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Adele: Erfolg auf ganzer Linie, auch ohne Streaming

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Die britische Sängerin zeigt, wie der Markt funktioniert. Technik war ihr lange nützlich. Jetzt kann sie Spotify und Apple Music beweisen, dass nicht jeder Künstler sie braucht. Die Musik verkauft sich blendend, ihre Konzerte sind ausverkauft.

Man kann als Mensch so authentisch sein, wie man will, mit der Gitarre in kleinen Hamburger Musikclubs gesessen und vor kleinem Publikum die Menschen verzückt haben: Wenn man aber erst einmal so richtig erfolgreich ist, geht es um andere Dinge – und ganz besonders darum, den Gewinn aus der eigenen Marke zu maximieren, weil immer mehr andere Menschen davon abhängig geworden sind.

Ist man ein Popstar, wird dann im Zweifel die Musik gefälliger – und man verfällt auf den einen oder anderen Trick, um den Umsatz zu maximieren. Im Weihnachtsgeschäft zum Beispiel ist es besser, wenn neue CDs gekauft werden oder die Musik kostenpflichtig im Internet heruntergeladen wird. Denn mit der dritten Möglichkeit, die Musik über einen der immer beliebteren Streamingdienste wie Spotify oder Apple Music an das Ohr der Fans zu bringen, lässt sich nicht so viel Geld verdienen. Deshalb lässt man das Streaming besser ganz. So wie jetzt Adele. Und der Fan kann sehen, wo er bleibt.

Das ist auch gar nichts Verwerfliches, sondern ein Marktgesetz: Wer die größte Macht hat, spielt sie aus. Eigentlich ist es sogar schade, dass es nicht mehr Künstler gibt, die so viel Kraft haben. Man sollte solche Entscheidungen deshalb aber auch nicht für wichtiger oder wegweisender halten, als sie es sind. Letztlich gibt Adele mit ihrer Entscheidung, ihr neues Album „25“ nicht über Streamingdienste zu vertreiben, wirklich nichts anderes von sich preis, als dass ihre eigene Marke groß genug geworden ist, um sich Gesetzen entziehen zu können, denen sich andere Künstler längst unterwerfen müssen. Ein Statement gegen zu viel Macht neuer Spieler auf dem Musikmarkt ist das nicht.

Denn Adele und ihr Management wussten stets die neuesten technischen Möglichkeiten des Internets dazu zu nutzen, die Bekanntheit zu erhöhen. Gerade auch, als die Karriere erst noch gezündet werden musste. Aber der Reihe nach. Das neue Album galt bis zu seiner Veröffentlichung als eine der wichtigsten Musikproduktionen des Jahres. Und auch wenn wahrlich nicht alle Kritiken positiv ausgefallen sind, die Nachfrage ist hoch. Hinzu kommt: Es ist Adeles erst drittes Studioalbum – und nach einer Babypause das erste seit fast fünf Jahren. Die Plattenfirma wird diesen Moment also sehnsüchtig erwartet haben. Denn die Britin gilt als eine der wenigen verbliebenen Umsatzgaranten einer kriselnden Branche – was, das lässt sich nach ein paar Wochen an der Spitze der Charts schon sagen – auch dieses Mal wieder gelungen ist. Die Konzerte zur neuen CD waren nach kürzester Zeit ausverkauft.

Adele Laurie Blue Adkins wurde am 5. Mai 1988 in London geboren. Sie ist mit allen einschlägigen Musikpreisen überschüttet worden und gilt als eine der erfolgreichsten Sängerinnen des 21. Jahrhunderts. Spätestens seit dem Titelsong für den vorletzten James-Bond-Film mit dem Namen „Skyfall“ dürfte sie so ziemlich jeder kennen. Aber das war eben nicht immer so. Und an dieser Stelle kommen die Möglichkeiten der Moderne ins Spiel, die Adele immer dann nutzt, wenn sie ihr dienlich sind.

Dafür zwei Beispiele: Erste große Popularität erreichte sie durch die Nutzung des Facebook-Vorläufers Myspace, bei dem sie früh angemeldet war. Eine von einem Freund dort eingestellte Demoaufnahme mit drei Songs führte zum Angebot eines Plattenvertrags durch XL Recordings Ende des Jahres 2006. Auch knapp zehn Jahre später ist XL Recordings noch immer Adeles Plattenfirma. Schon ihre zweite Single „Chasing Pavements“ stieg im Januar 2008 sofort auf Platz 2 der britischen Charts ein und konnte sich dort drei Wochen halten. Und wer im selben Jahr in Amerika zu Besuch war, bekam in den Filialen der amerikanischen Kaffeehauskette Starbucks Gutscheinkarten, mit denen man sich genau diesen Titel von Adele aus dem Internet herunterladen konnte. Adele, die damals nur wenige kannten, scheute sich also nicht, die seichte Kaffeehaus-Popularität von Starbucks zur Steigerung ihrer eigenen Popularität einzusetzen. Das sollte klappen. Ihr Debütalbum „19“ (die Zahlen sind jeweils ein Hinweis auf ihr Alter, das während der jeweiligen Produktion den größten Einfluss auf die Lieder hatte) stieg bis an die Spitze der Albumcharts. Im Februar 2011 erreichte Adele mit ihrer Single „Rolling in the Deep“ und ihrem Album „21“ in derselben Woche Platz 1 der deutschen Charts. Und die Technikgemeinde zog begeistert mit: Im November 2011 wurde bekannt, dass „21“ mit mehr als 140 000 Downloads das bis zu diesem Zeitpunkt meistheruntergeladene Album in Deutschland war.

Solche kostenpflichtigen Downloads dürfen es mit dem Album „25“ nun auch gerne weiter sein. Aber die Streamingdienste, die im Musikgeschäft derzeit eigentlich State oft the Art sind, sollen es dann doch nicht sein. Ein Risiko der Neuzeit hat Adeles Management dabei bewusst in Kauf genommen: Mancher Fan weicht auf illegale Kopien aus, aber im Fall von Adele bleiben noch genug andere übrig. Und wer sich das Geld für die CD gespart hat, hat vielleicht ja wenigstens in eine Konzertkarte investiert.


1 Lesermeinung

  1. Wir zeigen es dem Markt...
    Wir sind Adele…streaming unabhängig…außer Gehirnstrom:=)

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