Ad hoc

Jeder fünfte Mittelständler will digitaler Vorreiter sein

Der deutsche Mittelstand hat die Herausforderung, die durch die Digitalisierung sämtlicher Wertschöpfungsketten auf sie zukommt, angenommen. Immer mehr Lösungen und Produkte fußen auf der Idee, dass sich alles mit allem vernetzt. Die Unternehmen wollen zwar vor allem effizienter werden; jedes fünfte Unternehmen allerdings geht noch einen Schritt weiter.

Diese digitalen Transformatoren nutzen neue Technologien konsequent für die Entwicklung von Innovationen, stellen ihr Geschäftsmodell in Frage. Und: Wegen des digitalen Wandels planen vier von zehn Unternehmen, neue Mitarbeiter einzustellen. Ihre Prognose: Für die neuen Technologien und Geschäftsfelder braucht man zusätzliche Mitarbeiter. Die meisten Geschäftsführer sehen der Personalentwicklung gelassen entgegen: Sie gehen davon aus, dass sich Einspareffekte durch Automatisierung und Wachstum ausgleichen. Nur eine Minderheit fürchtet, Mitarbeiter entlassen zu müssen.

Das sind Ergebnisse der aktuellen Mittelstandsbefragung der Commerzbank. Aus der Befragung von 4000 Führungskräften aus ebenso vielen Unternehmen mit einem Umsatz von jeweils mehr als 2,5 Millionen Euro ergibt sich ganz klar: In Deutschlands Mittelstand kommt digitale Bewegung. Digitalisierung bedeutet gerade für die Vorreiter-Unternehmen viel mehr als nur Technikeinsatz und Beschleunigung. Sie berichten vielmehr von einem fundamentalen kulturellen Wandel ihrer Organisation. Das Ergebnis ist ein völlig verändertes Verständnis von Arbeit, Karriere und Leben. Der Blick auf diese „digitalen Transformatoren“ könne den anderen zeigen, wie es gehe, heißt es bei der Commerzbank. Zudem gewönnen Kooperationen – abteilungsübergreifend und mit Externen – an Bedeutung.

32 Prozent aller befragten Unternehmen bemängeln allerdings die fehlende Flexibilität und Kooperationsbereitschaft der öffentlichen Verwaltung. In den Stadtstaaten Berlin und Hamburg fällt der Befund noch drastischer aus. Fast jedes zweite Unternehmen äußert hier Kritik an der Unterstützungsbereitschaft von Ämtern und Behörden. Auch bei der digitalen Infrastruktur gibt es aus Sicht der Unternehmen Defizite: 41 Prozent sind unzufrieden mit dem Zustand der Breitband- und Mobilfunknetze.

Was der Unternehmer indes in der eigenen Hand hat, ist die Beschäftigungsentwicklung. Und hier ist der Mittelstand ist optimistisch: Viele Unternehmen erwarten in den nächsten Jahren eine positive Beschäftigungsentwicklung, nicht zuletzt durch die digitale Transformation.

Bei den Mitarbeitern erzeugt die Digitalisierung gleichzeitig jedoch hohe Erwartungen und Veränderungsblockaden. Auf der einen Seite steigen die Bereitschaft zu Weiterbildung, die Ansprüche an technische Ausstattung und Work-Life-Balance. Auf der anderen Seite fürchten Mitarbeiter einen Statusverlust, die ungewohnten neuen Strukturen und haben Schwierigkeiten bei der Umstellung auf neue Technologien.

In den Teams steigt das Interesse an lebenslangem Lernen: Viele Mitarbeiter wollen sich immer weiter entwickeln. Gleichzeitig beobachten Führungskräfte aber auch, dass ein anderer Teil versucht, alte Strukturen zu bewahren. Die Sorge um den Status quo sei bei älteren Mitarbeitern stärker ausgeprägt, so die Befragten. Sie müssen entsprechend motiviert werden. Junge Mitarbeiter sind offener für Veränderungen, haben aber ein anderes Verständnis von Arbeit. Sie suchen Freiräume und sind weniger stark an ihr Unternehmen gebunden.

Viele Mittelständler, insbesondere digitale Transformatoren und größere Unternehmen, ermöglichen ihren Mitarbeitern deshalb die individuelle Planung des Arbeitstags. Weitere Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind jedoch selten: Nur jedes zehnte Unternehmen bietet Kinderbetreuungsmöglichkeiten an. Dabei sind Angebote zur Work-Life-Balance angesichts steigender Erwartungen der Mitarbeiter ein geeigneter Weg, um qualifiziertes Personal zu gewinnen.

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