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Bayer stellt sich auf Kartellauflagen zu Monsanto ein

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Bayer-Agrarvorstand Liam Condon ist sich dennoch sicher: Die Geschäfte ergänzen sich perfekt. Und neue Technologien senkten die Hürden für den Markteintritt. Die Bauern in Afrika sollen sich auch nicht sorgen.

Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer kann nicht ausschließen, dass er wegen kartellrechtlicher Auflagen nach dem Kauf des amerikanischen Saatgutspezialisten Monsanto kleinere Teilbereiche des gemeinsamen Geschäfts abgeben wird. Grundsätzliche aber gelte: „Die Geschäfte sind hoch komplementär – das gilt sowohl für das Produktportfolio als auch für die geographische Ausdehnung“, sagte Liam Condon, der im Bayer-Vorstand für die Division Crop Science und die Tiergesundheit zuständig ist, im Gespräch mit dieser Zeitung. Tatsächlich ist auf den ersten Blick erkennbar, dass Bayer in Europa und Asien stark ist, Monsanto aber eher in Nord- und Südamerika. Zudem kommen hier mit dem Pflanzenschutz von Bayer und dem Saatgut von Monsanto zwei Geschäftsfelder zusammen, die sich gegenseitig ergänzen.

Zu Fragen, um welche Geschäfte es sich bei den trotz allem erforderlichen Desinvestitionen handeln könnte, macht Condon keine Angaben. In der Branche oder auch der Monsanto-Heimatzeitung „St. Louis Post-Dispatch“ wird hingegen schon sehr direkt darauf hingewiesen, dass das Geschäft mit Samen für Baumwollpflanzen heute nur deshalb zum Portfolio von Bayer gehöre, weil sich Monsanto vor Jahren im Rahmen einer anderen Übernahme von einem entsprechenden Teil seines Geschäfts trenne musste. Hier gilt eine entsprechende Auflage der Wettbewerbshüter zum Weiterverkauf des entsprechenden Unternehmensteils als sicher. Kolportiert wird zudem, dass derartige Aktivitäten von Bayer/Monsanto für dritte Unternehmen hoch attraktive Kaufobjekte darstellen.

Bis es auf diese Fragen aber abschließende Antworten gibt, wird noch viel Zeit vergehen. Von Juristen wird einhellig die Meinung vertreten, dass die kartellrechtliche Prüfung durch die Behörden in Asien, Amerika und Europa bis zu zwölf Monate Zeit in Anspruch nehmen kann – zudem werde die Transaktion in den Vereinigten Staaten einer besonderen Untersuchung durch ein Komitee unterzogen, das Verkäufe amerikanischer Unternehmen ins Ausland überprüfe. An dieser Stelle allerdings erwarten die entsprechenden Fachleute noch die geringsten Schwierigkeiten.

Aus Leverkusen gibt es zu all diesen Themen keinen Kommentar. Peinlich genau wird darauf geachtet, nirgendwo rechtliche Grenzen zu überschreiten. Aus dem Umfeld des Konzerns heißt es vielmehr, dass beinahe jede Antwort auf eine Anfrage und schon das Timing derselben juristische Fragen nach sich ziehe, die im heiklen Übernahmeprozess zu berücksichtigen seien.

Besonders heikel ist der Umgang mit der Frage, ob und wann Bayer möglicherweise den gebotenen Preis für Monsanto noch einmal erhöhen wird oder auch nur wie die weitere Verhandlungsstrategie aussehen wird. Analysten halten die Finanzkraft und das genehmigte Kapital von Bayer für ein erhöhtes Angebot für durchaus ausreichend, wie in verschiedenen Studien nachzulesen ist. Allerdings ist in Finanzkreisen auch zu hören, dass vor einer solchen möglichen Erhöhung auf jeden Fall eine eingehende Unternehmensprüfung (Due Diligence) stehen müsse. Condon selbst schweigt hierzu und redet lieber über die strategische Logik des Zusammenschlusses von Bayer und Monsanto, die eindeutig beim Thema Innovationen liege: „Mit unseren gemeinsamen Saatgut-, Pflanzenschutz- und Big-Data-Angeboten können wir das gesamte landwirtschaftliche System optimieren“, erhofft sich Condon.

Insbesondere seien die Pipelines der Unternehmen hoch komplementär, so dass keinerlei Kannibalisierung der verschiedenen Forschungsbemühungen stattfinden werde. Das Argument, dass man sich vor dem Anbieter eines solchen komplexen Systemangebots für die Landwirtschaft auch Sorgen machen kann, lässt Condon gelten – hält es aber nicht für stichhaltig. Gerade die jüngsten Technologien zur Gen-Editierung ließen sich heutzutage schon von Schülern im Heimlabor nachvollziehen, wie der jüngste „Jugend forscht“-Wettbewerb in Nordrhein-Westfalen gezeigt habe. „Natürlich muss man an die jeweiligen Inhaber der Rechte Lizenzen zahlen – aber allen, die die Fähigkeit haben, diese Technologien auch anzuwenden, steht der Zugang grundsätzlich
offen.“

Condon versichert, dass der Käufer Bayer das kombinierte Agrargeschäft Bayer/Monsanto nach den gleichen Maßstäben führen würde wie seine anderen Geschäfte auch: „Hier arbeiten Menschen, die Familien haben und sehr verantwortlich agieren. Ihnen geht es um innovative Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft“, betont Condon. Es gehe auch nicht darum, die Landwirtschaft auf der ganzen Welt zu industrialisieren. „Wir wissen, dass wir für die kleinbäuerlichen Strukturen zum Beispiel in Afrika ganz andere Angebote brauchen – und werden diese auch anbieten“, so Condon. Der Bayer-Vorstand ist sich aber auch darüber im Klaren, noch sehr lange Überzeugungsarbeit leisten zu müssen. Nie habe man unterschätzt, welchen Ruf Monsanto vor allem in Frankreich und Deutschland habe, sagt Condon – aber wahr sei auch, dass das Unternehmen in Amerika alles andere als unbeliebt sei und dort mit großem Selbstbewusstsein auftrete.