute völlig neue Managertypen gebraucht, die so flexibel reagieren können müssen wie erfolgreiche Bundesliga-Trainer. Beide Typen sind rar, was gewiss nicht nur der BVB und VW in diesen Tagen und Monaten immer wieder merken.


1 Lesermeinung

  1. Danke für den Espresso Herr Knop.
    Tja, die Welt ist voller intelligenter Helden und intelligentem
    Heldentum 4.0. Ganz schön mutig, einem emotionslosen Weg
    der Helden und ihren Kampf-Idealen, inhumane Lebenbasis,
    blauäugig zu folgen.
    Es kann blaue Augen geben, in diesem heldnischen Kampf um
    emotionslose, inhumane „Intelligenz-Siege“…
    wenn die Quelle der Humanität „versiegt“ und reine
    Intelligenzprodukte zur Leben-Basis werden sollen.
    Humane Vernunft ist das Potenzprodukt aus Herz X Verstand…
    Emotion X Intelligenz…der Reife-Weg der Evolution…Gott.
    Bin gespannt auf das blaue Wunder, das der Human bald auf seinem
    heidnischen, ungläubigen, emotionslosen, inhumanen, blauäugigen
    Intelligenz-Idealen-Glaubenweg, erleben wird.
    Hoffentlich ist „Holland“ dann nicht in Not und alle schreien
    nach „humaner Gerechtigkeit“; weil sie nichts gewußt haben.
    Hinterher ist (Hu)man vielleicht schlauer.
    Die Meisten wissen nicht was Glück ist, aber dann doch hoffentlich
    was Glück war.

    Schönes Wochenende,
    W.H.

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