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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Arme sind für Cybergangster besonders leichte Beute

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Der amerikanische Internetkonzern Facebook hat seit ein paar Wochen einen neuen Sicherheitschef. Er heißt Alex Stamos, hat früher für Yahoo gearbeitet – und nun eine Plattform gefunden, die ihm noch sehr viel mehr Aufmerksamkeit verschafft als sein alter, etwas aus der Mode gekommener Arbeitgeber. Stamos weiß seine Bühne zu nutzen, zuletzt auf der Hacker-Konferenz Defcon in Las Vegas Und Stamos macht seine Sache gut, denn widersprechen mag man ihm meist nicht. Er gilt in seiner Branche als einer der schärfsten Kritiker des amerikanischen Geheimdienstes NSA. Erst vor wenigen Wochen forderte er zudem den Softwarekonzern Adobe dazu auf, seine einst marktbeherrschende Multimedia-Software mit dem Namen Flash endgültig zu beerdigen. Das Programm sei einfach zu unsicher und biete Hackern zu viele Einfallstore. Auch für so etwas kann man leicht Applaus in der Szene ernten.

In Las Vegas wiederum sorgte Stamos mit dem Hinweis für Aufsehen, dass Sicherheit im Internet wohl eher etwas für reiche Menschen sei und die Internetnutzer in Entwicklungs- und Schwellenländern von der Computer-Sicherheitsindustrie im Stich gelassen würden. Auch das ist wahr: Bisher konzentriert sich die Branche tatsächlich darauf, Sicherheitsprogramme für Menschen zu programmieren, welche sich diese auch leisten können. „Wir aber können nicht einfach sagen: ,Du bist nur dann sicher, wenn du mit dem neuesten Mobiltelefon ausschließlich in Ländern telefonierst, in denen man sich auf die Einhaltung der Menschenrechte verlassen kann“, wird Stamos in den Berichten von der Konferenz zitiert. Millionen von Telefonen, die mit inoffziellen Versionen des Betriebssystems Android funktionierten, würden zum Beispiel niemals aktualisiert, wenn dies wegen neuer Sicherheitsbedrohungen nötig sei. Dadurch würden sie zu einem sehr leichten Ziel für Cyberkriminelle. An der Unterversorgung dieser Zielgruppe habe sich auch nichts dadurch geändert, dass es in der jüngeren Vergangenheit Milliardenfinanzierungen für Start-up-Unternehmen gegeben habe, die Sicherheitssoftware programmierten. Denn auch von diesen neugegründeten Unternehmen konzentrierten sich nur sehr wenige auf die Bedürfnisse von Kunden, die nicht im wohlhabenden Westen zu finden seien. Im Gegenteil gehe es den meisten neuen Anbietern noch nicht einmal darum, Unternehmen sichern zu helfen, sondern sie wendeten sich obendrein gezielt an Konzerne, die über eigene Sicherheitsabteilungen verfügten.

Mit der Hilfe von Facebook will Stamos das ändern. Im Auge hat er in diesem Zusammenhang vor allem das von Facebook angestoßene Projekt „Internet.org“, dessen Ziel es ist, das Internet in unterentwickelte Gegenden der Welt zu bringen und den Menschen dort einen einfachen Zugang zum Netz zu verschaffen. Tatsächlich trifft das auf rund zwei Drittel der Weltbevölkerung zu. Und Stamos ist der Meinung, dass sich Facebook, Google und andere einfach nicht darauf verlassen könnten, dass diesen Menschen von der bestehenden Sicherheitssoftware-Branche irgendwann einmal doch noch geholfen werde.

Schon heute bietet „Internet.org“- über eine App kostenlosen Zugang zu Basisdienstleistungen in Märkten, in denen der Internetzugang für viele Menschen nur schwer erschwinglich ist. Sie ermöglicht es den Menschen, auf ausgewählten Websites zu Gesundheit, Beschäftigung und lokalen Informationen gebührenfrei zu browsen. Die App ist nach Angaben von Facebook derzeit in Teilen von Afrika, Lateinamerika und Asien verfügbar. Sie werde kontinuierlich auf weitere Länder der Welt erweitert. Und Stamos will dieses Angebot nun offenbar um Sicherheitslösungen erweitern.

So weit die positive Seite der Gedanken von Stamos. Aber natürlich stellen sich auch manche Fragen. Längst sind unter anderem in Ländern wie Brasilien und Indien Vorwürfe laut geworden, „Internet.org“ bevorzuge Dienste auf Kosten anderer und stelle somit einen Verstoß gegen das Gebot der Netzneutralität dar. Facebook verfolge zwar die richtigen Ziele, aber mit den falschen Mitteln. Facebook sei nicht das Netz und solle es auch nicht sein. Die Organisation sagt dazu, dass ein wenig Zugang besser als keiner sei. Zudem definiere sie nicht selbst, was Teil einer Internet-Grundversorgung sei, und stehe für Entwickler offen. Entwickler müssten in ihren Angeboten aber zum Beispiel auf Werbung verzichten und den Datenverbrauch minimieren. Auch eine Auswahl unter Mobilfunkpartnern finde nicht statt. Jeder Mobilfunkanbieter, der in die Bedingungen einwillige, insbesondere das Internet.org-Dienstepaket kostenlos zu übertragen, könne beitreten. Dazu gab es vor einigen Wochen Details in einem Blogbeitrag zu lesen, der Dritte dazu animieren soll, Teil der „Internet.org“-Angebote zu werden. Für die Partner werde das dann lukrativ, wenn die Nutzer alsbald doch kostenpflichtige Verträge abschließen, weil sie mehr wollen als die kostenlose Grundversorgung. Und die Organisation hat wohl festgestellt, das genau dies in vielen Fällen geschieht.

Die Ausrichtung auf die neue Zugangs-App, die schon existierende Netze nutzt, hat den Aufbau eines Drohnen- oder Satelliten-Internets für entlegene Regionen etwas unwichtiger werden lassen. Dennoch stellte Facebook jüngst auch eine Drohne vor, die das Internet auch in entlegene Gebiete bringen kann, die noch nicht in der Reichweite eines Netzes sind.

Ob Facebook künftig mehr Menschen davon überzeugen kann, dass man mit „Internet.org“ nur hehre Ziele verfolgt, hängt dabei auch ein wenig von den Worten und Taten von Sicherheitschef Stamos ab. Bei Yahoo hatte der sich übrigens sehr dafür eingesetzt, den gesamten E-Mail-Verkehr seiner damaligen Nutzer vollständig, also von Ende zu Ende, zu verschlüsseln, um der NSA ein Schnippchen zu schlagen. Für Facebook hat er noch keinen Plan, diese Verschlüsselung einzuführen. Sie würde übrigens nicht nur den Zugriff der NSA auf die Daten verhindern, sondern auch den durch Facebook.


1 Lesermeinung

  1. Arme sind für Cybergangster besonders leichte Beute
    Wer viel wünscht ist arm und macht Arme…je nach Einflußmöglichkeit, Macht.
    Wem genug nicht reicht, dem reicht auch nicht mehr als genug.
    s. Welt-Balance(Gerechtigkeit)-Geschehen…weltweite schiefe Ebenen.
    Die gleichwirkende Geist-Gravitation der humanen Vernunftbildung(-Idee) als Mittelpunkt/Bezugspunkt für alle fehlt oder ist noch viel zu gering.
    Humane Selbsterkenntnis und humane Einsicht…auch im handeln…
    fehlt oder ist viel zu gering

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