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Das Ausland liebt die Unternehmen im Dax

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Die deutschen Absatzmärkte liegen zu einem großen Teil im Ausland. Und ausländische Anleger lieben deutsche Unternehmen. Die Folge: Das Ausland verdient am deutschen Exporterfolg mit.

So international wie die Absatzmärkte der deutschen Wirtschaft ist auch die Aktionärsstruktur der großen deutschen Unternehmen. Wo ein großer Teil von Umsatz und Gewinn im Ausland erwirtschaftet wird, holen sich ausländische Anleger auf diesem Weg einen gehörigen Teil dieses Kuchens wieder zurück.

In diesem Räderwerk der Globalisierung schütten die deutschen Konzerne, die mit ihren Aktien im Börsenoberhaus Dax vertreten sind, in diesem Jahr 29,2 Milliarden Euro an ihre Anteileigner aus – davon fließen allerdings deutlich mehr als die Hälfte ins Ausland: Exakt 57 Prozent oder umgerechnet 16,8 Milliarden Euro verlassen die deutschen Landesgrenzen. Denn im Durchschnitt liegt mehr als jede zweite Aktie der Dax-Unternehmen (55,3 Prozent) in den Depots ausländischer Investoren. Im Vergleich zum Vorjahr steigen die Dividendenzahlungen an ausländische Investoren sogar noch leicht an – und zwar um 0,8 Prozent, was immerhin 130 Millionen Euro ausmacht.

Aktionäre aus Deutschland müssen sich – entsprechend ihrer jeweiligen Beteiligung an im Durchschnitt offenbar dividendenschwächeren Unternehmen – mit einer sogar deutlich geringeren Dividendensumme als noch im Vorjahr begnügen: Sie erhalten für das Geschäftsjahr 2015 eine Gesamtausschüttung von 10,1 Milliarden Euro und damit gut 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Und dies, obwohl deutsche Investoren im Durchschnitt ihr Engagement aufstockten: Sie hielten im Geschäftsjahr 2015 nur durchschnittlich 36,2 Prozent der Aktien, im Vorjahr waren es 35,6 Prozent. Gut 8 Prozent der Aktien können keiner Region zugeordnet werden. Bei fünf Dax-Unternehmen sind sogar mehr als 70 Prozent der ausgegebenen Aktien in ausländischer Hand. Das ist eine Feststellung, die auf die Deutsche Börse, Linde, Adidas, Infineon und Bayer zutrifft. Insgesamt 19 Unternehmen sind zu mindestens 50 Prozent im Besitz ausländischer Aktionäre. Den geringsten Anteil ausländischer Aktionäre weist die Lufthansa auf, bei der nur ein Viertel der Aktien ausländischen Anlegern gehört, was mit gesetzlichen Beschränkungen zu tun hat.

Das sind Ergebnisse einer aktuellen Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zur Aktionärsstruktur der im Aktienindex Dax gelisteten Unternehmen. „Trotz der erheblichen Marktschwankungen blieb das Engagement ausländischer Anleger bei den Dax-Konzernen im vergangenen Jahr konstant hoch. Das zeigt, dass Deutschlands führende Unternehmen für Investoren aus dem Ausland anhaltend attraktiv sind – nicht zuletzt sorgte im vergangenen Jahr aber auch der niedrige Eurokurs für günstige Investitionsgelegenheiten“, wird Martin Steinbach, Leiter des Bereichs „IPO and Listing Services“ von EY in der Mitteilung zu der Analyse zitiert. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil ausländischer Investoren bei zwölf Dax-Konzernen, bei ebenfalls zwölf Unternehmen ist er gesunken, bei drei Unternehmen gab es keine Veränderung. Zu den übrigen Unternehmen liegen keine entsprechenden Informationen vor. Besonders stark zugelegt hat der Anteil ausländischer Anteilseigner bei Adidas (um 10 Prozentpunkte auf nun 79 Prozent), während Deutsche Lufthansa und Merck den stärksten Rückgang (um jeweils 9 Prozentpunkte) verzeichneten.

Vor allem im langfristigen Vergleich wird deutlich
, wie stark ausländische Anleger ihr Engagement im Dax-Segment ausgebaut haben: Bei den 22 Unternehmen, von denen vergleichbare Angaben für das Jahr 2005 vorliegen, stieg der Anteil ausländischer Anteilseigner von durchschnittlich 45 Prozent (2005) auf 58 Prozent im Geschäftsjahr 2015. „Der Langzeitvergleich zeigt das erheblich gewachsene Interesse ausländischer Investoren an einem Engagement bei Deutschlands Topunternehmen“, kommentiert Steinbach. Zudem hätten in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die Entflechtung der „Deutschland AG“ und die fortschreitende Globalisierung zu einem steigenden Engagement ausländischer Anleger in Deutschland geführt.

Anleger aus dem europäischen Ausland sind traditionell besonders stark bei den Dax-Konzernen engagiert: Durchschnittlich 29 Prozent der Aktien der Dax-Unternehmen befinden sich im Besitz europäischer Anleger – vor sechs Jahren lag ihr Anteil noch bei 25 Prozent. Aber auch das Interesse der Anleger aus Nordamerika an den Dax-Unternehmen ist seit 2010 gestiegen: Sie halten aktuell durchschnittlich 20 Prozent der von den Konzernen ausgegebenen Aktien; im Jahr 2010 waren es noch 18 Prozent. Im vergangenen Jahr hat sich das Engagement europäischer und nordamerikanischer Investoren allerdings gegenläufig entwickelt: Der Anteil europäischer Investoren stieg um 1,7 Prozentpunkte, während der Anteil nordamerikanischer Anleger um 1 Prozentpunkt gesunken ist.

Der Großteil der Dax-Aktien ist im Besitz institutioneller Anleger, dazu zählen Pensions- und Investmentfonds, Versicherungen oder Kreditinstitute: Sie halten im Schnitt mehr als sechs von zehn Aktien (64 Prozent). Private Investoren sind nur mit 11 Prozent vertreten, strategische Investoren wie Familienbetriebe oder Unternehmen halten 12 Prozent der Aktien. Das Engagement des Bundes, der KfW-Bankengruppe sowie eigene Aktien insgesamt spielen dagegen kaum eine Rolle (4 Prozent).

Die Dax-Konzerne befinden sich zudem mehrheitlich im Streubesitz: Acht von zehn Aktien (83 Prozent) der deutschen Dax-Unternehmen stehen dem freien Handel an der Börse zur Verfügung. Lediglich 17 Prozent der Wertpapiere sind als Festbesitz Großanlegern zuzuordnen – im Vergleich zum Vorjahr hat sich in diesem Punkt keine nennenswerte Änderung ergeben.

Sieben Unternehmen sind vollständig im Steuerbesitz
, darunter die Deutsche Bank, BASF, Bayer und Munich Re. „Ein hoher Free Float fördert die Liquidität im Aktienhandel an der Börse und beeinflusst das Ranking im Dax positiv“, betont Steinbach. Unternehmen mit einem verhältnismäßig niedrigen Streubesitz sind Beiersdorf (39 Prozent) und die Automobilunternehmen Volkswagen (44 Prozent), Continental (54 Prozent) und BMW (57 Prozent). Untersucht wurde die Aktionärsstruktur. Der Anteil des Kapitals, der nicht in Stamm- und Vorzugsaktien eingeteilt ist, wurde nicht berücksichtigt. Das ist zum Beispiel bei Merck von erheblicher Bedeutung. Bei den angegebenen Durchschnittswerten handelt es sich um den nichtgewichteten Durchschnitt.


2 Lesermeinungen

  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 12. Mai 2016 | Die Börsenblogger

  2. Das Ausland liebt die Unternehmen im Dax
    Der sittliche Mensch liebt seine Seele, der gewöhnliche sein Eigentum.
    Konfuzius

    Der geistreife Mensch liebt seine Seele und die Schöpfung, der unreife Mensch liebt Macht und Eigentum.
    Konfuzius-W.H.

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