Ad hoc

Was Schweizer aus einer internen Poststelle machen

Swiss Post Solutions rückt unstrukturierten Daten zu Leibe

Wer heute in großen Verwaltungsorganisationen arbeitet, wird mit Sorge auf die Veränderungen seiner Arbeit durch die moderne Informationstechnologie blicken. Große Versicherer zum Beispiel können inzwischen Dienstleister beauftragen, welche die eingehenden Schadensmeldungen digitalisieren – und danach so aufbereiten, dass sie effizient digital weiterverarbeitet werden können. Dazu werden bei der Datenerfassung, der Indexierung und der Archivierung teilautomatisierte Prozesslösungen eingesetzt.

Mit Hilfe der neuen „Intelligent-Automation-Technologie“ zum Beispiel können auch unstrukturierte, also nicht in exakt vorgegebenen Formularen vorliegende Daten ausgelesen werden. Ob E-Mails mit PDF-Anhängen, Word-Dateien oder Excel-Files: die Programme lernen den Inhalt zu verstehen und die Dokumente dann entsprechend zuzuordnen. Auf dieser Basis können Versicherer, so das Versprechen der entsprechenden Anbieter, die Schadensabwicklung einschließlich der Sachbearbeitung bis zum Abschluss des Falls weitgehend automatisieren und damit deutlich schneller machen.

Wer glaubt, solche Angebote, die jeden Sachbearbeiter erschrecken könnten, kämen von großen IT-Konzernen aus dem Silicon Valley, der irrt: Tatsächlich ist es zum Beispiel die Schweizer Post mit ihrer Tochtergesellschaft Swiss Post Solutions (SPS), die hier in der Zukunft noch sehr lukrative Geschäftsmöglichkeiten erwartet. Die Grundlage ist gelegt. In Deutschland zum Beispiel sind nach den Worten von Jörg Vollmer, dem Vorstandsvorsitzenden von SPS, schon die Hälfte aller Dax-Unternehmen seine Kunden.

SPS mit seinen rund 7500 Mitarbeitern bezeichnet sich selbst als führenden Anbieter von Outsourcing-Lösungen für Geschäftsprozesse – und eben auch innovative Dienstleistungen im Dokumentenmanagement. „Insgesamt betreuen wird für Kunden auf der ganzen Welt rund 450 sogenannte Mailrooms, in Deutschland zum Beispiel den Standort Erlangen eines internationalen Technologieunternehmens mit rund 40 000 Mitarbeitern“, sagt Vollmer im Gespräch mit dieser Zeitung. Natürlich geht es dabei nicht immer schon um die modernsten Angebote der Dokumentenauswertung – durchaus aber immer um den Betrieb der jeweiligen internen Poststelle in den betreffenden Unternehmen und damit um ein Geschäft, auf das sich die moderneren Produkte aufsetzen ließen.

Was dabei eingespart werden könne, habe sich sehr augenfällig in London gezeigt. Dort habe ein Kunde von SPS, in diesem Fall eine Bank, beim Neubau einer Zentrale gleich auf zwei zusätzliche Stockwerke verzichten können, berichtet Vollmer. Die geringeren Kosten seien aber nur die eine Seite der Medaille, die andere Seite seien die Möglichkeiten für die Kunden, das eigene Dienstleistungsangebot zu verbessern.

Eine der größten Herausforderungen für Unternehmen besteht heute schließlich darin, ihren Kunden trotz des enormen Kostendrucks einen professionellen Service zu bieten, sagt Vollmer. Bisher scheiterten viele Unternehmen aber schon bei der Kundenbetreuung über alle Kanäle – per E-Mail, Chat, Telefon, SMS, Fax und Brief – hinweg.

Vollmer nennt noch ein weiteres Beispiel. So habe SPS in Deutschland in diesem Jahr als jüngstes Mitglied die digitale GKV-Plattform „gkv-vernetzt.de“ erweitert, eine gemeinsame Plattform von IT-Dienstleistern und weiteren Unternehmen rund um Digitalisierungslösungen zur gesetzlichen Krankenversicherung. Auch hier würden Medienbrüche durch eine ortsunabhängige, elektronische Kommunikation reduziert, Durchlaufzeiten verkürzt, Verwaltungskosten reduziert und gleichzeitig ein kundenorientierter Rund-um-die-Uhr-Service an 365 Tagen im Jahr ermöglicht.

Natürlich gibt es auf den entsprechenden Märkten auch Konkurrenten, andere Postunternehmen zum Beispiel oder auch größere IT-Konzerne. Vollmer selbst hat früher lange beim amerikanischen IT-Anbieter Hewlett-Packard gearbeitet. Punkten will Vollmer unter anderem mit Datensicherheit und Heimatnähe, allein in Deutschland arbeiteten fast 2000 seiner Mitarbeiter.

Der Wettbewerb ist hart, aber SPS hat im vergangenen Jahr ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 15 Millionen Franken erzielt (plus 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr) – bei einem Umsatz von mehr als 600 Millionen Franken. Im Kommunikationsmarkt insgesamt erwirtschaftete die Schweizerische Post AG im Jahr 2015 mit ihren Tochtergesellschaften Post Mail, Swiss Post Solutions sowie Poststellen und Verkauf ein Betriebsergebnis von 263 (Vorjahr: 246) Millionen Franken. Das Ebit nahm um 2,5 Prozent auf 823 Millionen Franken zu. Die Schweizer Post macht insgesamt einen Umsatz von rund 8 Milliarden Franken.

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