Ad hoc

Auf einen Espresso: Wir müssen reden

Nun wollen wir nicht meckern, aber dieser Sommer ist an einigen Tagen doch etwas zu heiß – jedenfalls in weiten Teilen des Landes. Die Glaskuppel des Reichstagsgebäudes zum Beispiel musste für Besucher gesperrt werden, weil sie wie eine Hitzeglocke wirkte. Eigentlich sollen unter ihr ja lieber hitzige Debatten stattfinden, aber die Parlamentarier haben das Glück, in der Sommerfrische zu sein. Alle, die nicht am kühlen Nordseestrand oder auf heißen Mittelmeerinseln weilen, fristen derweil ihr Dasein in entleerten Büros, wissen vor lauter Vertretungsdiensten weder ein noch aus und schlafen dann auch noch schlecht, weil es in der Nacht kaum abkühlen will.

Gut, jetzt haben wir vielleicht doch etwas zu viel gemeckert, aber andernorts liegen die Nerven noch viel mehr blank. Was man gerade dann, wenn wenige Leute mehr machen müssen, auch im eigenen Büro immer wieder erlebt, machen gerade einige leitende Angestellte des FC Bayern München durch. Die alte Regel, dass man nie genug miteinander reden kann, wird einfach nicht gut genug beherzigt – fast nirgendwo. Nur übereinander wird stets genug geredet.

Zurück zum FC Bayern. Denn der Start der Bundesligasaison steht ja unmittelbar bevor und wird an diesem Wochenende mit der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals schon einmal vorbereitet. Angesichts der zahlreichen überflüssigen Vorbereitungsturniere, die man in den vergangenen Wochen im Fernsehen begleiten musste oder durfte, ist das einerseits höchst willkommen. Andererseits wäre es (so wie in manchen Büros) auch besser, wenn wieder Normalbetrieb herrschte. Denn dann bliebe weniger Zeit für andere Auseinandersetzungen.

Reden wir also endlich über Mario Götze, einen unzufriedenen Mitarbeiter des größten Münchener Fußballbetriebs. Götze ist ein klassisches Beispiel dafür, wie man mit mangelnder Kommunikation selbst den besten Mitarbeiter vergraulen kann: Sein Trainer, der Spanier Pep Guardiola, wollte ihn gar nicht, sondern den brasilianischen Star Neymar. Die Münchener aber wollten dem Landesrivalen Borussia Dortmund ein Schnippchen schlagen und den größten Stern am deutschen Talenthimmel in ihrer Mannschaft spielen sehen. Die Investition belief sich auf 37 Millionen Euro. Zwei Jahre später kann man sagen, dass das gesamte Vorhaben gescheitert ist – zum Einsatz kommt Götze, immerhin der Schütze des entscheidenden Tores bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, jedenfalls kaum.

Und was hat Götze in dieser Woche zu seiner Zukunft gesagt? Erst sagte er: „Es war die letzten zwei Jahre auf jeden Fall nicht einfach für mich.“ Und dann: „Es wird sich herausstellen, ob der Trainer nun öfter mit mir spricht.“ Da haben wir es also wieder. Wie sagte vor vielen Jahren ein Vorstandsvorsitzender eines amerikanischen Technologieunternehmens zu uns: „You can never overcommunicate.“ Man kann nie zu viel kommunizieren. Wie wahr. Da hilft es auch nichts, wenn Guardiola über die Medien sagt, Mario sei einer seiner liebsten Spieler. Er wisse das. Denn er habe mit ihm oft darüber gesprochen. Was stimmt denn nun? Offenbar hat auch diese beiden die Hitze voll erwischt.
Das trifft noch für andere Begegnungen der Woche zu, ganz besonders für den Bundesjustizminister, den Generalbundesanwalt oder den Chef des Bundesverfassungsschutzes. Auch dort hat man zuletzt weniger miteinander als übereinander geredet. Den Generalbundesanwalt hat das schon sein Amt gekostet. Schade, dass diese Dinge immer so enden müssen.

Und jetzt kommen auch noch die Wespen. Im Stadion des Aufsteigers Darmstadt 98 gibt es offenbar eine wahre Plage. Sie soll bis zum ersten Heimspiel beseitigt sein. Und dann will man als Außenseiter die Gegner in der Liga auf andere Weise stechen. Dass Darmstadt überhaupt die Chance dazu bekommt, hat übrigens sehr viel damit zu tun, dass die Verantwortlichen in dem Verein sehr gut miteinander reden können.

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