Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

Fachkräftemangel gefährdet Wachstum deutscher Start-ups: Mitarbeitersuche vor allem über das eigene Netzwerk

Neu gegründete Unternehmen, sogenannte Start-ups, sorgen nicht nur für Innovationen, sie schaffen auch attraktive Arbeitsplätze. Denn rund sieben von zehn Start-ups wollen in den kommenden zwölf Monaten neue Kollegen einstellen. Im Durchschnitt soll die Zahl ihrer Mitarbeiter auf diesem Weg um 13 Prozent steigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 400 Start-up-Unternehmen in Deutschland.

Die Neueinstellungen haben ihren Grund in einer guten Wirtschaftslage. Denn drei von vier Jungunternehmern erwarten für das laufende Jahr ein Plus beim Umsatz. Jeder zweite der Unternehmer geht sogar von einem Wachstum von mindestens 10 Prozent aus. „Die Chancen für eine erfolgreiche Entwicklung für Start-ups sind günstig. Die Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft und sind zu Investitionen in neue Mitarbeiter, Standorte und Märkte bereit“, lässt sich Philipp Medrow, Partner bei PwC und Leiter der Start-up-Initiative „Next Level“ in einer Mitteilung zu den Umfrageergebnissen zitieren.

Die Mitarbeitersuche gestaltet sich allerdings für 74 Prozent der Befragten schwierig. Um dennoch den nötigen Zuwachs zu ermöglichen, lassen sich die Unternehmer deshalb einiges einfallen: 49 Prozent bieten flexible Arbeitszeiten, 36 Prozent setzen auf eine betriebliche Altersvorsorge, 31 Prozent bieten ihren Mitarbeitern Anreize wie kostenlose Getränke oder Mittagessen an.

Die Mitarbeitersuche erfolgt in erster Linie über private Kontakte und Empfehlungen. Für rund die Hälfte der Unternehmenschefs ist das eigene Netzwerk das Mittel der Wahl bei der Talentsuche – Job-Portale und Online-Plattformen spielen mit 38 und 24 Prozent eine eher untergeordnete Rolle. Dass bei Start-ups der Netzwerkgedanke grundsätzlich ausgeprägt ist, belegt auch ihr großes Interesse an Kooperationen: 72 Prozent arbeiten schon eng mit mindestens einem Partner zusammen. 78 Prozent suchen (weitere) Kooperationspartner. Wer schon kooperiert, wünscht sich häufig zusätzlich ein etabliertes Unternehmen an seiner Seite. Eine der Stärken der befragten Start-ups ist ihre weit entwickelte Digitalisierung, die sie für etablierte Unternehmen attraktiv machen: Für jeweils mehr als 90 Prozent spielt die Digitalisierung im Hinblick auf das eigene Geschäftsmodell, interne Abläufe und Prozesse sowie die Kommunikation mit Kunden oder Lieferanten und Dienstleistern eine sehr große oder große Rolle. Entsprechend selbstbewusst gehen die Start-ups mit dem Thema IT-Sicherheit um. 77 Prozent der Befragten bewerten ihre IT-Sicherheit mindestens mit der Schulnote Zwei.

Für den Erfolg spielen auch die Rahmenbedingungen am jeweiligen Standort eine wichtige Rolle und mit ihnen sind die Gründer zufrieden: 85 Prozent der Befragten bewerten ihren Standort als gründerfreundlich (Vorjahr: 58 Prozent). Wegen der derzeit sehr günstigen Finanzierungsmöglichkeiten haben 59 Prozent der Gründer eine Kreditfinanzierung in Anspruch genommen – im Vorjahr waren das nur 30 Prozent. Insgesamt sind 73 Prozent auf Fremdkapital (neben Krediten auch über öffentliche Fördermittel, Venture Capital, Business Angels oder Crowdfunding) angewiesen. Nur eine Minderheit der Start-ups ist in der Lage, sich ausschließlich aus Eigenkapital zu finanzieren (27 Prozent).

Jeder zweite Unternehmensgründer (52 Prozent) tat sich allerdings schwer, die Kapitalgeber von seiner Geschäftsidee zu überzeugen. Das hat sich verändert: Bei der Befragung im Vorjahr gaben nur 30 Prozent an, dass sie Probleme hatten, ihre Geldgeber für ihre Idee zu begeistern. Vor allem eine zu kurzfristige Planung und das fehlende Verständnis für die Geschäftsidee lassen Kapitalgeber zögern (34 bzw. 33 Prozent der Befragten). „Dass die Kapitalgeber hier wählerischer und kritischer geworden sind, lässt sich sicherlich damit erklären, dass sie mittlerweile mehr Erfahrung gewonnen haben und Start-ups besser bewerten können“, so Medrow.