Ad hoc

Melinda Gates und die Rolle der Frau

Die amerikanische Stiftungsgründerin Melinda Gates hat Deutschland, aber auch die anderen führenden Industriestaaten zum bevorstehenden G-7-Gipfeltreffen in Elmau aufgerufen, mehr Geld für die Entwicklungshilfe auszugeben: „Wir müssen die G-7-Staaten dazu bringen, ihre Verpflichtung, 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungshilfe auszugeben, auch zu erfüllen“, sagte die Frau des Mitbegründers des amerikanischen Softwarekonzerns Microsoft Bill Gates, auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart. Mit Blick auf dieses Ziel stimmt zwar die Richtung, doch ist es in Deutschland noch lange nicht erreicht: Im vergangenen Jahr erhöhte Deutschland diesen Anteil von 0,38 auf 0,41 Prozent.

Die Gates Foundation gilt mit einem Kapital von 42 Milliarden Dollar als größte Privatstiftung der Welt. Sie wurde im Jahr 2000 mit dem Ziel gegründet, Missstände im Gesundheitssystem von Entwicklungsländern zu überwinden und Armut zu reduzieren – Schwerpunkte liegen seit einigen Jahren auf der Bekämpfung von Kinderlähmung, Malaria und Aids. Nur die Anfangsjahre der Stiftungsarbeit sieht auch Gates im Rückblick auf die vergangenen 15 Jahre kritisch: „Anfangs haben wir uns zu sehr auf Technologie fokussiert, was an unserer Herkunft und Ausbildung lag.“ Gates hatte ihren Mann seinerzeit bei Microsoft kennengelernt. „Aber seither haben wir gelernt, dass Innovationen nicht immer etwas mit Technologie zu tun haben müssen.“

Als starker Industrienation kommt Deutschland nach den Worten von Gates in der internationalen Entwicklungspolitik eine Schlüsselrolle zu. In seiner G-7-Präsidentschaft müsse das Land dafür sorgen, dass auf diesem Gebiet weitere Fortschritte erzielt würden. Das sei dieses Jahr besonders wichtig: „Denn in diesem Jahr werden in der Entwicklungspolitik Entscheidungen getroffen, die eine ganze Generation beeinflussen werden“, sagte Gates. So werde die internationale Staatengemeinschaft 2015 über die neuen „nachhaltigen Entwicklungsziele“ entscheiden sowie über deren Finanzierung. Dabei handelt es sich um politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen (UN), die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischem, sozialem sowie ökologischem Gebiet dienen sollen. Als gutes Vorbild hierfür nannte Gates die im Januar beschlossene, weltumspannende Impfallianz mit einem Budget von 7,5 Milliarden Dollar – und einem deutschen Anteil von immerhin 600 Millionen Euro.

Den zweiten Schwerpunkt ihrer Rede legte Gates auf die Förderung von Frauen und Mädchen. Fortschritte auf diesem Gebiet seien der bedeutendste Faktor für künftiges Wachstum schlechthin. „Gesunde, unabhängige und gebildete Frauen werden sich für ihre Familien und Gemeinden engagieren und so zu ökonomisch prosperierenden Gesellschaften beitragen“, ist Gates überzeugt. Sie selbst habe die Werte, die sie nun in die Philanthropie einbringe, schon als Mädchen in der katholischen Schule gelernt habe. „Meine Schule hat uns ermutigt, freiwillig zu helfen, und ich verbrachte diese Zeit in einem örtlichen Krankenhaus, im Gericht und in einer nahe gelegenen Schule. Durch diese Erfahrungen ich gelernt, dass eine Person einen großen Unterschied in den Leben von anderen machen kann“, sagte Gates. Und sie will, dass mehr Frauen und Mädchen auf der Welt diesen Unterschied spüren.

„Weil Frauen das Zentrum eines Haushalts sind, investieren wir in alle Familienmitglieder, wenn wir nur in sie investieren.“ Frauen und Mädchen seien deshalb nicht etwa Empfänger von Entwicklungsprogrammen. Sie seien Motoren der Entwicklung: „Ich habe mit Frauen in einem Himalaya-Dorf darüber gesprochen, wie peinlich sie darauf achten, die Toilette des Dorfes sauber zu halten, damit ihre Familien gesund bleiben. Ich habe gesehen, wie eine Delegation amerikanischer Senatoren zu Tränen gerührt war, als ihnen eine Bäuerin mit dem Namen Joyce berichtete, wie sie mit einem auf einem einfachen Weg verbesserten Mais-Saatgut die Zukunft ihrer Familie zu ändern versuchte.“

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