Ad hoc

Auf einen Espresso: Mehr halten als versprechen

Mehr halten, als man vorher angekündigt hat. Das ist ein schönes Motto. Bei der Deutschen Bank will das nun bald jemand genauso machen.

Eine Weltwirtschaft ohne Kohle, Öl, Gas. Die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Laufe dieses Jahrhunderts. Nur so lässt sich die Erderwärmung auf weniger als 2 Grad Celsius begrenzen. So steht es im überraschendsten und wichtigsten Teil des Abschlussdokuments des G-7-Gipfels. Werden die Politiker sich an diese Ankündigung aber wirklich halten?

Bei solchen Themen und beim Blick auf die grüne Landschaft in Bayern könnte man an Winnetou denken. Der hätte sich vielleicht auch über das Stierkampfverbot auf den Balearen gefreut. Vielleicht aber auch nicht. Stiere sind ja keine Büffel.

John Cryan. Hatten wir vorher noch nie gehört, diesen Namen. Der Brite rettet jetzt die Deutsche Bank. Er ist derjenige, der nun mehr halten und weniger ankündigen will. Er ist ein Wirtschaftsprüfer, saß schon seit ein paar Jahren im Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats. In diesem Ausschuss war er Vorsitzender. Hellhörig wurde er, als die Bank im April happige 2,5 Milliarden Dollar zahlen musste, um für erhebliches Fehlverhalten rund um manipulierte Zinssätze zu büßen. Das kann man nachvollziehen. Jetzt muss er die Kosten senken. Um 3,5 Milliarden Euro pro Jahr. Dann gleicht sich das ja wieder aus. Es war eine verrückte Woche.

Cryan spricht übrigens ungern deutsch, aber seine Deutschkenntnisse sollen gut sein. Das unterschiedet ihn von Pierre Brice, also von Winnetou. Der verstorbene Bretone sprach gerne deutsch, aber nicht so gut. Winnetou war offen und ehrlich. Der Häuptling der Apachen benannte Probleme stets ohne Umschweife. Das wiederum verbindet ihn mit Cryan. Der macht es genau so. Sagt man. Noch kennt ihn ja kaum einer.

Bei Gregor Gysi ist das anders. Den kennt man; aber er geht jetzt auch. Nicht so wie Winnetou. Eher so wie Cryans Vorgänger im Vorstand der Deutschen Bank, Anshu Jain. Der wollte die Bank zu alter Bedeutung zurückführen. Es ist ihm nicht gelungen. Gysi wollte die Linken gerne auch bedeutender machen. Es ist ihm nicht gelungen. Fraktionsvorsitzender im Bundestag will er nun nicht mehr sein. Aber zugerufen hat er seiner Partei noch, sie solle nicht mehr länger im sozialistischen Wolkenkuckucksheim sitzenbleiben. Das war in Bielefeld. Opposition ist halt Mist.

In seinen Frankfurter Türmen hat sich Jain vielleicht hin und wieder auch wie im Wolkenkuckucksheim gefühlt. Nein, wahrscheinlich doch nicht. Vielleicht nur ganz am Ende, als die Hoffnungen zerstoben und die Aktionäre rebellierten. Am Marterpfahl der Hauptversammlung wollte man ihn sehen. Nur eine kleine Mehrheit von ihnen, aber zur Ehrenrettung viel zu wenige der Investoren aus aller Welt wollten ihn von seinen Sünden freisprechen. Das heißt in deutschen Hauptversammlungen entlasten. So eine Entlastung bringt Frieden: Gerechtigkeit, Frieden, Vaterland. Winnetou hat dafür gekämpft. Pierre Brice also auch. Der hat seine Ziele stets erreicht. Für andere ist das offensichtlich schwieriger.

Den G-7-Beschluss hätte Winnetou gemocht. Auch wenn er von dem Wort Dekarbonisierung gewiss nie etwas gehört hat – also weder sein Erfinder noch sein Hauptdarsteller. Da ging es ihm so wie uns bei Cryan. Aber das kann ja alles noch werden. Man hört, Jains Vorstandskollege Jürgen Fitschen habe in dieser Woche wie befreit gewirkt. Anders als Jain muss oder darf Fitschen noch ein Jahr bei der Deutschen Bank bleiben. Nur noch eines! Das denkt er sich vielleicht. Denn das kann man ja so oder so aussprechen. Es war eine verrückte Woche. Aber das sagten wir ja schon. Vielleicht ist der eine oder andere wenigstens klüger geworden. Extra dafür sind ja viele friedliebende Menschen zum Deutschen Evangelischen Kirchentag nach Stuttgart gefahren.

Hoffentlich hat ein jeder von uns wenigstens mehr gehalten, als wir versprochen haben. Denn das ist ja wirklich ein schönes Motto; es kann für so viele positive Überraschungen im Leben sorgen. Die Eltern haben auch immer viel davon gehalten. Ob es aber bald mit neuen Menschen und Ideen wirklich auch in Politik und Wirtschaft Einzug hält? Wollen wir das glauben? Nun ja, Winnetou haben wir ja auch gerne geschaut.

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