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Export nach der Brexit-Entscheidung: Das neue Drittland

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Damit hatte niemand mehr gerechnet. Diese Feststellung zum Abstimmungsverhalten der britischen Bevölkerung gilt nicht nur für die Politiker und die Finanzmärkte, sondern auch für die Vorstandsetagen der Unternehmen. Mitarbeiter aus den Exportabteilungen, die am Freitag vom Radio und den Nachrichten geweckt wurden, standen mit der Frage auf, ob sie Großbritannien jetzt als „Drittland“ betrachten müssen.

Irgendwelche Hinweise zum weiteren Vorgehen gibt es für sie – natürlich – noch nicht. Denn jetzt bestimmt die Ungewissheit das Handeln: Wann wird sich welche Regelung ändern? Was bedeutet der Brexit für Kunden, Fabriken und die geplanten Investitionen in Großbritannien? Dass solche Fragen nach dem Paukenschlag der Abstimmung noch eine ganze Weile offen bleiben werden, ist die größte Belastung, ganz besonders für die Wirtschaft in Großbritannien selbst.

Nicht nur Unternehmen aus dem Ausland werden dort mit Investitionen zurückhaltend werden, sondern auch die Wirtschaft im eigenen Land. Den stärksten Negativeffekt dürfte es für die britische Automobilindustrie und deren Arbeitsplätze geben, da der Standort außerhalb der Europäischen Union unattraktiver wird. Insgesamt ist mit einem Anstieg der direkten und indirekten Kosten zu rechnen. Zur Erklärung dient auch hier der Hinweis auf die Gedanken der Exportmitarbeiter beim Aufstehen: „Drittland“, das heißt schlechtere Konditionen. Gehen die Verhandlungen mit der EU über die weitere Ausgestaltung des Handels zwischen Großbritannien und der Union nicht glimpflich aus, sind nicht nur weniger Investitionen, sondern gewiss auch Produktionsverlagerungen weg aus England zu erwarten.

Genau darum wird es aus Sicht der betroffenen Unternehmen in den nächsten Monaten gehen. Es werden harte Verhandlungen mit allen Beteiligten in London und Brüssel geführt werden, um den Schaden zu begrenzen. Die Stellungnahme des in Großbritannien stark vertretenen Autoherstellers Ford sagt dazu alles: Man pocht darauf, für die eigenen Anliegen Gehör zu bekommen, wird alles tun, um das Geschäft in Europa wettbewerbsfähig zu halten, also an teureren Standorten im Zweifel Stellen abbauen – und wird seine Investitionspläne nur so lange nicht ändern, wie kein klarer Handlungsbedarf besteht. Es wird sich also alles ändern, wenn der Druck zu groß wird.

Jeder, der mit Blick auf Globalisierung, Freihandel und die dazugehörigen Abkommen bis hin zu TTIP gegen beinahe alle ist, kann hier Anschauungsunterricht bekommen: Exporterfolge sind nicht selbstverständlich. Es bedarf Regelungen, die den Freihandel fördern. Es ist Zeit, dafür lauter einzutreten, jetzt auch im künftigen Verhältnis zu Großbritannien. Denn es macht keinen Spaß, im Exportgeschäft mit „Drittländern“ zusammenzuarbeiten.